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SPD-Politiker stirbt mit 67 Jahren
An Ottmar Schreiner schieden sich die Geister
Die politischen Stationen im Leben des Ottmar Schreiner
Die politischen Stationen im Leben des Ottmar Schreiner FOTO: dpa, fab_htf_ken kno
Berlin. Ottmar Schreiner war das sozialpolitische Gesicht der SPD und erbitterter Gegner der Agenda 2010. Persönliche Wertschätzung genoss er über Parteigrenzen hinweg. In Berlin war er Nachbar von Angela Merkel - was nicht immer konfliktfrei war. Am Wochenende starb Ottmar Schreinerim Alter von 67 Jahren an Krebs. 

Für die einen war er ein aufrechter Kämpfer für den Sozialstaat, für die anderen ein unbeweglicher Betonlinker. An Ottmar Schreiner schieden sich nicht nur in der SPD die Geister. Trotzdem genoss der Saarländer Anerkennung über alle Parteigrenzen hinweg - als Mann, der für seine Überzeugungen kämpfte, auch wenn ihm der Wind ins Gesicht blies. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), 18 Jahre lang Gegenkandidat Schreiners im Wahlkreis Saarlouis, brachte es nach der Todesnachricht via Twitter auf den Punkt: "Er war ein starkes Stück SPD. Danke."

Der Sozialpolitiker, der 1969 der SPD beitrat und seit 1980 im Bundestag saß, galt lange Zeit als einer der profiliertesten Vertreter des linken Parteiflügels. Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün wurde er 1998 unter Parteichef Oskar Lafontaine Bundesgeschäftsführer der SPD. Doch Lafontaine warf hin, Bundeskanzler Gerhard Schröder übernahm den Parteivorsitz, drängte Schreiner aus dem Amt und berief Franz Müntefering auf den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs.

Als Schröder 2003 seine Agenda 2010 verkündete und die Parteilinken auf die Barrikaden gingen, wurde Schreiner einer ihrer Wortführer. Er blieb stets ein erbitterter Gegner von Schröders Reformkurs; vorübergehend wurde sogar spekuliert, Schreiner könne Lafontaine in die Linkspartei folgen. "Über Jahre in einer Minderheitenposition zu stehen, ist sehr belastend. Aber ich bin ausgebildeter Fallschirmoffizier, die schmeißen nicht hin", sagte er einmal.

Zwölf Jahre lang stand Schreiner an der Spitze der einst mächtigen SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA). Vor einem Jahr gab er den Vorsitz ab, nachdem er wegen einer Krebserkrankung schon einmal vorübergehend pausieren musste. Der Einfluss der Organisation, in der inzwischen vor allem Personalräte aus den öffentlichen Verwaltungen den Ton angeben, hatte da schon spürbar abgenommen.

Seine wohl letzte große Schlacht gegen die SPD-Spitze führte Schreiner auf dem Berliner SPD-Parteitag im Dezember 2011. Er kämpfte darum, die von der SPD mitgetragenen Reformen zur Rente zurückzudrehen. Doch dabei wollten ihm die weitaus meisten Delegierten nicht folgen.

In Berlin wohnte Schreiner im selben Haus wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die CDU-Chefin und ihr Gatte Joachim Sauer sollen nicht immer glücklich gewesen sein über die französischen Chansons, die der bekennende Mireille-Mathieu-Fan spätabends und gern laut hörte. Trotzdem schätzte Schreiner die Kanzlerin. "Sie ist eine gute Nachbarin - weil ich sie sehr selten sehe", sagte er einmal augenzwinkernd.

Erst im Januar hatte Schreiner angekündigt, dass er im Herbst nicht wieder für den Bundestag kandidieren werde. Der Krebs sei zurück, deshalb könne er den Wahlkampf nicht mit voller Kraft führen, sagte er. Am Samstag ist der 67-jährige Vater von drei Kindern seinem Krebsleiden erlegen.

Quelle: dpa/csi
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