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Staatsanwaltschaft wirft Althaus fahrlaessige Toetung vor
  Foto: ddp, ddp
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Wahlen in Thüringen: Althaus wird zum Problem

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 03.03.2009 - 16:45

Erfurt (RP). Dieter Althaus muss sich gegen den Verdacht fahrlässiger Tötung einer Skifahrerin wehren. Die Hauptverhandlung beginnt noch am Dienstag. Sein Anwalt wehrt sich gegen Äußerungen, Thüringens Ministerpräsident habe die Schuld eingeräumt. In einer Stellungnahme habe Althaus lediglich von einer Mitschuld gesprochen. Für Union wird der verletzte Politiker unterdessen zum Riesenproblem. Die Partei wird sich einen neuen Spitzenmann suchen müssen.

Johann Liepert, der Arzt, der den thüringischen Ministerpräsidenten und Rekonvaleszenten Dieter Althaus (CDU) behandelt, sagte neulich vorsichtig, er halte es für vorstellbar, dass sein Patient bis zur Sommerpause auf die politische Bühne in Erfurt zurückkehren könne.

Seit nun feststeht, dass die Staatsanwaltschaft im österreichischen Loeben Althaus wegen fahrlässiger Tötung der beim Skiunfall ums Leben gekommenen Beata Christandl anklagen wird, stellt sich nicht allein die Genesungs-Frage. Vielmehr drängt ein hochpolitisches Problem: Ob der 50 Jahre alte Regierungschef nicht gravierend gegen die politische Hygiene verstieße, falls er in wenigen Monaten sein Amt wieder ausübte und als CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thüringen am 30. August auf Straßen und in Sälen als Wahllokomotive Dampf machte.

"Er ist definitiv nicht der Alte"

Wenige Menschen durften seit dem schrecklich folgenreichen Pisten-Zusammenstoß zwischen Althaus, dem verheirateten Vater von zwei erwachsenen Kindern, sowie Beata Christandl, der verheirateten Mutter eines einjährigen Jungen, ans Krankenbett des Überlebenden. Neben Althaus' Ehefrau Katharina, die seit der Verlegung ihres Ehemannes von einem österreichischen Krankenhaus in eine Reha-Klinik am Bodensee ständig bei ihm ist, durfte Althaus' Bruder Uwe ans Krankenlager kommen.

Anschließend meinte Bernd Uwe Althaus beinahe schonungslos offen: "Er ist definitiv nicht der Alte, weder im Aussehen noch in seinen Verhaltensweisen." Von Koordinierungsstörungen, Gedächtnisproblemen und Konzentrationsmängeln war stets die Rede, sooft nach dem bekanntesten Reha-Patienten am Bodensee gefragt wurde.

Althaus wird zum Riesenproblem

Die thüringische CDU behauptete bislang in einer Mischung aus Rücksichtnahme auf den Erkrankten und personalpolitischer Unbeholfenheit vor den Wahlen in Thüringen (7. Juni Kommunal-/Europawahl); 30. August Landtagswahl), alles werde schon noch rechtzeitig gut. Jeder, der so sprach, wusste aber auch dies: Sollte es zur Anklage gegen den CDU-Spitzenmann kommen, dann habe man ein Riesenproblem.

Zwar meinte der Sprecher der thüringischen CDU vor kurzem, man stehe auch im Fall einer Anklage zu Althaus. Das ist menschlich nobel. Wohl jedoch tuschelt man in Erfurt seit langem, ob jemand, der unter dem dringenden Verdacht steht, fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht zu haben, sich wirklich um das Amt des ersten Mannes im Freistaat Thüringen bewerben sollte.

Ein Mensch mit Skrupeln, der nicht an der Macht klebt

Diejenigen, die den praktizierenden Katholiken Althaus gut kennen, vertraten vom Unfalltag an sowieso die Meinung, Althaus klebe erstens nicht an der Macht; zweitens sei er ein Mensch mit Skrupeln, nicht der eisenharte Politiker-Typus, der mögliches Eigenverschulden mit tödlichen Folgen für Dritte vorwärts marschierend verdränge. Althaus selbst hat nach Angaben der Loebener Ermittlungsbehörde glaubhaft versichert, sich an den Zusammenprall an der Kreuzung zweier Skiabfahrten nicht erinnern zu können.

Nach langwierigen Rekonstruktionen des Geschehens steht fest, dass Althaus mit Tempo 40 fuhr und, statt an der Pistenkreuzung abzubremsen und nach rechts talabwärts zu schwenken, einige Meter bergan auf diejenige Piste fuhr, auf der Beata Christandl mit Tempo 10 zu Tal strebte. Die Frau trug anders als Althaus keinen Schutzhelm. Sie erlag am Unfallort ihren Schädelbrüchen und wurde am 7. Januar auch im Beisein von Katharina Althaus zu Grabe getragen.

Absolute Mehrheit für Althaus nicht erreichbar

An Frau Althaus' Seite stand damals auch Thüringens Finanzministerin Birgit Diezel (CDU), die stellvertretende Ministerpräsidentin. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die politisch blasse Diezel die CDU in den Wahlkampf führen wird, wenn Althaus nicht mehr zur Verfügung steht. Erfurts Sozialministerin Christine Lieberknecht, die nach der Wende unter anderem Landtagspräsidentin und CDU-Fraktionschefin im thüringischen Parlament war, müsste wohl versuchen, das unmöglich Erscheinende möglich zu machen: nämlich die bis dato unbestrittene Nummer eins der CDU Thüringens zu ersetzen.

Die absolute Mehrheit hätte auch Althaus wohl nicht mehr erreicht. Derzeit liegt die CDU nach demoskopischer Erholung seit Jahresbeginn bei rund 40 Prozent. Sollte kein Bündnis zwischen der relativ schwachen SPD (16 Prozent) und der ziemlich starken Linkspartei (knapp 30 Prozent) zustande kommen, ist eine große Koalition aus CDU und SPD nach dem 30. August das wahrscheinliche Ergebnis.

Quelle: RP

 
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