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Attacken auf Politiker: Albträume der Personenschützer

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 15.10.2007 - 10:01

Berlin (RP). Die Attacke auf Bundespräsident Horst Köhler in Frankfurt zeigt das Spannungsverhältnis für wirksamen Schutz gefährdeter Politiker auf: Volksvertreter wollen und müssen dem Volk möglichst nahe kommen und dürfen sich nicht verstecken. Dabei laufen sie gleichzeitig Gefahr, verletzt zu werden. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Wer abends in Berlin durch den Bahnhof Friedrichstraße schlendert und in den Lebensmittelladen mit den langen Öffnungszeiten geht, dem kann es durchaus passieren, dass er Angela Merkel an der Kasse stehen sieht, wie sie schnell noch ein paar Kleinigkeiten für den Abend mit Ehemann Joachim Sauer einkauft. Erst auf den zweiten Blick sind dann die Personenschützer zu bemerken, die der Kanzlerin Tag und Nacht nicht von der Seite weichen - je nach Risiko ihr mal mehr oder weniger nah sind. Ins Bad und ins Bett dürfe er noch alleine, scherzte Merkel-Vorgänger Gerhard Schröder einmal über die ständigen Begleiter von einer speziellen Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamtes. Wie wichtig diese ist, zeigen die schlimmen Attentate, die sich ins kollektive Gedächtnis der Nation gegraben haben.

Zum Beispiel der 25. April 1990: Oskar Lafontaine, damals SPD-Kanzlerkandidat, erwartet nach einer Wahlveranstaltung in Köln noch ein TV-Team auf der Bühne zu einem kurzen Interview. Eine Frau mit zwei Blumensträußen wird ebenfalls zu ihm gelassen. Aus einem zieht sie blitzschnell ein Küchenmesser und rammt es Lafontaine in den Hals. Nur um Millimeter verfehlt sie die Halsschlagader. Lafontaine verliert mehrere Liter Blut und kann in einer Notoperation gerettet werden. Es stellt sich heraus, dass die geistig verwirrte Täterin Lafontaine nur deshalb zu töten versuchte, weil der gleichfalls auf der Bühne anwesende Johannes Rau zu weit entfernt stand.

Oder der 12. Oktober 1990. Wolfgang Schäuble, damals CDU-Innenminister, ist in einer Gaststätte in Oppenau ebenfalls bei einer Wahlkampfveranstaltung, als ein psychisch Kranker von hinten drei Schüsse aus einem Revolver auf ihn abfeuert. Zwei Schüsse zerfetzen Schäubles Kiefer und Rückenmark, in dramatischen Stunden kämpfen die Ärzte gegen den Tod, der Politiker überlebt - gelähmt vom dritten Wirbel abwärts. Sein Leben verdankt er möglicherweise seinem Leibwächter, der sich in die Schussbahn wirft und eine weitere Kugel mit seiner Schutzweste abfängt.

Vergleichsweise glimpflich der Verlauf am 13. Mai 1999: Außenminister Joschka Fischer will in aufgewühlter Stimmung auf einem Grünen-Sonderparteitag in Bielefeld um Zustimmung zum Kosovo-Krieg werben, als ihn ein Farbbeutel am Ohr trifft und das Trommelfell verletzt.

In allen drei Fällen schien das Risiko kalkulierbar, hätte Fischer sicherlich politisch verloren, wenn er während des Parteitages hinter Bodyguards in Deckung gegangen wäre. Also müssen die Personenschützer mit ihrer eigenen Präsenz flexibel umgehen. So können sie sich weit zurückziehen, wenn sie mit ihrer gefährdeten Person in ohnehin geschützte Bauwerke wie den Bundestag oder das Bundeskanzleramt gehen, können sie einen größeren Abstand halten, wenn sie Gebäude mit eingeschränktem öffentlichen Zugang aufsuchen. Seit dem 11. September 2001 wird immer häufiger außer einer Zugangs- auch noch eine Personen-, Gepäck- und Körperkontrolle zwischengeschaltet, wenn Veranstaltungen auch von herausragend wichtigen Politikern besucht werden.

Zum Befördern gefährdeter Mitglieder der Bundesregierung werden grundsätzlich gepanzerte Limousinen im Doppelpack eingesetzt, erkennbar an den getönten Scheiben und den Blaulichtern auf dem Dach. Größere Strecken legen sie - zeitsparend - mit Hubschrauber oder Flugzeug zurück, wobei die Limousinen in einer logistischen Herausforderung die Gefährdeten am Ankunftsort bereits erwarten. Und sollte die Kanzlerin demnächst Afghanistan besuchen, wird sie - anders als bei Edeka - von Personenschützern geradezu engstens umringt sein und je nach Aufenthaltsort selbst eine Splitterschutzweste anlegen müssen.


 
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