kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Politik: Auschwitz-Überlebende warnen vor neuem Antisemitismus

zuletzt aktualisiert: 25.01.2005 - 15:02

Berlin (rpo). Mit eindringlichen Warnungen vor einem Wiedererstarken rechtsextremer Kräfte haben Auschwitz-Überlebende und die Spitzen der deutschen Politik den 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers gewürdigt. "Wir, die Überlebenden, und alle Menschen guten Willens müssen wachsam bleiben, damit Auschwitz nie wieder passiert", mahnte der Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Noah Flug, am Dienstag bei einer Gedenkfeier im Deutschen Theater in Berlin.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte: "Ich bekunde meine Scham angesichts der Ermordeten." Es sei die "gemeinsame Pflicht aller Demokraten, der widerlichen Hetze der Neonazis" entschieden entgegenzutreten.

Die Gedenkfeier des Internationalen Auschwitz Komitees wurde von ehemaligen Häftlingen des Lagers veranstaltet. "Wir wollten überleben mit dem Ziel, diese Gräuel und unfassbaren Grausamkeiten der Welt zu erzählen und zu beschreiben", sagte Flug. Es müsse "alles Menschenmögliche getan werden, um ein zweites Auschwitz zu verhindern." Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, hob die besondere Verantwortung Deutschlands in Europa beim Kampf gegen rechte Tendenzen und dem Erinnern an den Holocaust hervor. "Deutschland muss sicherstellen, dass die Lehren aus dem Holocaust niemals vergessen werden", betonte Singer.

Schröder sagt dem Antisemitismus den Kampf an

"Dass es Antisemitismus immer noch gibt, das ist nicht zu leugnen", sagte Schröder in seiner Rede. "Ihn zu bekämpfen, ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft." Für die Feinde von Demokratie und Toleranz dürfe es "in der wehrhaften Demokratie keine Toleranz geben", mahnte der Kanzler. Namen von Konzentrationslagern wie Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Maidanek und Auschwitz-Birkenau seien "mit der Geschichte der Opfer, aber auch mit der europäischen und deutschen Geschichte für immer verbunden". "Das wissen wir. Wir tragen diese Bürde in Trauer, aber auch in ernster Verantwortung."

Nie wieder dürfe es "Antisemiten gelingen, jüdische Bürger, nicht nur unseres Landes, zu bedrängen, zu verletzen - und Schande über unsere Nation zu bringen", betonte der Kanzler. Er fügte hinzu, die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Deutschen trage keine Schuld am Holocaust. "Aber sie trägt eine besondere Verantwortung." Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen sei eine "moralische Verpflichtung": "Wir sind dies nicht nur den Opfern, den Überlebenden und den Angehörigen, sondern uns selbst schuldig."

Der Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Kurt Julius Goldstein, kritisierte die Freiheiten für Rechtsextreme in Deutschland. "Wenn ich heute in unserem Vaterland erlebe, dass Nazis auf den Straßen demonstrieren dürfen und das höchste deutsche Gericht diese Aufmärsche wegen der Meinungsfreiheit schützt, dann sage ich: Für uns ist das geradezu eine unmenschliche Tat, wir leiden darunter." Mit Tränen in den Augen sagte Goldstein: "Auschwitz war der größte Friedhof der Welt."

Die katholischen Bischöfe in Deutschland sehen auch 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz weiter Anzeichen für eine Verdrängung der Nazi-Verbrechen. "Bis heute sind Mechanismen der Verdrängung wirksam", hieß es in einer in Mainz veröffentlichten Erklärung. Es sei zwar richtig, "die Vorstellung einer Kollektivschuld abzulehnen". "Wahr ist aber auch, dass sich weit mehr Deutsche persönlich schuldig gemacht haben, als ihre Mitschuld einzugestehen bereit waren." Schuld trügen nicht allein die "Täter vor Ort" und die damalige politische Führung, sondern auch die Mitläufer und alle, die weggesehen hätten.

Zugleich warfen die Bischöfe die Frage auf, "wie nachhaltig Deutschland und Europa aus dieser alle Maße übersteigenden Katastrophe gelernt haben". "Immer wieder flackert der Antisemitismus auf. Auch in unserem Land scheint er zu erstarken, jedenfalls wird er wieder sichtbarer." Vor diesem Hintergrund liege "weiterhin ein langer Weg der Läuterung und der Auseinandersetzung vor uns".

Quelle: afp

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. mehr 

Syrische Deserteure drohen Assad

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Bundespräsident Gauck in Israel

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Damit brachte er den Zentralrat der Muslime gegen sich auf. Gauck betreibe Geschichtsfälschung. mehr

 

Machtkampf bei den Linken

Kipping lässt Riexinger abblitzen

 

Letzter DDR-Wirtschaftsminister

Gerhard Pohl tot aufgefunden

 

Minister stellt neues Programm vor

Altmaier grenzt sich von Röttgen ab

 
 

Bundesinnenminister Friedrich im Interview

Deutschland schickt 30 Polizeibeamte zur EM

Top-Services