Elfter Empfang der Rheinischen Post in der Hauptstadt : Das politische Berlin zu Gast bei der RP
zuletzt aktualisiert: 27.11.2011 - 13:41Berlin (RPO). Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gab sich zum inzwischen elften Empfang der Rheinischen Post in der Hauptstadt die Ehre. Besonders gefragt waren der wegen der Neonazi-Morde unter Druck stehende Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und der als SPD-Kanzlerkandidat gehandelte Ex-Finanzminister Peer Steinbrück.
Bei Alt, Pils, Wein und rheinisch-bürgerlicher Kost wurde parteiübergreifend gefachsimpelt, leidenschaftlich diskutiert und trotz der ernsten Zeiten auch viel gelacht. Erneut zeigte sich: Der Empfang gehört, wie es Minister und Parteichefs am abend ausdrückten, zum festen Bestandteil des politischen Kalenders in Berlin.
Es sind ernste Zeiten, in denen die Rheinische Post zu ihrem Redaktionsempfang in Berlin geladen hatte. Die Debatte um die Neonazi-Morde und die Gefahren der europäischen Schuldenkrise beschäftigten viele der mehr als 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft beim gemütlichen Zusammentreffen in den Räumen der Parlamentsredaktion.
Dass die Demokratie in diesen Tagen besonders gefordert sei, betonte RP-Chefredakteur Sven Gösmann in seiner Begrüßungsrede. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kam gleich nach einem Abendessen mit den Opfern der Neonazi-Morde und schilderte den Kabinettskollegen Peter Ramsauer und Ilse Aigner (beide CSU) die Gefühlslage der Betroffenen. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und ihr Kollege Jürgen Trittin zeigten sich bewegt von den Berichten. „Das war kein einfacher Abend“, sagte Trittin.
Regierungschefin Angela Merkel (CDU) ließ sich von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und Regierungssprecher Steffen Seibert entschuldigen. Sie saß mit den Haushältern im Kanzleramt bei Beratungen fest. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) unterhielt sich dafür angeregt mit Karl Hans Arnold, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Mediengruppe RP, bevor der Berliner Krawattenfabrikant Jan-Henrik Scheper-Stuke in das Gespräch platzte und dem NRW-CDU-Chef Modetipps gab.
Die RP-Herausgeber Gottfried Arnold und Esther Betz erkundigten sich bei CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und Bildungsministerin Annette Schavan nach den Motiven für die jüngsten Kurswechsel der Konservativen. Die FDP war mit Vizekanzler Philipp Rösler, Außenminister Guido Westerwelle, Entwicklungsminister Dirk Niebel, Gesundheitsminister Daniel Bahr und Fraktionschef Rainer Brüderle prominent vertreten. Einen Ausweg aus der Umfragemisere wussten die Liberalen indes nicht. „Es geht aufwärts“, versprach Brüderle gewohnt süffisant.
Die Enge in den Redaktionsräumen - die Caterer bahnten sich zu Beginn etwas mühevoll mit Schnittchen, Quiche, Frikadellen und Mini-Currywürsten ihren Weg - störte die Gäste nicht. „Das RP-Fest ist ein Muss im politischen Terminkalender“, waren sich Grünen-Chefin Claudia Roth und SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann einig.
Der als Kanzlerkandidat gehandelte Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) freute sich besonders über Christina Rau, Witwe des Ex-NRW-Regierungschefs und Bundespräsidenten Johannes Rau. Auf dem beheizten Balkon tauschten beide Erinnerungen aus früheren Tagen aus: Steinbrück war einst Büroleiter von Johannes Rau.
Auch abseits der Politik gab es interessante Begegnungen. So plauderten der Düsseldorfer Schauspieler Axel Pape und Ex-Fußballnationalspieler Marko Rehmer über den Aufstieg von Fortuna Düsseldorf, der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, berichtete Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold über die Detailarbeit seiner Behörde bei der Aufarbeitung des Stasi-Unrechts. Einhelliges Fazit der Gäste: Auch in ernsten Zeiten ist Abwechslung notwendig. Und dass das RP-Fest dafür eine gute Chance bietet, wurde einmal mehr bewiesen.
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