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Bürger müssen mit harten Einschnitten rechnen: Auswirkungen der Krise schlagen 2010 voll zu

zuletzt aktualisiert: 30.10.2009 - 16:55

Berlin (RPO). Den Rentnern drohen Nullrunden, Krankenkassenbeiträge sollen steigen, ein Negativrekord bei Firmenpleiten steht bevor und auch die Arbeitslosenzahlen dürften deutlich in die Höhe schnellen. Im nächsten Jahr sollen die Folgen der Wirtschaftskrise Experten zufolge vollends durchschlagen - und die Bürger müssen sich auf harte Einschnitte gefasst machen.

Rund 20 Millionen Rentnern in der Bundesrepublik droht im kommenden Jahr eine Nullrunde bei den Altersbezügen. Wegen der Konjunkturkise unterstellt die Bundesregierung in ihrer Wirtschaftsannahme rückläufige Löhne im laufenden Jahr, wie eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums am Freitag in Berlin sagte. Die Renten sind an die Lohnentwicklung gekoppelt.

Rückgang bei Löhnen erwartet

Die Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte weiter, es lasse sich derzeit aber noch nicht sagen, wie sich die Lohnentwicklung auf die Renten im kommenden Jahr auswirke. Denn für deren Berechnung seien allein die beitragspflichtigen Einkommen entscheidend, die nur einen Teil der gesamten Lohnentwicklung ausmachten. Nach Berichten der "Süddeutsche Zeitung" und der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag rechnet die Regierung - nicht zuletzt wegen der im Zuge der Wirtschaftskrise stark ausgeweiteten Kurzarbeit - mit einem Minus von 0,5 Prozent bei der Lohnentwicklung. 

Die endgültige Entscheidung über die Rentenhöhe ab dem 1. Juli 2010 erfolgt im März. Grundlage sind dann statt Prognosen verlässliche Zahlen des Statistischen Bundesamts über die Entwicklung der Löhne. Immerhin: Gekürzt werden die Renten wegen der noch von der großen Koalition eingeführten Rentengarantie jedoch nicht.

Insolvenzverwalter und Inkasso-Unternehmen gehen unterdessen davon aus, dass ein Rückgang der Unternehmenspleiten frühestens Ende 2010 zu erwarten ist. Noch seien die Auswirkungen der Krise vor allem durch die Kurzarbeit gedämpft gewesen, erklärten die Experten.

Vorsichtige Kreditvergabe

"Viele Unternehmen bleiben noch kurz vor Ende der Durststrecke liegen", erklärte Präsident des Insolvenzverwalterverbands VID, Siegfried Beck. "Sie haben keine Reserven mehr, um ans rettende Ufer zu gelangen." Zudem sei die Kreditvergabe der Banken weiterhin sehr vorsichtig. Im laufenden Jahr sei mit mindestens 35.000 Firmenpleiten zu rechnen. 2010 sei durch Folgeinsolvenzen sogar noch eine höhere Zahl möglich.

Auch die überraschende Entspannung auf dem Arbeitsmarkt im Herbst wertete die Bundesangentur für Arbeit nur als Ruhe vor dem Sturm. Im Oktober sank die Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent. 3,23 Millionen Menschen haben derzeit keine Arbeit. Die richtige Belastung stehe erst im nächsten Jahr bevor, warnte Agentur-Chef Frank-Jürgen Weise. Beim Kölner IW rechnen die Volkwirte im nächsten Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über vier Millionen.

Mehrkosten für Versicherte

Der Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse, Johannes Vöcking, stimmte die Kassenpatienten derweil schon auf höhere Beiträge ein. In der "Bild"-Zeitung bezifferte er die Mehrkosten im Gesundheitssystem 2010 auf rund acht Milliarden Euro. "Umgerechnet liegen die Mehrkosten je Versicherten im Schnitt bei 160 Euro. Das sind rund 13 Euro zusätzlich pro Monat", sagte Vöcking der Zeitung. Der Barmer-Chef erklärte, seine Krankenkasse wolle zunächst aber keinen Zusatzbeitrag erheben: "Wir werden zusätzliche Belastungen unserer Versicherten zunächst vermeiden und planen weiterhin, ohne Zusatzbeitrag ins neue Jahr zu gehen."

Vöcking forderte die neue Bundesregierung auf, die zusätzlichen Lasten nicht nur auf die Arbeitnehmer abzuwälzen. "Es geht darum, die Lasten im Gesundheitssystem gerecht zu verteilen. Nicht nur die Arbeitnehmer, auch Arbeitgeber, Ärzte und Pharmafirmen müssen ihren Beitrag dazu leisten, dass Gesundheit weiter bezahlbar bleibt", sagte Vöcking. Er befürchte, "dass die neue Regierung künftig nur noch eine Grundsicherung will. Für Extraleistungen müssen die Versicherten dann auch extra bezahlen."

Quelle: AFP/pegn

 
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