Über 3.000 Tiere: Allwetterzoo Münster: Auch bei Regen eine Reise wert
VON CHRISTOPH SCHROETER - zuletzt aktualisiert: 03.09.2004 - 08:43Düsseldorf (rpo). Vom Zoohafen aus kann man den Eingang schon sehen. Und sollte sich das Wasser nicht darauf beschränken, gegen den Bug des "Wasserbusses" zu schlagen, sondern auch von oben auf Sie einströmen, kein Problem, Sie besuchen ja schließlich den Allwetterzoo in Münster.
Warum "Allwetterzoo"? Die oft gestellte Frage ist schnell beantwortet: Als der Zoo 1974 eröffnet wurde, hatten die Architekten seinerzeit die Idee, die großen Tierhäuser mit überdachten Gängen miteinander zu verbinden. aus diesen "Allwettergängen" wurde dann recht schnell der marketingtechnisch griffige "Allwetterzoo".
Und so können die Besucher heute einen rund 1.000 Meter langen Rundweg entlangspazieren, ganz unabhängig davon, ob Petrus nun die Himmelsschleusen öffnet oder die Sonne so brennt, dass man nach ein wenig kühlendem Schatten sucht.
Trotz aller Dächer, einen Regen-/Sonnenschirm sollte der geneigte Besucher trotzdem zur Hand haben, denn es gibt auch Lücken: zum einen die architektonische gewollte Aussparung zwischen Elefanten- und Giraffenhaus und die finanziell bedingte Lücke zwischen ZoORANGerie und dem Ausgang. Doch das sollte einen fröhlichen Zoobesuch wohl kaum zu trüben in der Lage sein.
Doch ein Zoo wird wohl weniger von seinen Gebäuden als vielmehr von den Tieren geprägt, die darin wohnen. Und da hat der Zoo Münster einiges zu bieten. Die letzte "Volkszählung" fand statt am 31.12.2003 und ergab die "Einwohnerzahl" von 3.171 Tieren, unterteilt in 379 Arten.
Die größte Gruppe machen dabei die Fische aus, 934 Vertreter ziehen ihre Bahnen in den Zoo-Aquarien, gefolgt von einen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwischen Vögeln (684) und Säugetieren (647). auf den Plätzen folgen die Wirbellosen (451), die Reptilien (362) sowie 93 Amphibien.
Doch, und das dürfte besonders die Kinder unter den Zoobesuchern freuen, seit Jahresbeginn sind in Münster fast 100 Tierkinder zur Welt gekommen, darunter fünf Geparden, zwei Emus, 16 Brillenpinguine, ein Zebra und fünf Vieraugen. Da gibt es eine Menge zu bestaunen.
Brillenpinguine beim Fitnesstraining
Eine möglichst große Nähe zwischen Mensch und Tier herzustellen ist das vorrangige Ziel des Allwetterzoos. So gibt es mehrere für Besucher begehbare Anlagen, in denen farbenprächtige Papageien (Aras und Loris), Flamingos und Störche oder Affen (Kattas und Guerezas) völlig ohne Grenzen erlebt werden können.
Andere Zoobewohner wie die Brillenpinguine trifft man außerhalb ihrer Anlage an, wenn sie (fast täglich) aus "Fitnessgründen" mit den Pflegern über Besucherwege marschieren. Als Belohnung erhalten die kleinen Frackträger eine Portion Fische von den jüngsten Besuchern. Füttern dürfen Besucher auch die Elefanten mit Obst und Gemüse, das von den Pflegern bereitgehalten wird.
Staunen bei den Kleinen ist ganz besonders im Delphinarium angesagt. Den ganzen Tag über geöffnet, können die Tiere beim Spielen, Trainieren und natürlich auch bei ihren Vorführungen beobachtet werden.
Wer genügend Zeit mitbringt und sich frühzeitig anmeldet, kann in einer Kleingruppe mal hinter die Kulissen des Delphinariums schauen. Das mehrstündige Extraprogramm mit fachkundiger Betreuung kostet allerdings zwischen 90 und 130 Euro pro Person. Aber was man dort zu sehen bekommt, ist auch wirklich beeindruckend.
Per Wasserbus zum Zoo
Beeindruckend sind auch die Zahlen, was die lieben Tierchen im Jahr so an Futter verputzen. Da wären 280.000 Kilogramm Heu, 138.000 Kilogramm Gemüse und knapp über 100.000 Kilogramm Obst, darunter allein 67.000 Kilogramm Äpfel. Aber auch Fleisch und Fisch stehen natürlich auf dem Speiseplan: Neben 30 Tonnen Fisch und über 25 Tonnen Rindfleisch, werden auch 400 Kilogramm Mehlwürmer und 450.000 Grillen, Heimchen und Heuschrecken serviert.
Wie kommt man hin zum Allwetterzoo? Natürlich ganz klassisch mit dem Auto (3.000! Parkplätze) oder mit der Bahn und dann mit dem Bus. Aber getreu dem Motto, der Weg ist das Ziel, kann man das letzte Stück der Anreise besonders für die Kleinen zum Erlebnis machen: Der Wasserbus "Professor Landois" (benannt nach dem Gründer des Zoos) schippert im Sommer stündlich quer über den Aasee und bringt die Besucher von der Stadtmitte direkt bis vor die Tore des Zoos.
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