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Studie: Arme misstrauen Demokratie

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008 - 08:18

Berlin (RP). Wer sich selbst auf der „Verliererseite des Lebens“ sieht, geht auch zur Demokratie auf Distanz. Das ist das Ergebnis einer Polis-/Sinus-Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf die Frage, wie gut die Demokratie in Deutschland funktioniert, sagten acht Prozent „sehr gut“, 54 Prozent „gut“, 31 Prozent „weniger gut“ und sechs Prozent „schlecht“.

Auffällig ist nach Einschätzung der Studie, dass ganze Bevölkerungsgruppen das Funktionieren der Demokratie überwiegend kritisch bewerten, nämlich 73 Prozent der Arbeitslosen, 71 Prozent der Anhänger von Rechtsparteien, 63 Prozent von Bürgern aus Hartz-IV-Haushalten, 61 Prozent der Ostdeutschen und 60 Prozent der Bezieher niedriger Einkommen.

Die Studie bestätigt auch den seit Jahren aus anderen Untersuchungen gewonnenen Befund, wonach sich Ostdeutsche mit der Demokratie schwerer tun als Westdeutsche. Der Aussage „Mit der Demokratie können wir die Probleme lösen, die wir in Deutschland haben“, stimmen zwar zwei Drittel der Bundesbürger zu, aber 53 Prozent der Ostdeutschen haben damit ein Problem. Nach den jüngsten Zahlen sehen die Ostdeutschen insgesamt die Problemlösungskraft der Demokratie sogar noch kritischer als die Anhänger der Linkspartei (53 gegenüber 43 Prozent). Zwei von zehn Westdeutschen, aber vier von zehn Ostdetuschen finden, die Gesellschaftsordnung sei es nicht Wert, dass man dafür eintritt.

Wenn das Urteil über die Staatsform so stark mit der persönlichen Situation zu tun hat, dann ist es wichtig, dass sich 16 Prozent der Bevölkerung „große Sorgen“ um ihre materielle Zukunft machen, weitere 53 Prozent „manchmal“. Nur 31 Prozent der Deutschen sind nach eigener Aussage „sorgenfrei“ beziehungsweise „optimistisch“. Bemerkenswert: Optimistisch sind 47 Prozent der FDP-Anhänger, 46 Prozent der Unionsanhänger und nur 31 Prozent der SPD-Anhänger.

Nach den jüngsten Befragungen bestätigt sich auch, dass die Jugend sich immer weniger für Politik interessiert. Die einschlägige Shell-Jugendstudie hatte im Längsvergleich herausgearbeitet, dass Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren noch 1991 zu 57 Prozent an Politik interessiert waren, zweieinhalb Jahrzehnte später aber nur noch zu 39 Prozent. Nun erwägen bereits 56 Prozent der unter 24-Jährigen, nicht mehr zur Wahl zu gehen. 41 Prozent sagen, „kaum“ oder „gar kein Interesse“ an Politik zu haben.

Allerdings sind die jungen Leute unter den Befürwortern weiterer Reformen überrepräsentiert. Insgesamt 42 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für Reformen aus, 57 Prozent dagegen. Pro Reform sind 66 Prozent der Pensionäre, 59 Prozent der Grünen-Anhänger, 56 Prozent der Jungen. Contra Reform sind 79 Prozent der Arbeitslosen und 75 Prozent der Linke-Anhänger.

Quelle: RP

 
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