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Weise spricht von hohen Integrationskosten
Bamf-Chef rechnet mit maximal 300.000 Flüchtlingen

Bamf-Chef rechnet mit maximal 300.000 Flüchtlingen in diesem Jahr
Frank-Jürgen Weise - Chef der Bundesagentur für Arbeit und Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. FOTO: dpa, kdg pzi jai
Berlin. Der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, rechnet mit weniger als 300.000 Flüchtlingen in diesem Jahr.

"Wir stellen uns auf 250.000 bis 300.000 Flüchtlinge in diesem Jahr ein, darauf richten wir unsere Kapazitäten aus", sagte er der "Bild am Sonntag". Bis zu dieser Zahl könne seine Behörde einen optimalen Ablauf garantieren. "Wenn mehr Menschen kommen, kommen wir unter Druck."

Allerdings seien selbst dann nicht wieder Zustände wie im letzten Jahr zu erwarten, so Weise. "Aber die Verfahren würden länger dauern, als von uns angestrebt." Er glaube jedoch nicht an solch ein Szenario. "Es werden dieses Jahr eher noch etwas weniger als 300.000 Menschen kommen."

Doppelregistrierungen und Weiterreisende

Im vergangenen Jahr habe Deutschland zudem weniger Flüchtlinge aufgenommen als gedacht, so Weise. Grund seien Doppelregistrierungen und Weiterreisen. "Die exakte Zahl werden wir demnächst vorstellen.
Sicher ist aber, dass im letzten Jahr weniger als eine Million Menschen nach Deutschland gekommen sind", sagte der Bamf-Chef.

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sind diese Flüchtlinge mittlerweile weitgehend erfasst: "Inzwischen sind die meisten Flüchtlinge zentral erfasst und registriert", so de Maiziere zu "Bild am Sonntag".

"Es wird lange dauern und viel kosten"

Weise erwartet hohe Kosten für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. "Es wird lange dauern und viel kosten", sagte Weise der "Bild am Sonntag". 70 Prozent derer, die seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr nach Deutschland gekommen sind, seien zwar erwerbsfähig, doch werde "ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor wir sie in Arbeit bringen".

Der Anteil der Akademiker unter den Flüchtlingen und Migranten liege seiner Schätzung nach bei etwa zehn Prozent, sagte Weise. Rund 40 Prozent hätten Arbeitserfahrung, wenn auch keine Berufsausbildung. Da auch Hilfstätigkeiten besser seien als keine Arbeit, setze das BAMF trotz der oft geringen Qualifikation "alles dran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen", sagte Weise.

Gegen Burka und "liederliche Kleidung" in Arbeitsagentur

In der Debatte um ein Burka-Verbot hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, deutlich gemacht, dass in der Arbeitsagentur keine Frauen mit Vollverschleierung arbeiten können. "Was hier nicht toleriert würde: eine Mitarbeiterin mit Burka", sagte Weise der "Bild am Sonntag". Es würden aber genauso wenig Menschen mit "liederlicher Kleidung" akzeptiert.

"Das ergibt sich aus unserem Auftrag, der Kontakt mit Kunden vorsieht", begründete Weise die Position. Mit einem Kopftuch habe er dagegen kein Problem. "Wenn sich das Tragen eines Kopftuchs nicht in einem Verhalten niederschlägt, das unseren Werten widerspricht, dann ist das als Kleidungsstück in Ordnung", sagte der BA-Chef. In der Bundesagentur arbeiteten auch Frauen mit Kopftuch.

(KNA/AFP/das)
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