CSU-Mann mit Macher-Image: Baustellen-Minister Peter Ramsauer
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 11.01.2011 - 21:22Berlin (RP). Millionen schimpfen auf die Bahn, aber kaum einer auf den Bahn-Minister Peter Ramsauer. Der CSU-Mann hat ein Macher-Image kultiviert, auch wenn er den Flugbetrieb lahmlegte und die Züge im Schnee steckenblieben. Dahinter steckt eine Doppelnatur – Draufschläger und Feingeist.
Laut knirscht der Schnee unter den Reifen der Staatskarossen, wenn in Wildbad Kreuth die wichtigen Minister zur Klausur vorfahren. Einer kommt anders. Leichtfüßig auf Langlaufskiern trifft Peter Ramsauer ein. Dabei ist der 56-Jährige nicht irgendwer. Er ist Parteivize der CSU und 26,3 Milliarden schwer: Als Verkehrsminister verantwortet er den größten Investitionsetat der Republik.
Gute Werte bei Umfragen
Eigentlich sollte sein Image ruiniert sein. Unter seiner Ägide blieben die Flugzeuge wegen unsichtbarer Vulkanasche am Boden, und schon zum zweiten Mal strandeten jetzt Millionen Bahnkunden im winterlichen Schneechaos. Tatsächlich aber erfreut sich der drahtige, durchtrainierte Grauhaarige hoher Zustimmungswerte. Bei einer Umfrage bescheinigten ihm 86 Prozent, die Aschewolke im vergangenen Frühjahr gut gemanagt zu haben. Und auch jetzt schimpfen viele über die Bahn, aber nur wenige über den Bahn-Minister.
Wie schafft der Skifahrer den politischen Slalom zwischen den Problemen hindurch? Eine Erklärung steckt in seinem Auftreten. Schon als CSU-Landesgruppenchef strebte er täglich nach dem Pokal für die klarste Sprache. Wenn er wie der einfache Mann von der Straße die Rituale der Politik hinterfragt und immer mal wieder verbal mit der Faust auf den Tisch haut, dann klingt das nie aufgesetzt.
Der Müller-Meister
Der Peter, das ist der mit der Müllerlehre, der es zum Meister gebracht hat und nun jeder politischen Idee mit dem Gefühl eines Mittelständlers binnen Sekunden ihren Platz im Regal praktischer Ordnungspolitik zuweist: gut oder böse. Kommt der Gesellschafter der „Ramsauer Talmühle“ nicht weiter, greift der Ökonom Ramsauer auf seine Kenntnisse als Diplom-Kaufmann mit Doktortitel zurück. Da kann der scheinbar einfach gestrickte Traunsteiner mühelos auch Wirtschaftstheoretikern Paroli bieten.
Der Ramsauer mit den zwei Seiten: Der donnernde Draufschläger ist zugleich ein feinsinniger Akademiker, der in seiner Freizeit virtuos die Klaviertasten beherrscht. Aus der Zeit, in der er noch Pianist werden wollte, hat er sich die Begeisterung für Musik erhalten. Heute empfindet er den Bundesverkehrswegeplan als so „spannend“ wie das Studium einer Beethoven-Sonate: „Beides birgt so viele Geheimnisse und Interpretationsmöglichkeiten.“
Leidenschaft für das Amt
Daraus klingt Leidenschaft für ein Amt, das ihm nicht auf den Leib geschneidert war. Er wäre auch gerne Landesgruppenchef geblieben. Manchmal ist ihm anzumerken, wie sehr er den Platz im innersten Entscheidungszirkel der Koalition vermisst. Sein Nachfolger Hans-Peter Friedrich sitzt nun dort. Vertauschte Rollen hätten aus Sicht von CSU-Strategen durchaus Sinn gemacht: Ramsauer weiter Landesgruppenchef und der Verkehrsexperte Friedrich Minister.
Aber im Herbst 2009 war der CSU-Vize Ramsauer einfach „dran“.
Und so legte er sich ins Zeug, dass es quietschte. Er schickte sechs von acht Abteilungsleitern in den einstweiligen Ruhestand, und als seine Mitarbeiter ihn nach seinem Einstand in Brüssel erschreckt darauf hinwiesen, dass er „nicht die Linie des Hauses“ vorgetragen habe, da grinste er sie an: „Sehen Sie, das ist das Schöne an Wahlen: dass es hinterher anders zugehen kann als vorher.“
Klare Sprache ist medienwirksam
Als Minister setzte er seinen Einsatz für die klare Sprache medienwirksam fort. Wenn aus dem „Meeting point“ irgendwann wieder ein „Treffpunkt“ geworden ist, dann wird jeder wissen: Das war der Ramsauer. Über 100 Anglizismen hat er in seinem Ministerium bereits auflisten und mit deutschen Varianten versehen lassen – der Laptop, der zum „Klapprechner“ wird. Unter Ramsauer wird Bayern nicht mehr für „Laptop und Lederhose“ werben dürfen. Allenfalls für Klapprechner und Krachlederne.
Minister setzt auf Sicherheit
Analyse und Bauchgefühl – damit versucht Ramsauer, die Herausforderungen zu bändigen. „Peter, Frankreisch ist nischt in Gefahr“, habe ihm sein französischer Amtskollege erwidert, als Ramsauer ihn nervös anrief, um zu erfahren, warum dieser sich nicht mehr an das verabredete Vulkanasche-Flugverbot hielt. Passagiere und Airline-Chefs machten Ramsauer das „Chaos“ zum Vorwurf. Und Millionen-Kosten. Doch er setzte auf Sicherheit. Er fühlte, dass die deutsche Mentalität nicht danach strebte, auf eigenes Risiko durch „Gefahrenzonen“ zu fliegen.
Auch durch das Bahn-Schneechaos ist er bislang ohne größeren Ausrutscher gekommen. Hier greift seine Doppelstrategie: einerseits die Bahn wegen fehlender Reserven kritisieren und zu mehr Investitionen treiben. Andererseits im Ausnahmewinter für mehr „Demut vor der Natur“ werben. Freilich weiß auch Ramsauer: Einen dritten solchen Bahn-Winter würden die Deutschen auch ihm nicht durchgehen lassen.
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