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"Smart Products"
Politik plant Plakette für Datenverbrauch von Elektroprodukten

"Smart Products": Plakette für Datenverbrauch von Elektroprodukten geplant
Schlaue Waschmaschine von LG: vorgestellt beim Las Vegas Convention Center. FOTO: afp, David Becker
Berlin. "Smart Products" bringen dem Verbraucher Komfort und Zeitersparnis – doch sie haben auch Tücken. Die Verbraucherschutzminister wollen vernetzte Elektroprodukte künftig besser kennzeichnen. Von Jan Drebes

Immer mehr Alltagsgegenstände wie Fernseher, Kühlschränke, Raumthermostate oder Kleidungsstücke werden mit dem Internet verbunden. Was für Verbraucher einerseits mehr Komfort und Zeitersparnis bringen soll, ruft nun die Verbraucherschutzminister der Länder auf den Plan.

Am Donnerstag wollen sie in Berlin bei einem Treffen zum Thema Digitalisierung über striktere Datenschutzregeln für Hersteller sogenannter "Smart Products" beraten. Wie aus einer Tischvorlage für die Konferenz hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt, setzen sich die Minister etwa dafür ein, dass künftig ein Label an solchen Produkten über deren Datenhunger informieren soll.

So heißt es im Entwurf: "Die Verbraucherschutzministerkonferenz fordert, dass zur Sensibilisierung der Verbraucher bei diesen Produkten und Anwendungen auf den ersten Blick erkennbar sein muss, wie datenintensiv oder datensparsam das angebotene Produkt oder die angebotene Dienstleistung ist." Es könne geprüft werden, ob ein Label mit einfachen, vergleichbaren Klassifizierungen analog der Energieverbrauchskennzeichnung eine praktikable Lösung auf europäischer Ebene darstellen könnte, schreiben die Autoren.

Kleidungsstücke mit Sensoren

Sie begründen den Vorstoß damit, dass die Verbraucher die Wahlfreiheit behalten sollen. So seien Hersteller und Anbieter von Smart Home-Angeboten und Smart Products "zu verpflichten, Verbraucher umfassend zu informieren und aufzuklären, welche Daten, auf welchem Weg, zu welchem Zweck generiert und wo und wie sie gespeichert, wem sie zugänglich gemacht und wann sie gelöscht werden", heißt es in dem Papier. Die Regeln der Datenschutzgrundverordnung würden zwar für Hersteller solcher Produkte gelten. Es sei aber zu prüfen, ob es nicht spezieller Vorschriften bedürfe, um Verbraucher angemessen zu schützen.

Die Minister gehen davon aus, dass smarte Produkte für die meisten Menschen Neuland sind: Kleidungsstücke werden mit Sensoren ausgestattet und messen Vitaldaten des Menschen, Teppiche erstellen Bewegungsprofile, Lichtschalter senden Daten über den Energieverbrauch im Haus - bisher sind das Nischenprodukte.

Doch der Markt wächst und damit der Druck auf die Politik, die sich daraus entwickelnden Fragen zu beantworten. Etwa, wer eigentlich haftet, wenn ein autonom agierender Kühlschrank Schaden anrichtet? Oder wie Kunden erfahren, welche Daten die Gegenstände versenden und inwieweit Geräteeinstellungen vom Hersteller oder Software-Anbieter per Fernzugriff geändert werden können?

Die Minister warnen, dass die Auswertung der Daten präzise Einblicke in die Privatsphäre der Menschen erlaube. "So lassen sich aus hoch aufgelösten Energiedaten Rückschlüsse auf Bewegungs- und Nutzungsverhalten im Haushalt ziehen.", heißt es in dem Papier.

Auch deshalb fordern die Minister ein Datenlabel und wollen prüfen lassen, ob nicht standardisierte Bildsymbole entwickelt werden könnten, die mehr Aufklärung bieten.

Quelle: RP
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