Immer weniger Geburten: Ausländer sollen Bevölkerungsschwund mildern
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 22.01.2010 - 07:17Berlin (RP). Die weiter sinkende Zahl der Einwohner in Deutschland alarmiert die Regierung. Die jüngste Statistik zeigt: Die Bevölkerung ist 2009 gegenüber dem Vorjahr von 82 auf 81,7 Millionen Menschen geschrumpft. Jetzt soll der Zuzug von Ausländern das Problem lösen.
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), wollen die Einwanderung gut qualifizierter Arbeitskräfte nach Deutschland fördern. "Wir werden in den nächsten Jahren aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland dringend auch auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein", sagte Bildungsministerin Schavan unserer Redaktion.
Die Integrationsbeauftragte Böhmer betonte, die demografischen Probleme ließen sich zwar nicht mit Zuwanderung lösen. Deutschland müsse dennoch in den internationalen Wettbewerb um kluge Köpfe eintreten. "Der Zuzug Hochqualifizierter nach Deutschland ist zu gering", betonte Böhmer. "Wir benötigen Fachkräfte, damit wir unsere wirtschaftliche Führungsrolle auf vielen Weltmärkten sichern können." Die Ministerinnen wollen beispielsweise die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen und Qualifikationen verbessern. Ein Gesetz dazu ist in Vorbereitung.
Notwendigkeit absehbar
Die Zuwanderung von qualifizierten Kräften wird nach Meinung von Experten schon in wenigen Jahren notwendig. Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft immer schneller, wie das Geburtendefizit zeigt. Das Geburtendefizit zeigt an, wie viel Menschen mehr gestorben sind, als geboren wurden. Im Jahr 2008 gab es 683 000 Geburten und 844 000 Sterbefälle. Damit lag das Defizit bei 162 000. Im Jahr 2009 wird es nach Schätzung der Statistiker bei knapp 190 000 liegen.
Die Zahl der Geburten sinkt trotz Elterngeld und Krippenausbau. 2009 lag sie nach vorläufigen Schätzungen zwischen 645 000 und 660 000. Derzeit hat Deutschland zudem mehr Aus- als Einwanderer.
In der Debatte um die Integration der hier lebenden Zuwanderer ist der Streit um die doppelte Staatsbürgerschaft erneut ausgebrochen. Die CDU lehnt eine doppelte Staatsbürgerschaft ab. Hamburgs Bürgermeister, Ole von Beust, der eine schwarz-grüne Koalition führt, hat sich gegen diese Linie dafür ausgesprochen. Böhmer verwies nur darauf, dass das Verfahren, wonach hier geborene Kinder ausländischer Eltern nach ihrem 18. Geburtstag sich für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen, überprüft werden soll.
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