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Neue Vorwürfe im Fall Amri
Berliner Ermittler hatte offenbar Zeit für Nebenjob

Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin: Ermittler ging vorher offenbar Nebenjob nach
Aktenordner mit Unterlagen im Amri-Untersuchungsausschusses (Symbolbild). FOTO: dpa, wk tba dna
Berlin. Im Fall Anis Amri gibt es neue Vorwürfe gegen einen leitenden Berliner Ermittler. Laut einem Zeitungsbericht soll er sich Zeit für einen Nebenjob genommen haben, während seine Abteilung wegen Personalmangels überlastetet gewesen sein soll. 

Das berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch. Demnach habe das Islamismus-Dezernat des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) beklagt, dass die Ermittler mit zu wenig Personal immer mehr islamistische Gefährder beobachten müssten. Der Dezernatsleiter sei 2016 trotzdem an 36 Tagen einer Nebentätigkeit nachgegangen. Nach Informationen der Zeitung soll er unter anderem an einer privaten Sicherheitsakademie unterrichtet haben. Die "Zeit" beruft sich auf Unterlagen und schreibt, die Berliner Polizei habe ihr die Angaben bestätigt. 

Die Zustände im Berliner Landeskriminalamt (LKA) stehen im Fokus der Aufarbeitung des Attentats auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz mit zwölf Toten im Dezember 2016. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen, mehr als 70 wurden verletzt. Im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus hatte B.s Vorgesetzte, die Staatsschutz-Abteilungsleiterin Jutta Porzucek, einen erheblichen Personalmangel eingeräumt. In dem Ausschuss hatten Terrorermittler aus Nordrhein-Westfalen die Arbeit ihrer Berliner Kollegen kritisiert.

Nach Angaben der Pressestelle der Berliner Polizei war B.s Nebentätigkeit genehmigt. Sie habe zudem die Diensterfüllung des Dezernatsleiters nicht eingeschränkt. Dagegen sagte der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe der "Zeit": "Wenn Teile eines Dezernats überlastet sind, muss sich der Leiter darauf konzentrieren, dass das Problem behoben wird, wenn er seine Dienstpflicht erfüllen will." Nach Angaben der "Zeit" sagte ein Terrorermittler aus NRW im Berliner Untersuchungsausschuss, dass die zuständige Berliner Dezernatsleitung nicht erreichbar gewesen sei, um Absprachen im Fall Amri zu treffen.

B. wurde dem Bericht zufolge nach dem Attentat zum Leiter der für Mord und Sexualdelikte zuständigen LKA-Abteilung 1 befördert. Der Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus wird seine Arbeit noch längere Zeit fortsetzen. Zudem ist ein weiterer Untersuchungsausschuss im Bundestag geplant.

(wer/afp)
 
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