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Bundesarbeitsministerin
Nahles: jährlich 20.000 Westbalkan-Bürgern Arbeit ermöglichen

Andrea Nahles will jährlich 20.000 Westbalkan-Bürgern Arbeit ermöglichen
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will jährlich 20.000 Flüchtlingen vom Balkan Arbeit ermöglichen. FOTO: ap
Berlin. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat das deutsche Asylsystem heftig wegen hoher Hürden für die Integration von Flüchtlingen kritisiert. Unterdessen will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) Bürgern aus Westbalkan-Ländern wie Albanien, Bosnien oder Kosovo den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.

Es müsse dafür gesorgt werden, "dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt fern gehalten werden", sagte Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). 

Die steigenden Flüchtlingszahlen seien eine Chance für den Arbeitsmarkt, sagte Kramer der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag. "Wir brauchen in den nächsten zwanzig Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird", sagte der BDA-Chef und sprach von 500.000 freien Stellen. Eine Möglichkeit, diese zu besetzen sei, Flüchtlinge möglichst schnell in die Arbeitswelt zu integrieren. Nötig seien Deutschkurse für Flüchtlinge vom ersten Tag an und ein Bleiberecht für junge Menschen in Ausbildung.

Das ist Andrea Nahles FOTO: dpa, Paul Zinken

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht für Flüchtlinge gute Jobchancen. "Unser Arbeitsmarkt ist derzeit stabil und aufnahmefähig. Wer gut Deutsch spricht und qualifiziert ist, wird schnell eine Stelle finden", sagte Weise der "Bild"-Zeitung vom Freitag. Da dies auf den Großteil der neu ankommenden Flüchtlinge aber nicht zutreffe, müsse rasch in Sprache und Bildung investiert werden.

Auf die Frage, ob Flüchtlinge deutschen Arbeitslosen mögliche Jobs wegnehmen, antwortete Weise: "Ausdrücklich Nein. Die Firmen haben so viele offene Stellen wie noch nie, und es fällt immer schwerer, diese zu besetzen." Deutschland werde ohne Zuwanderung bis 2025 mehr als 6,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren und brauche daher "ganz klar die qualifizierte Zuwanderung" - und zwar mit "einfachen und verständlichen Regeln" und "weniger Bürokratie".

Arbeitsministerin Nahles sagte dem "Spiegel": "Wir müssen ein festes Kontingent von Arbeitsbewilligungen für die Staatsangehörigen aller sechs Westbalkanstaaten schaffen." Sie schlug vor, dass jährlich insgesamt 20.000 Beschäftigte unabhängig von ihrer Qualifikation nach Deutschland kommen dürfen, um hier zu arbeiten oder eine Ausbildung aufzunehmen. Dies solle für die Dauer von fünf Jahren gelten. "Das wäre eine Möglichkeit, den Kreislauf von Einreise und Abschiebung zu durchbrechen." Voraussetzung sei eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und ein konkreter Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu ortsüblichen Löhnen.

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI

BA-Chef Weise sagte dazu im Deutschlandradio Kultur, Menschen aus den Balkanländern sollten nicht den Weg über Asylverfahren gehen. Er empfehle: "Beantragt eine Arbeit, bringt einen Arbeitsvertrag mit einer deutschen Firma mit, und ihr seid herzlich willkommen."

Die Bundesbürger sehen die Auswirkungen des Flüchtlingsandrangs auf den Arbeitsmarkt gespalten. Laut einer Emnid-Umfrage für das Magazin "Focus" rechnen 50 Prozent der Bundesbürger nicht damit, dass sich der Fachkräftemangel dadurch verringern wird. 44 Prozent glauben dagegen, dass er zurückgehen könnte. 47 Prozent der Befragten gehen von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit aus, 51 Prozent erwarten hingegen, dass sich die Arbeitslosigkeit durch den Zuzug der Flüchtlinge nicht erhöhen wird.

(AFP)
 
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