| 06.54 Uhr

Embryonen-Check in den USA
Behindertenbeauftragter fordert Schließung der Gesetzeslücke

Wie funktioniert ein Gentest? Und was verrät er?
Wie funktioniert ein Gentest? Und was verrät er? FOTO: AP
Berlin. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, hat eine Klarstellung im Gendiagnostik-Gesetz gefordert, wonach Medizinern untersagt werden soll, das Blut von Schwangeren ins Ausland zu schicken und dort auf Gen-Defekte untersuchen zu lassen. 

In Deutschland sind Lebensschützer und Behinderten-Organisationen alarmiert. Ein neuer Gentest, für den Schwangeren in Deutschland Blut abgenommen und in amerikanische Labors geschickt wird, prüft noch umfassender auf Gen-Veränderungen als Produkte, die für den deutschen Markt zugelassen sind. Die Unternehmensgruppe Amedes bewirbt den neuen "Panorama-Test" für 635 Euro im Internet.

Der Behinderten-Beauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), fordert eine Klarstellung im Gendiagnostikgesetz, um solche Angebote zurückzudrängen. "Je mehr solcher Tests vermarktet werden, desto engmaschiger wird die Fahndung nach Behinderungen und vermeintlichen Behinderungen." Wenn die Praxis des "Panorama-Tests" Schule mache, "dann sind der Embryo-Selektion in Deutschland Tür und Tor geöffnet".

Nach der Werbung von Amedes kann der "Panorama-Test" die Trisomie 21, also das Down-Syndrom, und andere Trisomien erkennen. Der Test filtert auch die seltene Monosomie X heraus, die nur Mädchen betrifft. Mädchen und Frauen mit diesem Syndrom sind in der Regel unterdurchschnittlich groß und bleiben ihr Leben lang unfruchtbar. Sie sind durchschnittlich intelligent und können mit Hilfe von Hormon-Gaben ein normales Leben führen.

Für den deutschen Markt zugelassen ist in dieser Art bislang nur der "Pränatest", der ebenfalls auf Trisomie 21 prüft. Der Essener Humangenetiker Bernd Eiben, der den "Panorama-Test" über Amedes anbietet, versicherte, dass der Test nur im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung angeboten werde. Er verwies auch darauf, dass der Test zwar keine europäische, aber die amerikanische Zertifizierung habe.

(qua/nbe)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Embryonen-Check in den USA: Behindertenbeauftragter fordert Schließung der Gesetzeslücke


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.