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Mutmaßlicher Terrorist
Al Bakr offenbar in Deutschland radikalisiert

Fall Dschaber al Bakr: Großeinsatz in Chemnitz
Fall Dschaber al Bakr: Großeinsatz in Chemnitz FOTO: AFP/ LKA Sachsen
Leipzig . Der mutmaßliche Terrorist Dschaber al Bakr soll einem Medienbericht zufolge in Berlin zum radikalen Islam gekommen sein. Das soll der Bruder des Terrorverdächtigen berichtet haben. Al Bakr hatte sich am Mittwoch in der Untersuchungshaft das Leben genommen.

"Mein Bruder hat sich in Deutschland radikalisiert", sagte sein Bruder Alaa al Bakr dem "Spiegel". Ausschlaggebend für seine Radikalisierung war laut "Spiegel" ein Berliner Imam. Er habe Dschaber al Bakr einer Gehirnwäsche unterzogen und ihn aufgefordert, in Syrien zu kämpfen. Im September 2015 habe sich der junge Mann in Syrien dem IS angeschlossen.

Wie der Spiegel weiter aus dem Telefonat mit dem Bruder des mutmaßlichen Terroristen erfuhr, war al Bakr vor seiner Flucht aus Syrien unpolitisch. Erst ein Imam in Berlin soll ihn zum radikalen Islam bekehrt haben. Dschaber al Bakr sei über die Türkei zurück nach Syrien gereist und soll sich dort der Terrormiliz IS angeschlossen haben. Die Familie habe sich darauf von ihm abgewandt, berichtete Alaa Albakr dem Spiegel.

Pathologe bestätigte Tod Al Bakrs durch Erhängen

Nach dem Suizid des Terrorverdächtigen Dschaber al Bakr hat die Obduktion des Leichnams bestätigt: Der 22-jährige Syrer starb durch Erhängen. Die Obduktion habe "ergeben, dass der Tod durch Erhängen eingetreten ist", erklärte die Staatsanwaltschaft Leipzig am Freitag. Diese hatte nach dem Auffinden von al Bakrs Leiche in seiner Zelle am Mittwochabend ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet.

Derweil hat der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Fehler im Fall Al Bakr eingeräumt. "Der Umgang mit dem des Terrorismus bezichtigten Häftlings ist nicht in dem Maße erfolgt, wie es notwendig gewesen ist", bekannte Tillich vor Journalisten in Berlin. Im Bundesrat sagte er: "Der Suizid hätte verhindert werden müssen, in jedem Fall." Er sei offen für eine unabhängige Untersuchungskommission, eine Ablösung seines Justizministers Sebastian Gemkow (CDU) lehnte er ab.

Flüchtlinge hatten den Verdächtigen gefesselt

Al Bakr war nach einer bundesweiten Fahndung in der Nacht zum Montag wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen worden. Zuvor waren in einer von ihm genutzten Wohnung in Chemnitz eineinhalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden worden. Der Terrorverdächtige soll Züge in Deutschland und Flughäfen in Berlin im Visier sowie Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehabt haben. Am Mittwoch erhängte sich in seiner Zelle in Leipzig.

Drei Syrer hatten den Terrorverdächtigen gefesselt und der Polizei in Leipzig übergeben. Sie erhalten nun nach eigenen Angaben Morddrohungen von IS-Sympathisanten. Die Polizei schütze sie aber nicht, sagten die Männer der "Bild"-Zeitung.

Kurz vor seinem Suizid soll al Bakr in der Untersuchungshaft ausgesagt haben, die drei Syrer hätten von seinen Anschlagsplänen gewusst. Zu dieser Behauptung sagte nun einer der drei, al Bakr habe sich an ihnen rächen wollen, weil sie ihn der Polizei übergeben hatten. Die Ermittler hatten die Männer am Montag vernommen und freigelassen.

(felt/AFP/isw/dpa)
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