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Arbeitsgruppe der Union
Altherrenverein sucht Nachwuchs – Frauen bevorzugt

Fotos: Angela Merkel – Momente einer Kanzlerin
Fotos: Angela Merkel – Momente einer Kanzlerin FOTO: dpa, mk rf abl tmk
Berlin. An der Spitze der CDU steht zwar Angela Merkel, aber ansonsten hat ihre Partei eher den Ruf eines Altherrenvereins. Die Partei will jünger und weiblicher werden. Eine Arbeitsgruppe sucht ab heute nach Ideen. Experten glauben: Schon Kleinigkeiten könnten helfen.

Solche Fotos sieht man häufig. Angela Merkel umringt von dunklen Sakkos, Hemdkragen und Krawatten. Männer sind in der CDU in der Überzahl, das zeigen nicht nur Bilder von Parteitagen. Nach Angaben des Berliner Parteienforschers Oskar Niedermayer ist in der CDU nur etwa jedes vierte Mitglied eine Frau (25,8 Prozent), und auch in den anderen Parteien Deutschlands sind Frauen unterrepräsentiert. Woran liegt das?

Die Antwort darauf sei hochumstritten, sagt Politikwissenschaftler Tim Spier von der Universität Siegen. "Da muss man ganz vorsichtig sein." Eine Annahme sei, dass Frauen früherer Generationen schon als Mädchen weniger mit Politik in Kontakt gebracht wurden. Das könne auch ganz unterschwellig geschehen sein. Zudem hätten Frauen in dem Alter, in dem man politisch Karriere mache, noch häufiger eine wichtige Rolle in der Familie.

"Generell haben wir das Phänomen, dass Frauen sich weniger politisch engagieren", sagt Spier. In Zahlen liest sich das so: In der SPD liegt der Anteil weiblicher Mitglieder bei 31,8 Prozent, bei der FDP bei 23,0 Prozent, bei den Linken bei 37,5 Prozent, bei den Grünen gibt es immerhin 38,5 Prozent Frauen.

Spier vermutet, dass männerdominierte Parteien auf einige Frauen abschreckend wirken. Eingeschworene Männerbünde - die haben zum Beispiel in der CDU Tradition, der legendäre Andenpakt etwa, in dem sich vor fast 40 Jahren ambitionierte Jungpolitiker zusammentaten. Nach außen traten in der Union lange nur Männer in Erscheinung. Dann kam Merkel.

"Wir müssen natürlich die Vorbilder, die wir haben, nach vorne bringen", sagt der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak. Die CDU hat das Thema mit einer Arbeitsgruppe angegangen. "Wir haben die Kanzlerin, klar. Und die Verteidigungsministerin. Aber wir haben ganz viele andere Frauen, die als Abgeordnete im Bundestag oder in den Landtagen aktiv sind", sagt Ziemiak, der die AG leitete.

Festgehalten sind die Ideen der AG im Reformpapier "Meine CDU 2017", das Strategien gegen den massiven Mitgliederschwund der Partei zusammenfasst. Über die Eckpunkte der Parteireform soll der Parteivorstand an diesem Montag abstimmen, der Bundesparteitag entscheidet im Dezember. Das Ziel: Mehr junge Leute, mehr Menschen mit Migrationshintergrund und mehr Frauen als Mitglieder. Der Frauenanteil soll bis 2020 auf mehr als 30 Prozent steigen.

Im ersten Moment klingt das wenig, wie auch Ziemiak einräumt. "Aber wir wollen realistische Ziele." Politikforscher Spier hält das Ziel sogar für ambitioniert. Die CSU etwa habe es in der Zeit von 1990 bis heute gerade einmal geschafft, ihren Frauenanteil um fünf Prozentpunkte zu verbessern. Und liegt nun bei 20 Prozent.

Nach Einschätzung Ziemiaks könnten Kleinigkeiten helfen. In der AG sei öfter gesagt worden, dass viele Frauen gerne Planungssicherheit hätten. Eine Idee sei daher, etwa bei der Sitzung eines Stadtverbands nicht nur eine Anfangszeit, sondern auch ein Ende festzusetzen. "Häufig kommen nämlich andere, die keine Verpflichtungen von Beruf und Familie haben, ins Schwafeln. Und Sitzungen dauern Ewigkeiten", sagt Ziemiak. Auch eine Videoschalte sei gut angekommen.

Auch die Vorsitzende der Frauen Union der CDU, Maria Böhmer, sieht Nachholbedarf. "Es gibt immer noch festsitzende Vorurteile und über die Jahre unveränderte Verhaltensmuster, die Fortschritte für echte Chancengleichheit in unserer Partei bremsen", teilte sie auf dpa-Anfrage mit. Für Frauen sei es wichtig, dass sie möglichst freie Gestaltungsmöglichkeiten bei der Mitarbeit in einer Partei hätten. Zeitlicher Aufwand und Ergebnisse müssten im Verhältnis stehen.

Aus Sicht des Politologen Spier versuchen auch andere Parteien immer wieder, mehr Frauen anzuwerben. Sie brauchen Mitglieder. Auch, um politische Ämter zu besetzen: Nach Schätzung Spiers gibt es in Deutschland insgesamt rund 220.000 kommunale Mandate. "Man findet da schon keine Kandidaten mehr", sagt Spier.

(dpa)
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