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Neuer Gammelfleisch-Verdacht: Bayerischer Umweltminister gerät unter Druck

zuletzt aktualisiert: 10.11.2006 - 15:43

München (ddp). In einem Schlachthof in München wurden rund fünf Tonnen tief gefrorenes Fleisch und andere Lebensmittel sichergestellt, bei denen das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Das teilte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) der Stadt am Freitag mit. Der Fall wurde durch einen anonymen Hinweis aufgedeckt und setzt den bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) unter Druck.

Es besteht der Verdacht, dass die abgelaufene Ware umetikettiert wurde. Die Lebensmittel lagerten im Kühlraum einer Großhandelsfirma, der den Lebensmittelkontrolleuren bislang nicht bekannt war. Eine E-Mail brachte die Behörden auf die Spur.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge schickte ein anonymer Informant am Sonntag eine E-Mail unter dem Betreff "Gammelfleisch" mit detaillierten Angaben ans bayerische Verbraucherschutzministerium. Von dort habe er am Montagmorgen die Antwort erhalten, dass auf Grund der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats Zuschriften ohne Absenderangaben grundsätzlich nicht bearbeitet würden. Die Zeitung zitierte, einen Ministeriumssprecher der den Vorfall bestätigte und dabei von einem "Lapsus" sprach.

Umwelt- und Verbraucherschutzminister Schnappauf sagte im Bayerischen Rundfunk, der Hinweis sei am Montag zusammen mit 600 anderen E-Mails in der Ministeriumspoststelle bearbeitet worden und nur versehentlich an den anonymen Absender zurückgeschickt worden. Eine Ministeriumssprecherin sprach "von einem bedauerlichen Fehler eines einzelnen Mitarbeiters". Dieser habe offenbar nicht erkannt, dass die E-Mail einen Hinweis auf einen neuen Gammelfleisch-Verdacht enthielt. Der Hinweis sei deshalb innerhalb des Ministeriums oder an andere Behörden nicht weitergeleitet worden.

Da der Absender gleichzeitig auch eine Kopie an das Münchner Umweltreferat sandte, landete die E-Mail am Dienstag beim zuständigen Kreisverwaltungsreferat der Stadt München: "Wir haben sofort die staatliche Veterinäraufsicht eingeschaltet und für den nächsten Tag eine Kontrolle angesetzt", sagte Referatssprecher, Christopher Habl. Dabei stießen die Kontrolleure tatsächlich auf rund fünf Tonnen tiefgefrorenes Fleisch in einem unbekannten Lagerraum, dessen Existenz der Firmenchef zunächst abgestritten habe.

Ob es sich tatsächlich um Gammelfleisch handelt, sei jedoch unklar. "Der Verdacht stützt sich bislang allein auf die E-Mail", erklärte Habl. Erst kommende Woche werde ein Ergebnis der Laboruntersuchung der beschlagnahmten Ware vorliegen. Der Geschäftsführer der Firma bestritt dem Zeitungsbericht zufolge die Gammelfleischvorwürfe als "grundsätzlich falsch und an den Haaren herbeigezogen".

Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) ist nach der Panne in seinem Ministerium erneut unter Druck geraten. Die bayerische SPD forderte die Entlassung Schnappaufs. Sein Ministerium habe nun bereits zum dritten Mal nicht auf Hinweise auf Gammelfleisch reagiert habe, "Ministerpräsident Stoiber muss Bayerns Verbraucherinnen und Verbraucher vor diesem so genannten Verbraucherschutzminister schützen", erklärte der SPD-Abgeordnete Ludwig Wörner.

Schnappauf habe seinen Laden ganz offensichtlich nicht im Griff, kritisierte auch der Grünen-Agrarexperte Adi Sprinkart und forderte den Rücktritt des Ministers. "Auch mehr als ein Jahr nach dem ersten großen Fleischskandal in Bayern gibt es im Verbraucherschutzministerium überhaupt kein Problembewusstsein." Schnappaufs Entlassung forderte auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Marina Schuster.

Schnappauf betonte, da der Tipp auch an die zuständige Stadt München gegangen sei, "kam es nur zu einer Verzögerung von rund drei Tagen". Der CSU-Politiker geriet zuletzt im September stark unter Druck, nachdem bekannt wurde, das staatliche Behörden Monate lang einem Gammelfleisch-Hinweis auf einen Münchner Dönerfleisch-Großhändler nicht nachgegangen waren.

Quelle: afp

 
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