"Wir sind 80 Millionen Menschen im Herzen Europas, und wir haben keine andere Wahl, als Verantwortung zu übernehmen. Deutschland muss ein Land sein, das Ideen zur politischen Gestaltung hat und zum Ausgleich fähig ist. Das souverän ist und gleichzeitig weiß, dass es seine Partner dies- und jenseits des Atlantik braucht."
"Für mich ist Freiheit der wichtigste Wert, der Europa und Amerika dauerhaft verbindet."
"Aus ureigenem Interesse braucht Deutschland einen neuen Aufbruch. Wir müssen die Spaltungen in unserer Gesellschaft überwinden. Das werden wir aber nur schaffen, wenn wir ihre Ursachen bekämpfen und nicht nur Symptome beschreiben. Und wenn wir unser Land so sehen, wie es ist. Wir haben Stärken, aber wir haben auch Schwächen. Es kommt darauf an, die Stärken zu bewahren und auszubauen. Aus den Schwächen gilt es zu lernen. Ich bin sicher, wir haben alle notwendigen Talente. Was uns fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen, damit sich diese Talente entfalten können."
"Die Agenda 2010 weist in die richtige Richtung. Was wir jetzt brauchen, ist Konsequenz und Stetigkeit bei der Fortsetzung dieses Weges. Deshalb sage ich der Mehrheit im Bundestag und der Mehrheit im Bundesrat: Wir können uns trotz aller Wahlen kein einziges verlorenes Jahr für die Erneuerung Deutschlands mehr leisten. Wir brauchen den Mut der Bundesregierung zu Initiativen, die den Weg der Erneuerung konsequent fortschreiben. Und wir brauchen den Mut der Opposition, ihre Alternativen umfassend und vollständig klarzumachen. Und wir brauchen noch etwas: die Fähigkeit zu konstruktiven Kompromissen."
"... es gibt es für uns Deutsche sogar eine gute Nachricht von der Fußballeuropameisterschaft. Der offizielle Ball der EM wird zwar in Asien produziert, sein aufwändiges Know-how stammt aber aus Deutschland und sichert bei uns auch Arbeitsplätze. Anders als sein bleischweres, vom Regen vollgesogenes Vorgängermodell beim Wunder von Bern hat der EM-Ball 2004 eine nahtlose Oberfläche: eine Spitzenleistung deutscher Materialforschung. Ein wasserdichter Ball, eine wasserdichte Idee, eine wasserdichte, branchenübergreifende Zusammenarbeit deutscher Firmen. "
"Der Sozialstaat ist für mich eine zivilisatorische Errungenschaft, auf die wir stolz sein können. Aber der Sozialstaat heutiger Prägung hat sich übernommen. Das ist bitter, aber wahr. Wir haben es nicht geschafft, den Sozialstaat rechtzeitig auf die Bedingungen einer alternden Gesellschaft und einer veränderten Arbeitswelt einzustellen. Weitere Staatsverschuldung ist auch kein Ausweg, weil die hohen Schulden schon jetzt die Zukunft unserer Kinder belasten. (...)"
"Wir müssen zu einem Land werden, in dem die Gleichberechtigung von Frau und Mann selbstverständlich ist. Und das gilt nicht zuletzt für Führungspositionen von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschland gehört hier zu den Entwicklungsländern. Wir Männer müssen uns klar machen: Es geht dabei nicht allein um das Thema Kinder und Familien. Es geht um die Kreativität und Kompetenz der Frauen. Wir brauchen sie dringend."
"Wir haben in der Vergangenheit erfahren, dass die Kraft der streitigen Debatte, die Kraft zur Überwindung von Gegensätzen und die Kraft der Freiheit zu Gutem geführt haben: Westbindung, Wirtschaftswunder, auch die 68er mit ihren Impulsen und Auswüchsen, die Deutsche Einheit, Europäische Einigung. Trotz vieler, oftmals bitterer Auseinandersetzungen haben wir Brücken gebaut, Gegensätze überwunden, Lösungen gefunden. Mut zur Zukunft sollte uns nicht zuletzt die Erinnerung daran machen, was vor 15 Jahren in Deutschland geschah: Den Menschen in Ostdeutschland gelang eine friedliche Revolution. Ihr Mut und ihre Veränderungserfahrung sind wertvoll für uns alle."
"Meinen Amtseid verstehe ich als Verpflichtung, zur Erneuerung Deutschlands beizutragen. Als Präsident werde ich zuhören, hinschauen und auch hinterfragen. (...) Ich bin sicher: Wir werden es schaffen! Ich glaube an dieses Land, weil ich an seine Menschen glaube."
Vor seiner Rede wurde Horst Köhler vor Bundestag und Bundesrat vereidigt.
Die Vereidigung wurde von Bundestagspräsident Thierse (r.)vorgenommen.
Auch Bundesratpräsident Dieter Althaus wohnte dem bei.
Was machte Bundespräsident Horst Köhler vor diesem Amt.
Nach seiner Promotion bekam Köhler 1969 am Institut für angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen eine Stelle als wissenschaftlicher Referent.
Doch schon 1976 zog es ihn in die Politik: Er wechselte in die Abteilung für Grundsatzfragen des Bundesministeriums für Wirtschaft.
Nach einem kurzen Zwischenspiel in der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei zog er 1982 mit Gerhard Stoltenberg ins Bundesfinanzministerium. Zunächst arbeitete er dort als Redenschreiber.
Schon 1989 konnte er als Leiter der Abteilung Geld und Kredit des BMF die Wirtschafts- und Währungsunion mit gestalten. Ein Jahr später stieg er zum Staatssekretär im Finanzministerium auf.
Darüber hinaus wurde er zum wichtigsten Berater Helmuth Kohls in internationalen Wirtschafts- und Finanzfragen. So trägt auch der Vertrag von Maastricht Köhlers Handschrift.
Seit der Vater zweier Kinder 1992 aus persönlichen Gründes dieses Amt aufgegeben hat, ist er Präsident: Zunächst beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Danach bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und schließlich beim Internationalen Währungsfond.
Mit seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten hat er jedoch eine seiner bisherigen Grundsätze an den Nagel gehängt: die geräuschlose Diplomatie. Ob sein Votum für Merkel als Kanzlerkandidatin oder seine Haltung zur Genforschung, ständig führen seine Statements zu heftigen Diskusssionen. Wo er hinkommt, sind deshalb die Säale voll - auch in Ostdeutschland - wie hier bei einer Veranstaltung mit Ministerpräsident Dieter Althaus.
Seine Überparteilichkeit wird er aller voraussicht allerdings behalten, denn die First Lady in Spee, die Grundschullehrerin Eva Köhler, ist als Kommunalpolitikerin für die SPD tätig.