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Dalai Lama spricht vor dem Brandenburger Tor: Bekenntnis zur staatlichen Einheit Chinas

zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 21:30

Berlin (RPO). Nach seinem umstrittenen Treffen mit Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul sprach der Dalai Lama zum Abschluss seines Besuches auf einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Tausende Fahnen schwenkende Menschen waren gekommen und wurden Zeuge seines Bekenntnisses zur staatlichen Einheit Chinas.   

Auf einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor hielt das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, zum Abschluss seines Deutschlandsbesuches eine Ansprache. Unterstützt wurde er bei seinem Auftritt von Politikern und Musikern, die die chinesische Führung zur Wahrung der Menschenrechte aufriefen. Der Dalai Lama äußerte sich glücklich über die Anteilnahme der Berliner am Schicksal seines Volkes.

Unter anderem anwesend waren Vertreter der Bands 2-Raum-Wohnung, Die Prinzen und Wir sind Helden. Der ehemalige CDU-Generalssekretär Heiner Geißler nannte den hohen Gast einen "Freiheitskämpfer". Die deutsche Öffentlichkeit solle sich nicht von chinesischer Propaganda irremachen lassen, nach der der Dalai Lama ein "Terrorist" sei.

Geißler: "Es darf nicht denen überlassen werden, zu sagen, wer ein Terrorist ist, die selber Terror ausüben." Die von chinesischer Seite unerwünschte Einmischung in der Tibetfrage dürfe durchaus sein. "Denn der Schutz der Menschenrechte ist keine nationale Frage", sagte Geißler. "Sacharow und Solschenizyn wären ohne Einmischung nicht am Leben geblieben."

An der von der Tibet Initiative Deutschland organisierten Veranstaltung nahmen auch Exiltibeter teil. Sie berichteten von nach wie vor fehlender Pressefreiheit in ihrer Heimat und der Angst vieler Tibeter im Ausland, mit ihren Familien zu telefonieren. Die Gesellschaft für bedrohte Völker appellierte an die deutsche Bundesregierung, eine klare Aussage zur Menschenrechtssituation in China zu treffen. Hinweise auf die Haltung der Bundesregierung zu Begegnungen mit dem Dalai Lama wurden mit Pfiffen und Buh-Rufen aus dem Publikum quittiert

Der Dalai Lama betonte, es gehe in Tibet um eine gerechte, moralische Sache. Er rief die Teilnehmer auf, ihre Sorge und Anteilnahme auf alle Menschen der Welt auszudehnen, die unter Menschenrechtsverletzungen litten. Zugleich appellierte er, wie die Tibeter auch konsequent den Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen. Er freue sich, an diesem Ort in Berlin zu sein, sagte der Dalai Lama. Auch die Berliner Mauer sei nicht durch Gewalt, sondern durch eine friedliche Bewegung des Volkes eingestürzt.

Mit einem Bekenntnis zur staatlichen Einheit Chinas beendete der Dalai Lama schließlich die Kundgebung. Das Schwenken der tibetischen Flagge sei kein Symbol gegen China oder für Separatismus. Der frühere Staats- und Parteichef Mao Tse Tung selbst habe in den 50-er Jahren die Erlaubnis gegeben, die tibetische Flagge zu behalten.

Die Exilregierung in Indien beschloss nach Angaben des Friedensnobelpreisträgers einen Appell an die Tibeter, mit Rücksicht auf die schrecklichen Folgen der Erdbeben für einige Zeit auf Demonstrationen gegen die chinesischen Behörden zu verzichten. Dies sei ein Zeichen der Solidarität. Viele Eltern hätten als Folge der Einkindpolitik Pekings ihr einziges Kind verloren.

Die rote Flagge Chinas mit den fünf Sternen sei das Symbol eines starken Staates, von dem die wirtschaftlich zurückgebliebenen Tibeter materiell profitieren könnten, sagte der Dalai Lama. Die Tibeter betrachteten sich selbst als spirituell fortgeschritten, aber das müsse jeder selbst entscheiden: "Wir unterstützen dieses große Land, das durch die rote Flagge repräsentiert wird," rief er aus.

Das 21. Jahrhundert sollte nach den Worten des Dalai Lama das Jahrhunderts des Dialogs werden: "Wir können wirklich eine wahrhaft friedvolle Welt bauen," rief er unter Beifall aus.

Am Vormittag war Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mit dem Dalai Lama im Hotel Adlon zusammengetroffen. Sie sicherte ihm die Unterstützung Deutschlands bei Bestrebungen Tibets nach kultureller Autonomie zu.

Quelle: ap

 
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