| 08.44 Uhr

Schmähgedicht über Erdogan
Jetzt schaltet sich Merkel in den Fall Böhmermann ein

Angela Merkel kritisiert Jan Böhmermann: "Erdogan-Gedicht war bewusst verletzend"
Angela Merkel telefonierte mit Ahmet Davutoglu. FOTO: afp, bb
Berlin. Die Bundeskanzlerin hat das im ZDF ausgestrahlte und dann wieder gestrichene Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "bewusst verletzend" kritisiert. Die Entscheidung des Senders bezeichnete sie indirekt als richtig. 

Das habe Angela Merkel in einem Telefonat auch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am Sonntagabend deutlich gemacht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit. Sie seien gemeinsam der Ansicht, dass es sich um einen "bewusst verletztenden Text handelt".

Merkel habe auf die Konsequenzen verwiesen, die der ausstrahlende Sender bereits gezogen habe. Ferner habe sie den hohen Wert bekräftigt, den die Bundesregierung der Presse- und Meinungsfreiheit beimesse. Diese sei aber nicht schrankenlos.

Das ZDF hatte in der Nacht zu Samstag in der Wiederholung von Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" einen Beitrag gestrichen, der am vorigen Donnerstag auf ZDFneo erstmals ausgestrahlt worden war. Böhmermann hatte das mit "Schmähkritik" überschriebene Gedicht dort vorgelesen und selbst darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei.

Die Verse enthalten Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen. Böhmermann nahm mit dem Text Bezug auf das NDR-Fernsehmagazin "extra 3", das zuvor einen umstrittenen satirischen Beitrag über Erdogan ausgestrahlt hatte. Der türkische Präsident hatte erbost darauf reagiert, der deutsche Botschafter in Ankara wurde einbestellt. 

 

"In der besonderen Schärfe ist das aus meiner Sicht schon einzigartig", sagte DJV-Chef Überall mit Blick auf die Reaktion der Türkei. Erdogan habe hierzulande gar Zensur gefordert. "Die instinktlose Reaktion Erdogans hat Böhmermann mit einer mindestens genauso instinktlosen Provokation beantwortet", sagte Überall. Die Grenze zur Schmähkritik sei für ihn in diesem Fall überschritten. Eine innere Schere bei Satirikern erwarte er nun aber nicht.

(felt/dpa)
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