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Berliner Bühne: Saigon, Pjöngjang, und dann?

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 25.10.2011 - 18:13

Kanzler und Minister schätzen Dienstreisen in exotische Länder. Nicht nur weil die deutschen Regierungsvertreter dort meist empfangen werden wie Könige, sondern auch weil sie in der Öffentlichkeit punkten können. Wer sich ein Reiseziel aussucht, das noch nie zuvor von einem Regierungsamtlichen besucht wurde, ist die mediale Aufmerksamkeit garantiert.

Michael Bröcker, Leiter der Parlamentsredaktion der RP in Berlin.  Foto: RP
Michael Bröcker, Leiter der Parlamentsredaktion der RP in Berlin. Foto: RP

Merkel bei den Mongolen. In der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator saß Kanzlerin Angela Merkel neulich in einer traditionellen Jurte mit dem Präsidenten Elbegdorij zusammen und verhandelte über Rohstoffe. Die kuriosen Gipfel-Bilder schafften es tags darauf auf alle Titelseiten. Es war Merkels erster Besuch in der Mongolei. Auch ihre Visite in Saigon in Vietnam kurz zuvor war eine Premiere für die deutsche Regierungschefin. Und Premieren bei Minister- oder Kanzlerreisen werden von den Journalisten besonders gerne wahrgenommen. Wer als erster Minister nach Myanmar reist, bekommt eben mehr Aufmerksamkeit als wenn er "nur" Malta besucht. 

Doch die Handlungsreisenden der Regierung haben es zusehends schwer. Die Zahl der Länder, die noch von keinem Kanzler oder Minister besucht wurde, schrumpft. Außenminister Guido Westerwelle schaffte es unlängst auf seiner Ozeanien-Reise, als erster Minister einen Fuß auf neuseeländischen Boden zu setzen und ließ bei seiner Lateinamerika-Reise 2010 auch Uruguay nicht außen vor. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) war als Erster in El Salvador und Anfang des Jahres im Irak. 

Ex-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dachte sogar mal daran, in den hermetisch abgeschlossenen Kommunisten-Staat Nordkorea zu reisen. Dann wechselte er allerdings an die Fraktionsspitze der FDP. Sein Nachfolger Philipp Rösler will nun ebenfalls nach dem Irak-Krieg nach Bagdad fliegen. Auch dabei dürfte ihm Aufmerksamkeit sicher sein.

Was bleibt also? Ein paar exotische Plätze für schöne Ministerbilder sind noch zu haben. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es beispielsweise noch weiße Flecken. Mauretanien, Gabun oder Madagaskar spielten in der Wahrnehmung bisher keine Rolle. In Südamerika warten Surinam und Paraguay, in Asien Nepal, Myanmar auf einen deutschen Staatsbesuch.


 
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