Anti-Terroreinsatz in Oberschledorn: "Als die Schüsse fielen, bin ich weggerannt"
zuletzt aktualisiert: 05.09.2007 - 14:50Oberschledorn (RPO). Ein Dorf im Sauerland steht unter Schock: Zwischen Misthaufen und Kinderspielplätzen hielten sich drei mutmaßliche Terroristen versteckt, um an ihren Sprengstoffanschlägen zu arbeiten. Die Bewohner erlebten die Festnahme hautnah.
Glück hat der neunjährige Maurice Scheiding bei dem Anti-Terroreinsatz der Polizei in Oberschledorn nahe dem nordhessischen Ort Korbach gehabt. Der Schüler war Zeuge, als ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei drei mutmaßliche islamistische Terroristen am Dienstagnachmittag festgenommen hatte. "Ich wollte eigentlich nur zu dem Kinderspielplatz", berichtet der Neunjährige einen Tag darauf. "Da hatte ein Mann hinter einem Baum eine Pistole rausgestreckt. Als Schüsse fielen, bin ich dann weggerannt", schildert der Junge. Ein Polizist habe ihn schließlich nach Hause geschickt.
Der 900-Einwohner große Ort an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen steht nach der Festnahme dreier mutmaßlicher Terroristen unter Schock. "Jetzt ist da auch noch Sprengstoff gefunden worden", sagt Mutter Ute Scheiding. Die Kinder habe sie immer alleine rausgelassen. "Die Festgenommenen haben nur drei Häuser weiter weggewohnt", sagt die 38-Jährige. Jetzt habe sie einfach nur noch Angst. Gesehen habe sie die mutmaßlichen Terroristen aber nicht.
"Ich bin hier seit 25 Jahren Bürgermeister, nach so etwas ist man völlig fertig", sagt Bürgermeister Heinrich Nolte (CDU). Von dem Zugriff des Polizei-Sondereinsatzkommandos habe er telefonisch erfahren, als er auf dem Rückweg aus seinem Urlaub war.
"Seit Tagen war hier schon die Polizei", berichtet der 50-jährige Willi Dessel, Ortsvorsteher in Oberschledorn. Man habe den Anwohnern erzählt, dass die Polizisten wegen der Digitalisierung des Polizeifunks hier seien. An mögliche Terroristen habe man natürlich nicht gedacht. "Man ist erschüttert, dass so etwas hier passiert", sagt Dessel. Anwohner hätten ihm berichtet, dass zwei mutmaßliche Terroristen sofort festgenommen worden seien. Ein weiterer sei 300 Meter geflohen, bis es zu einem Schusswechsel gekommen war. "Dabei soll auch eine Scheibe eines Polizeiautos zu Bruch gekommen sein", sagt Dessel.
Im Ort wurden die drei Männer von niemandem bemerkt. "Die waren seid Freitag die ganze Zeit in der Ferienwohnung im Eichenweg", sagt der Ortsvorsteher. Eine gute Werbung sei die Geschichte für den Ort wohl nicht. "Man erwartet nicht, dass in einem verschlafenen Sauerlanddorf so etwas möglich ist", sagt Hans-Gerd Hellwig. Der 62-Jährige lebt schon immer in Oberschledorn. "Normalerweise lassen wir hier die Autos immer offen", sagt auch Dessel. Das werde wohl künftig anders werden.
Kritik äußert der Ortsvorsteher an der Informationspolitik der Polizei. "Man wurde nicht informiert, was los war", sagt Dessel. Erst habe es Gerüchte gegeben, dass eine Autoschieberbande observiert und festgenommen worden sei. Als es nach dem SEK-Einsatz hieß, dass es einen Flüchtigen gegeben habe, habe ihn sein Schwiegervater angerufen, in seiner Wohnung nachzusehen. Diese liegt in unmittelbarer Nähe des Tatortes. "Da war der Mann aber schon längst festgenommen", sagt Dessel.
Für die Anwohner Oberschledorns ist die Festnahme der mutmaßlichen Terroristen das bislang Spektakulärste, was je im Ort passiert ist. Vor Jahren hatte es noch einen Überfall auf die Volksbank gegeben. "Die Bankräuber hatten sich dann in einem Misthaufen versteckt", berichten Anwohner.
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