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panorama Althaus hände vor gesicht DDp
  Foto: ddp, ddp
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Kritik an Thüringens Ministerpräsident: Althaus verhält sich "unangebracht und pietätlos"

zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 12:23

Hamburg (RPO). Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus muss sich Kritk dafür gefallen lassen, dass er seinen Skiunfall vom Jahresanfang im Wahlkampf thematisiert. Dabei war die Slowakin Beata Christandl getötet worden. Ihre Familie wirft Althaus laut eines Berichts jetzt vor, "unangebracht und pietätlos" zu handeln. Die Thüringer CDU hat Zweifel an der Kritik.

CDU-Landesgeschäftsführer Andreas Minschke sagte am Freitag der Nachrichtenagentur ddp: "Wir prüfen die Aussagen auf ihre Richtigkeit." Anschließend werde es eine Stellungnahme geben. Althaus werde "das jetzt selbst in die Hand nehmen", fügte er hinzu.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" hatte Althaus über seinen Besuch am Grab der Getöteten gesagt: "Es war für mich sehr wichtig, dort zu beten." Darüber zeigte sich der Witwer Bernhard Christandl verärgert, er sei über den Besuch nicht informiert gewesen.

Auf sein Verhältnis zum Witwer angesprochen, sagte Althaus: "Der Kontakt ist freundschaftlich."

Die Veröffentlichungen haben bei der Familie von Beata Christandl großen Unmut hervorgerufen. Alexander Rehrl, Anwalt der Familie, sagte gegenüber der "Welt": "Da der Tod von Beata Christandl eine zutiefst private Angelegenheit der Familie ist, werden die jüngsten Berichte über den tragischen Skiunfall von der Familie nicht nur als Vertrauensbruch, sondern als unangebracht und pietätlos bewertet."

Auch sei ihm von einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Althaus und seinem Mandanten nichts bekannt. Es habe lediglich zwei Briefwechsel gegeben.

Inzwischen hat es laut "Welt" Gespräche zwischen den Parteien gegeben. Dabei sei vereinbart worden, über den weiteren Verlauf der Verhandlungen Stillschweigen zu bewahren, zitiert die Zeitung Anwalt Rehrl.

Minschke betonte, dass die Äußerungen von Althaus schon mehrere Wochen her seien. Dass nun eine Woche vor der Wahl ein solcher Artikel erscheine, hinterlasse "ein Geschmäckle". Die Staatskanzlei wollte sich auf ddp-Anfrage nicht äußern. Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow sagte, er könne den Unmut der Hinterbliebenen sehr gut verstehen. Die Familie habe es verdient, dass der Skiunfall aus der Perspektive des Opfers und nicht aus der des Täters thematisiert werde.

Künast kritisiert

Kritik kommt auch von Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast. "Ich finde es unanständig, was Herr Althaus macht", sagte Künast dem "Hamburger Abendblatt". "Von allen anderen erwartet er, dass sie sich nicht mit seiner Straftat auseinandersetzen, für die er verurteilt wurde. Er selbst setzt den Skiunfall aber emotional im Wahlkampf ein." Die Grünen würden Althaus nach den Landtagswahlen in Thüringen am 30. August "auf keinen Fall" unterstützen.

Althaus war am Neujahrstag beim Skifahren in Österreich mit einer 41-jährigen Frau zusammengestoßen, die an ihren Kopfverletzungen starb. Althaus erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Das Bezirksgericht im österreichischen Irdning verurteilte den Ministerpräsidenten daraufhin wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 33.300 Euro.

Schwierige Mehrheitsverhältnisse

Nach einer aktuellen Wählerumfrage für die ARD gäbe es bei der Landtagswahl in Thüringen schwierige Mehrheitsverhältnisse. Ministerpräsident Althaus müsste sich demnach nach einem oder mehreren Koalitionspartnern umsehen, sie die "Tagesthemen" am Donnerstagabend berichteten.

Die CDU käme auf 34 Prozent. Die Linken würde zweitstärkste Partei mit 24 Prozent der Stimmen. An dritter Stelle käme die SPD mit 19 Prozent. Die FDP steht derzeit bei 8 Prozent, die Grünen wären mit einem Ergebnis von 6 Prozent ebenfalls im Landtag vertreten.

Rechnerisch hätte ein rot-rot-grünes Bündnis eine Mehrheit der Mandate. Allerdings wäre die SPD nach einem Parteitagsbeschluss nicht bereit, den Spitzenkandidaten der Linkspartei, Bodo Ramelow, zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Die ARD hob hervor, dass die NPD knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben könnte. Sie käme nur auf vier Prozent der Stimmen. Dabei gaben drei Prozent der Thüringer an, bei der Landtagswahl sicher die NPD zu wählen. Fünf Prozent wollen der Umfrage zufolge die Rechtsextremisten vielleicht wählen. Das sogenannte Rechtspotenzial liegt in Thüringen demnach bei acht Prozent. Vor der Landtagswahl 2004 lag es bei neun Prozent.

Quelle: DDP/csr

 
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