| 07.40 Uhr

ARD-Deutschlandtrend
Jeder Dritte will künftig Menschenansammlungen meiden

Gedrückte Stimmung nach Übergriffen in Köln
Köln. Nach einer aktuellen Umfrage wächst in Deutschland die Unsicherheit. Jeder Dritte will laut ARD-Deutschlandtrend nach den Ereignissen von Köln größere Menschenansammlungen meiden. Fast 70 Prozent befürchten einen Terroranschlag. 

Am Freitagmorgen liegen neuen Daten zur Stimmung in Deutschland vor. Die Ergebnisse des ARD-Deutschlandtrends zeigen, dass die Ereignisse von Köln und der Terror von Paris Spuren hinterlassen haben. Viele wollen nun ihr Verhalten ändern. Nach den aktuellen Erhebungen wollen 30 Prozent der Deutschen in Zukunft Menschenansammlungen meiden. 82 Prozent befürworten eine Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen.

Bemerkenswert der große Unterschied zwischen den Geschlechtern. Vor allem Frauen verspüren offensichtlich zunehmend eine Unsicherheit sich im öffentlichen Raum zu bewegen. 37 Prozent von ihnen wollen Menschenmengen zukünftig meiden, bei den Männern sind es nur 21 Prozent. Noch nicht einmal die Hälfte der Frauen (49 Prozent) wollte der Aussage zustimmen "Nein, ich meide keine Menschenansammlungen."

Übergriffe in Köln: Was wir wissen – was wir nicht wissen

Terrorangst

Auch der Terror hinterlüsst Spuren in den Anschauungen der Deutschen. Nach der Terrorwarnung von München gehen 68 Prozent davon aus, dass es bald auch in Deutschland zu einem Anschlag kommen wird. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Vormonat. 

Presse: "Wer das Recht so verhöhnt, muss ausgewiesen werden" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Dazu passt ins Bild, dass im Gegenzug für das Versprechen von mehr Sicherheit auch die Bereitschaft wächst, Einschränkungen hinzunehmen. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen hat inzwischen keine Einwände mehr gegen Ausweiskontrollen an Deutschlands Grenzen. Mehr als 20 Jahre nach dem Wegfall der Grenzkontrollen zu einigen EU-Partnern sprechen sich 57 Prozent der Bundesbürger im ARD-"Deutschlandtrend" dafür aus, solche Überprüfungen angesichts des Zuzugs von Flüchtlingen wieder zu verstärken. 

Abstriche bei Schengen

Im September 2015, als an der deutsch-österreichischen Grenze Kontrollen aufgenommen wurden, waren es erst 45 Prozent, die sich dafür aussprachen. Bei der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für die ARD lehnten jetzt 41 Prozent der 1004 Teilnehmer solche Maßnahmen ab.

Seit März 1995 werden gemäß dem Schengen-Abkommen die Ausweise von Reisenden zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien in der Regel nicht mehr geprüft.

Obergrenze verliert an Zustimmung

Schrittweise wurde der Schengen-Raum erweitert. In einigen Mitgliedsländern der EU gibt es seit längerem Grenzkontrollen, um den Flüchtlingsstrom zu begrenzen. In den letzten Tagen haben auch Schweden und Dänemark solche Maßnahmen eingeführt. Deutschlnad wird die bestehenden Kontroll-Regelungen nach Angaben aus dem Bundesinnenministerium spätestens im Februar überprüfen.

Eine Obergrenze für den Flüchtlingszuzug, wie sie derzeit etwa von der CSU gefordert wird, verliert in der Bevölkerung an Zustimmung. 61 Prozent sprechen sich für die Einführung einer Obergrenze aus - das waren 11 Punkte weniger als im Dezember. 36 Prozent der Befragten lehnten eine solche Maßnahme in der Umfrage ab.

(pst/dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

ARD-Deutschlandtrend


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.