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Reaktionen auf den Tod des Altkanzlers
"Helmut war ein Fels"

Reaktionen auf den Tod Helmut Kohls
Reaktionen auf den Tod Helmut Kohls
Washington. Der Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl bewegt Weggefährten, Gegner und Bewunderer. Der frühere US-Präsident George H. W. Bush würdigt den Altkanzler ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Vor allem aber hat sich Walter Kohl vom Tod seines Vaters tief betroffen gezeigt. Er habe während einer Autofahrt im Radio davon erfahren, sagte der 53-Jährige am Freitag vor dem Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim. Nach seinen Worten hatte Helmut Kohl den Kontakt zu ihm und dem jüngeren Bruder Peter vor längerer Zeit abgebrochen. Auch zu den Enkelkindern habe es keinen Kontakt mehr gegeben. Er selbst habe das letzte Mal im Sommer 2011 mit seinem Vater telefoniert und habe ihn danach nicht mehr besuchen dürfen. "Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist", sagte Walter Kohl vor Journalisten. Er sei zuvor am Totenbett seines Vaters gewesen. Helmut Kohl sei ein Mann gewesen, der sehr viel für den Frieden in Europa getan habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "Glücksfall für uns Deutsche" gewürdigt. In einer Rede sprach sie zudem von der ganz persönlichen Rolle, die Kohl für sie gespielt habe.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Kohls Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa gewürdigt. Insbesondere hob er in einem Kondolenzschreiben an Kohls Witwe dessen "segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung" mit Frankreich hervor. "Wir trauern um einen großen Staatsmann - sein Werk wird Bestand haben", schrieb Steinmeier weiter.

"Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben", ließ Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) verlauten. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) nannte seinen Vorgänger einen "großen Patrioten und Europäer". "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben", sagte Schröder den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte: "Helmut Kohl hat entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten." Die amtierende Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD) nannte den Altkanzler eine der "herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts".

"Helmut Kohl hat den Moment erkannt, in dem es möglich war, das Land wieder zu vereinen und zugleich ins Herz Europas zu führen. Das war ein Meisterstück an politischem Instinkt und Tatkraft. Sein Tod ist ein großer Verlust. Für die CDU wird er immer ein Fixpunkt bleiben", würdigt Verteidigungsministerin und CDU-Vize Ursula von der Leyen den Altkanzler.

Der frühere US-Präsident George H. W. Bush hat Kohl als "wahren Freund der Freiheit" bezeichnet. "Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe", heißt es in einem Statement von Bush, das sein Büro am Freitag verbreitete.

Bush war einer der US-Präsidenten, die während Kohls Amtszeit im Weißen Haus waren. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit. Es sei eine der "großen Freuden meines Lebens", gemeinsam mit Kohl an der friedvollen Beendigung des Kalten Krieges und an der deutschen Wiedervereinigung innerhalb der Nato gearbeitet zu haben. "Bei all unseren Anstrengungen war Helmut ein Fels - stark und beständig", heißt es in dem Statement Bushs. "Möge Gott der Allmächtige Helmut Kohl segnen und die Freiheit, die er zu erhalten geholfen hat."

Gorbatschow: Kohl in wichtiger Zeit zur Stelle

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat Kohl als herrausragenden Politiker gewürdigt, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlässt. "Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen "Kanzler der deutschen Einheit" gegeben. Das ist richtig und gerecht", erklärte er. In Kohls Amtszeit seien bedeutende Ereignisse gefallen wie das Ende des atomaren Wettrüstens, des Kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Diese Ereignisse seien auch riskant gewesen, schrieb der 86-Jährige auf seiner Webseite. "Es war ein großes Glück, dass in dieser schwierigen Zeit an der Spitze der führenden Mächte Staatsmänner waren, die Verantwortungsbewusstsein hatten, die die Interessen ihrer Länder entschlossen vertreten haben, aber die auch in der Lage waren, die Interessen der anderen zu berücksichtigen."

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat Kohls visionäre Führungskraft gewürdigt. Damit habe Kohl Deutschland und Europa auf das 21. Jahrhundert vorbereitet. "Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten", heißt es in einem von Clinton verbreiteten Statement. "Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union."

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "sehr großen Europäer" gewürdigt. "Architekt der deutschen Einheit und der französisch-deutschen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer", erklärte Macron am Freitagabend über den Kurzbotschaftendienst Twitter. "Helmut Kohl war einer der großen Staatsmänner Europas und der freien Welt.".

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat "tiefe Trauer" über den Tod des früheren Bundeskanzlers geäußert. Kohl sei "einer der größten Freunde des Staates Israel" und der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen, sagte Netanjahu am Freitag nach Angaben seines Büros. "Kohl war der Führungspolitiker, der Deutschland in Entschlossenheit und mit sicherer Hand vereint hat", sagte Netanjahu. "Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat."

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich "sehr traurig" über den Tod von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl gezeigt. Kohl sei ein "persönlicher Freund" von Guterres gewesen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Freitag vor Journalisten in New York. "Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat."

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb bei Twitter: "Helmut Kohl war die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer." 

Hier finden Sie weitere Stimmen und Reaktionen aus Politik und Gesellschaft zum Tod des Altkanzlers.

(felt/dpa)
 
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