Anfang Februar reiste die neue US-Außenministerin Condoleezza Rice nach Berlin. Zum einen war es ihr Antrittsbesuch, zum anderen wollte sie den Weg für den anstehenden Besuch von George W. Bush in Mainz bereiten. Während eines einstündigen Gesprächs mit Bundeskanzler Gerhard Schröder ging es unter anderem über die Lage in Irak und Afghanistan sowie die Meinungsverschiedenheiten über das Vorgehen im Atomstreit mit Iran. Das Treffen war ein voller Erfolg: Deutschland und die USA seien dabei, ein "neues Kapitel" in ihren Beziehungen aufzuschlagen, sagte Rice im Anschluss.
Auf der Basis von "Condi" ist der Umgang von Bundeskanzler Gerhard Schröder zwar noch nicht mit der neuen US-Außenministerin Condoleezza Rice.
Freundlichkeiten gab es beim ersten Besuch der Ministerin in Berlin jedoch zuhauf.
Von "Womanpower" sprach der Kanzler...
...und brachte damit Rice zum Lachen...
...als diese resolut eingriff und entschied, welcher Journalist sie jetzt als nächster etwas fragen darf.
Sogar beim Reizthema Iran blieb die Amerikanerin im Ton verbindlich...
...in der Sache aber blieb sie hart.
Dass Deutschland bei den USA wieder gut im Rennen liegt, sieht man daran, dass Rice als zweite Station nach dem engsten Alliierten Großbritannien Berlin besuchte.
Und daran, dass sie sagte, Präsident George W. Bush freue sich auf das Treffen mit Schröder in Mainz, weil dort ein "neues Kapitel in den deutsch-amerikanischen Beziehungen" aufgeschlagen werde.
Überhaupt lagen ihr die Verbündeten in Europa besonders am Herzen, deren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten in der Irak-Krise gelitten hatten.
Auch für Kriegsgegner Frankreich hatte sie ein Friedensangebot im Gepäck: In Paris hielt sie eine Grundsatzrede zu den europäisch-amerikanischen Beziehungen.
Dafür wurde diesmal Spanien bestraft: Madrid war auf ihrer "Wirbelwind-Tour" durch acht Hauptstädte Europas und Nahost nicht auf der Karte.
Auf dem Höhepunkt des Zerwürfnisses wegen des Irak-Kriegs 2003 waren Berlin und Paris noch geschnitten worden. Jetzt bekam die spanische Linksregierung also die Quittung dafür, dass sie Washington mit dem abrupten Truppenabzug aus Irak verärgert hatte.
In Ankara traf Rice auch noch ihren russischen Kollegen Sergej Lawrow.
Besonders Deutsche, Briten und Franzosen erhofften sich von dem Besuch Signale, dass die USA ihre Bemühungen um eine diplomatische Beilegung der Krise um das iranische Atomprogramm unterstützen.
Schon in London sagte sie, die USA vertrauten im Atomkonflikt mit dem Iran auf diplomatische Mittel. Eine Militäraktion gegen den Iran stehe "gegenwärtig nicht auf der Tagesordnung".
In Berlin bekräftigte sie in völliger Übereinstimmung mit Schröder, die Regierung in Teheran dürfe unter dem Deckmantel der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie kein Programm betreiben, das zur Atombombe führen könne.
Die diplomatische Initiative Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs, dies mit diplomatischen Mitteln durchzusetzen, gab nach ihren Worten Teheran "die Gelegenheit, zu zeigen, dass es bereit ist, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen".
Die versteckte Drohung, die in diesen Worten lag, war unüberhörbar und sie gefällt den Europäern nicht. Schon der EU-Botschafter in Washington, John Bruton, hatte zur Anwendung diplomatischer Mittel gesagt: "Die Vereinigten Staaten sind nicht so engagiert, wie wir es erhoffen." Dabei verfolgten beide doch das gleiche Ziel.
In Berlin hatten jedoch Nettigkeiten Vorrang. Schröder verkündete mit fröhlicher Stimme, er habe Rice erst einmal zur Ernennung gratuliert. Der Frage nach dem Sinn diplomatischer Initiativen in Teheran angesichts der von Bush erhobenen Forderung nach einem Regimewechsel wich er elegant aus: Bushs Herz schlage eben für die Demokraten überall in der Welt. Damit sei er mit dem Präsidenten einig.
Nach dem Gespräch sprach sich Rice im Interview nochmals für engere deutsch-amerikanische Beziehungen aus: "Freunde können Meinungsunterschiede haben", erklärte sie. "Der Schlüssel ist, dass wir offen daran arbeiten, sie zu überwinden, und dass wir uns immer daran erinnern, dass das, was uns eint, weit wichtiger ist, als das, was uns trennt."
Die Vereinigten Staaten und Deutschland stünden auf der richtigen Seite, sagte Rice. Jetzt müsse denjenigen geholfen werden, die die Freiheit noch nicht kennen gelernt hätten. Diese Völker müssten im Geist der Freundschaft unterstützt werden.
Rice lobte erneut das deutsche Engagement bei der Ausbildung von irakischen Sicherheitskräften. Deutschland habe sich bereits engagiert. Es habe sie aber ermutigt, von Schröder zu hören, dass noch mehr Einsatz geplant sei. "Wir begrüßen natürlich Beiträge in diese Richtung", sagte Rice. Die deutsche Regierung entwickele sehr kreative und innovative Gedanken, wie dem irakischen Volk geholfen werden kann.