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Berliner Bühne: Koch Kanzler, Steinbrück Kellner?

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 05.10.2012 - 15:52
Michael Bröcker, Leiter der Parlamentsredaktion, berichtet aus Berlin. Foto: RP
Michael Bröcker, Leiter der Parlamentsredaktion, berichtet aus Berlin. Foto: RP

Berlin (RPO). "Niemals Minister unter Merkel", hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück seiner Partei versprochen. Eine Absage an die große Koalition ist das nicht. Für einen anderen CDU-Regierungschef stünde Steinbrück durchaus zur Verfügung.

Klug, witzig, verlässlich. So hat Finanzminister Peer Steinbrück in Zeiten der großen Koalition seine Chefin, Kanzlerin Angela Merkel, beschrieben. Der hanseatische Ökonom und die mecklenburgische Physikerin verstanden sich so gut, dass Merkel und Steinbrück selbst zwei Wochen vor der Bundestagswahl 2009 noch gemeinsam auf internationalen Gipfeltreffen auftraten und harmonierten.

Nun ist Steinbrück Kanzlerkandidat der SPD und will Merkel aus der Regierung "rausschmeißen", wie er unlängst verkündete. Damit die von großkoalitionären Zwängen leidgeprüften Genossen ihm auch glauben, dass er wirklich für Rot-Grün kämpft, hat Steinbrück in mehreren Interviews versichert, dass er niemals unter Kanzlerin Merkel Minister werde. Eine CDU-Kanzlerin Merkel wird Peer Steinbrück also nicht als Juniorpartner für eine Neuauflage der großen Koalition gewinnen können.

Angela Merkel "wegverhandeln"

Aber was, wenn die Merkel-CDU nach der Bundestagswahl zwar erneut stärkste politische Kraft, aber Merkel nicht mehr Kanzlerin wird? In SPD-Kreisen wird derzeit mit Leidenschaft ein – zugegeben hochgradig spekulatives – Szenario diskutiert, an dessen Ende ein Vizekanzler Steinbrück doch in eine große Koalition gehen könnte. Demnach könnte Steinbrück nach einem erfolgreichen Wahlkampf und einem Stimmenzuwachs für die SPD in Verhandlungen mit der Union versuchen, die Kanzlerin Merkel "wegzuverhandeln".

Große Koalition, ja. Aber nur ohne Merkel. Sollte die CDU nur knapp stärkste Kraft werden und ihr Ergebnis von 2009 nicht deutlich verbessern (damals: 33,8 Prozent), könnte die Union doch geneigt sein, Merkel für die Macht zu opfern, frohlocken Steinbrücks Unterstützer in vertraulicher Runde. Aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern könnte ein "Druck entstehen, Merkel aufzugeben", heißt es. Es gebe doch genügend Konservative, die mit Merkel noch eine Rechnung offen haben.

Koch-Steinbrück

Wer dann für die CDU das Kanzleramt übernehmen soll, hat das Steinbrück-Lager auch schon auserkoren: Roland Koch. Einst als hessischer Ministerpräsident der Lieblingsgegner der SPD, ist der CDU-Mann inzwischen erfolgreicher Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger. Eine Rückkehr in die Politik schließe Koch nicht aus, sagen diejenigen, die das Steinbrück-Koch-Szenario so leidenschaftlich durchspielen.

In der CDU sei der konservative Koch immer noch geachtet. Und zu Peer Steinbrück pflegt der Ex-Regierungschef Hessens bis heute einen guten Draht. Die beiden haben 2003 nicht nur ein gemeinsames, berühmt gewordenes Konzept zum Subventionsabbau entworfen, sondern auch später in der Föderalismuskommission bei der Einrichtung einer Schuldenbremse harmoniert. Man versteht und schätzt sich.

Unlängst gab Peer Steinbrück dem Koch-Konzern Bilfinger ein Interview für den Geschäftsbericht des Unternehmens, wie im Zuge der Debatte über Nebentätigkeiten bekannt wurde. Mindestens 7000 Euro hat Steinbrück dafür bekommen. Geschäftlich harmonieren Koch und Steinbrück also bereits wieder. Bald auch politisch?

In der Steinbrück-SPD ist ein Duo Koch-Steinbrück jedenfalls die einzig denkbare Variante für eine große Koalition. Ob sich Angela Merkel so leicht aus dem Spitzenamt verdrängen lässt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. "Die ist politisch stabil wie nie", sagt ein führender Unionsmann. Und dass die CDU in den Umfragen absinkt, ist bisher auch nicht festzustellen. Drei Tage nach der Nominierung Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten errreicht die CDU mit 40 Prozent sogar einen Rekordwert in einer aktuellen Umfrage.

Quelle: das

 
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