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Bartsch und Wagenknecht
Gysis mögliche Nachfolger stehen in den Startlöchern

Bartsch und Wagenknecht Titel * Gysis mögliche Nachfolger stehen in den Startlöchern
Die Delegierten der Linken Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht FOTO: dpa, obe ink
Bielefeld . Gregor Gysi wirft hin: Nach 25 Jahren in Spitzenfunktionen seiner Partei hat der 67-Jährige am Sonntag auf dem Parteitag in Bielefeld seinen Rückzug vom Fraktionsvorsitz für den Herbst angekündigt. Nun wird es wohl eine Doppelspitze geben - die aus Gysis beiden Stellvertretern Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht bestehen könnte. Eine Vorentscheidung dürfte noch im Juni fallen.

Dietmar Bartsch

Der studierte Ökonom gilt als führender Repräsentant des Reformerflügels in der Partei. Der 57-Jährige drängt die Linke stärker als die meisten anderen, sich einem Bündnis mit der SPD zu öffnen. Bartsch hat eine lange Parteikarriere absolviert: Von 1991 bis 1997 war er Schatzmeister der Vorläuferpartei PDS, im selben Jahr übernahm er bis 2002 den Posten des Bundesgeschäftsführers. Von 2005 bis 2010 hatte er dieses Amt dann bei der Linken inne, seither ist der eloquente Politiker einer von Gysis Stellvertretern in der Fraktion.

Gysi wünscht sich Bartsch als einen seiner Nachfolger - obwohl das Verhältnis der beiden nicht ungetrübt ist. Vor fünf Jahren maßregelte Gysi Bartsch öffentlich, weil dieser vertrauliche Informationen über den damaligen Parteichef Oskar Lafontaine an die Öffentlichkeit weitergegeben habe. Doch das ist lange vorbei und Gysi sähe Bartsch gern als einen Erben.

Bartschs Auftritt auf dem Bielefelder Parteitag konnte bereits als Bewerbungsrede verstanden werden. Er vermied ein klares Plädoyer für seinen rot-rot-grünen Kurs und rief stattdessen zur Geschlossenheit auf: "Wir sind erfolgreich, wenn wir zusammenstehen", rief er den Delegierten zu. "Nichts brauchen wir weniger als Schubkästen."

Sahra Wagenknecht

Die prominente Repräsentantin des linken Flügels hatte lange Zeit einen schweren Stand in der Partei: Als Mitglied der Kommunistischen Plattform war sie all jenen ein Dorn im Auge, die die Partei auf Regierungskurs trimmen wollen. Die 45-Jährige gehört seit 1991 - mit Unterbrechungen - dem Parteivorstand von PDS und Linken an, 2004 zog sie für fünf Jahre ins Europaparlament ein. 2010 übernahm sie für vier Jahre den Posten einer stellvertretenden Parteichefin.

2011 wurde sie stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, später meldete sie ihren Anspruch auf den Fraktionsvorsitz an. Von einer tatsächlichen Kandidatur nahm sie vor drei Monaten zwar überraschend Abstand. Sie könnte dies aber nach Gysis Rückzugankündigung nun revidieren. Zumindest wiederholt sie ihr Nein vom März derzeit nicht.

In Bielefeld machte die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin den Delegierten sehr klar, worauf sie sich mit ihr einlassen würden. Sie ging deutlich auf Distanz zu rot-rot-grünen Gedankenspielen und machte klar, dass sie sich SPD-Chef Sigmar Gabriel wegen dessen Eintretens für das US-Freihandelsabkommen TTIP nur schwer als Regierungspartner vorstellen kann. Mit Blick auf den Kurs der SPD in der Europapolitik oder das Tarifeinheitsgesetz von Bundesarbeitministerin Andrea Nahles (SPD) fügte Wagenknecht, die gern gesehener Gast in Fernseh-Talkshows ist, hinzu: "Die Linke ist ganz sicher nicht gegründet worden, um in dieser trüben Brühe mitzuschwimmen."

Trotz ihrer Distanz zu Rot-Rot-Grün ist auch Wagenknecht eine Wunschkandidatin Gysis für die künftige Doppelspitze - obwohl er selbst sich vehement gesträubt hatte, mit ihr gemeinsam die Fraktion zu führen. Mit Spannung wird erwartet, wie das Duo Bartsch/Wagenknecht harmoniert. Nicht allein, dass sie für völlig unterschiedliche Strömungen stehen, es könnte auch persönlich schwierig werden. Denn Bartsch war als Bundesgeschäftsführer einst Erzrivale des Vorsitzenden Lafontaine. Und der ist schließlich Wagenknechts Ehemann.

jp/cne/ogo

AFP

(AFP)
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