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Luftlandemanöver in Bayern
1000 Fallschirme als Signal für Putin

Fallschirmjäger absolvieren Manöver in Bayern
Fallschirmjäger absolvieren Manöver in Bayern FOTO: Helmut Michelis
Hohenfels. Die Nato führt in der Oberpfalz das größte Luftlandemanöver seit mehr als einem Vierteljahrhundert durch. Es ist ein unübersehbares Signal, dass das Baltikum schnell geschützt werden kann. Russland reagiert mit einem Übungsalarm. Von Helmut Michelis

Brian Winski aus North Carolina schwebt am blauen Himmel über Bayern - der General der 82. US-Luftlandedivision war einer von 1314 Nato-Soldaten, die gestern am Fallschirm in der grünen Hügellandschaft des Truppenübungsplatzes Hohenfels zwischen Nürnberg und Regensburg in der Oberpfalz landeten. Ein solch großes Manöver gab es zuletzt im Kalten Krieg.

Die Nato zeigte eindrucksvoll militärisch Flagge, beobachtet unter anderem von einer Offizier-Delegation aus Israel – und von Russland: Ein Antonow-Aufklärungsflugzeug kreiste über Hohenfels, und das höchst offiziell im Rahmen der 1992 in Helsinki abgeschlossenen "Open-Skies"-Vereinbarung ("Offene Himmel"), eine vertrauensbildende Maßnahme, die heute mehr denn je nötig scheint.

Denn in Hohenfels ging es eigentlich um das 1700 Kilometer entfernte Baltikum, auch wenn das keiner offiziell aussprechen wollte. Die Angst in den drei kleinen Nato-Mitgliedsländern ist groß, nach der Krim und der Ost-Ukraine das nächste Ziel des Kreml zu werden. Dafür hat nicht zuletzt Präsident Wladimir Putin gesorgt: Er drohte im Herbst 2014 im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt, seine Truppen könnten in 14 Tagen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew stehen. Das löste Panik in Estland, Lettland und Litauen aus. Umgerechnet auf ihre Größe wäre ein erfolgreicher Überfall nur eine Frage von Tagen oder gar Stunden.

Für die Nato ist ein Schutz des Baltikums aber kompliziert: Sie hat Moskau nach Ende des Kalten Krieges vertraglich zugesichert, keine Kampfverbände dauerhaft in den neuen Bündnisstaaten im Osten zu stationieren. So dreht sich aus westlicher Sicht alles um die bange Frage, ob man im Konflikt noch rechtzeitig zur Hilfe kommen kann. Das Manöver mit dem Namen "Swift Response" ("Rasante Reaktion"), die größte multinationale Übung seit Jahren auf deutschem Territorium, soll darauf eine Antwort geben.

Unter der Leitung der 82. Luftlandedivision trainieren 5000 Soldaten aus elf Nationen, darunter 650 deutsche Fallschirmjäger, "die Aufstellung schlagkräftiger, multinationaler Eingreifkräfte, die innerhalb weniger Stunden und Tage verlegbar sind, um mit ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit die Bündnispartner in Krisensituationen zu unterstützen", wie es offiziell heißt.

"Das Manöver richtet sich nicht gegen Russland", betonte der Oberbefehlshaber der US-Army in Europa, Generalleutnant Ben Hodges. "Es richtet sich gegen Bedrohungen aller Art und ist der beste Weg sicherzustellen, dass es nicht zu einem Krieg kommt." Die Nato sei "die erfolgreichste Allianz der Geschichte und zeigt nun, was sie so stark und so schnell macht". Erstmals wurde der Kipprotor-Flügler V-22 "Osprey" in Deutschland präsentiert: eine Art senkrechtstartendes Transportflugzeug. Der deutsche General Eberhard Zorn betonte die Internationalität von "Swift Response": Unter Führung der Bundeswehr standen auch niederländische und polnische Fallschirmjäger.

Die improvisierte Pressekonferenz auf einer Wiese mit Generalen der teilnehmenden Nato-Staaten wurde immer wieder vom lauten Motorengebrumm der anfliegenden Hercules- und Transall-Flugzeuge übertönt. Trotzdem war die Botschaft des Tages überdeutlich und hatte 24 Stunden vorher auch in Moskau ein promptes Echo: Das russische Verteidigungsministerium löste im Nordwesten des Landes einen Übungsalarm aus.

Mehr als 1000 Panzergrenadiere, Artilleristen und Kampfpiloten hätten die Aufgabe, "feindliche Angriffe" zu Lande und in der Luft abzuwehren, berichtete das staatliche russische Medienportal "Sputnik". Zudem hätten in den russischen Wehrbezirken Mitte und West "strategische Übungen" mit mobilen Atomraketen und ein Raketen- und Artillerieschießen der russischen Baltischen Flotte in der Ostsee begonnen.

Quelle: RP
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