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Berliner Bühne
Die Hauptstadt schmollt

Song Contest: Pressestimmen zur Entscheidung für Düsseldorf
Song Contest: Pressestimmen zur Entscheidung für Düsseldorf FOTO: AP
Berlin (RP). Ausgerechnet Düsseldorf. Die Berliner sind sturzbeleidigt, dass der Song Contest mit Lena ausgerechnet nach Düsseldorf geht. "Berlin ist arm, aber sexy. Düsseldorf ist reich und langweilig", tönt es am Tag nach der Entscheidung auf den zahlreichen Radio-Wellen der Hauptstadt. Von Eva Quadbeck

Berlins Regierender Bürgermeister, auch bekannt als Regierender Partymeister, mag es gar nicht, wenn woanders die Musik spielt. Entsprechend verschnupft reagierte er auf die Entscheidung, den Song Contest an die Rhein-Metropole zu vergeben. "Eine solche Veranstaltung, die eine europaweite Austrahlung hat und die sich besonders an junge Leute richtet, hätte hervorragend in die jugendliche Metropole Berlin gepasst."

Wahrscheinlich hat Wowereit hinter verschlossenen Türen  nochmal wütend auf  seinen Stapel ungelesener Akten eingetrommelt und gerufen: Provinz, Provinz, ausgerechnet die Provinz. Denn die Berliner halten alles außer Berlin für Provinz.

Wowereit bangt um Popularität

Anderntags zeigt er sich gefasst und tat, was Politiker immer tun, wenn sie sich hilflos fühlen, er packte die historische Keule aus, beschwor die Bilder von Rosinenbombern und Befreiung durch die Amerikaner in Berlin. Der Flughafen Tempelhof hätte eine Geschichte zu erzählen gehabt, sagte Wowereit im Info-Radio. Welche Geschichte ein Stadion erzählen solle, wisse er nicht. Nun geht es beim Song Contest ja nicht darum, wer die beste Geschichte über seinen Austragungsort erzählen kann, sondern darum, wer das beste Lied singt und damit Europa in Verzückung versetzt.

Ganz nebenbei: Für Wowereit, der im Sommer 2011 in der heißen Wahlkampfphase ums Berliner Rathaus stecken wird,  wäre es auch darum gegangen,  vor der Weltöffentlichkeit mal wieder eine gute Figur zu machen. Denn seine Popularitätswerte sind zurzeit mau, derweil gewöhnen sich die Hauptstädter schon mal an den Gedanken, bald von einer Grünen regiert zu werden.

Während also der seriöse Info-Radio-Sender sich darauf beschränkt, einen mauligen Regierungschef zu interviewen,  setzt Radio Berlin 88,8 auf Slapstick für die Ohren. Moderatorin Janina, die angibt, sieben Jahre in Düsseldorf studiert zu haben, soll Auskunft geben über die Stadt. Sie sagt aber keinen Ton. Über die Erinnerung an Düsseldorf ist sie eingeschlafen. Hi, hi, hi. Wer darüber jetzt nicht lachen kann, versteht eben keinen Berliner Humor. 

Nachdem die Moderatorin wieder aufgewacht ist, gibt sie auch noch Auskunft darüber, dass es in Düsseldorf mehr regnet, also in Berlin. Aber auch das ist kein Grund, dass der Song Contest nicht nach Düsseldorf gehen könnte: Die Esprit-Arena hat ein Dach.

Am morgen nach der Entscheidung zischelte es in der S-Bahn gar von der Lackaffen-Metropole. Das so gescholtene Düsseldorf kann sich trösten: Wir haben Lena, Ihr habt Sarrazin.

 
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