Nach Attacke auf Schulleiter: Berliner CDU: "Jugendgewalt ist an der Tagesordnung"
zuletzt aktualisiert: 10.06.2006 - 12:39Berlin (rpo). Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Nicolas Zimmer hat dazu aufgerufen, das Thema Jugendgewalt als echtes gesellschaftliches Problem anzuerkennen. Gewalt unter Schülern sei keine Randerscheinung. Nach dem Überfall auf einen Schulleiter in Berlin fordert er ein "Zentralregister für verhaltensauffällige Schüler".
"Wenn ein 12-jähriger Junge, der eine Lehrerin schwer verletzt, weiter in Berlin frei herumläuft und eine Sozialpädagogin sagt, dass sich endlich ein Kind wehrt, stimmt etwas nicht in unserer Gesellschaft", erklärte Zimmer.
Gewalt unter Jugendlichen sei längst zu einem Alltagsproblem geworden: "Jugendgewalt in Berlin ist nicht, wie der Senat den Berlinern weismachen will, eine Randerscheinung. Immer wieder kommt es wie in den vergangenen Wochen zu brutalen Angriffen auf Lehrer und Schüler, die scheinbar zum Alltagsbild in Berlin gehören."
Die beiden Schüler, die am Donnerstagabend den Schulleiter einer Grundschule beleidigt und getreten haben, sind der Polizei bereits einschlägig bekannt.
Der 53-jährige Lehrer erlitt bei dem Angriff Schürfwunden und Prellungen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Zu der Attacke war es gekommen, nachdem der Direktor sechs Jugendliche vor dem Schulgebäude bemerkt hatte, die sich auffällig verhielten. An der Schule im Bruno-Taut-Ring fand am Donnerstagabend ein Elternabend statt. Da die Schule in der Vergangenheit Ziel von Sachbeschädigungen war, fragte der Direktor die Jugendlichen, was sie dort machten. Er wurde daraufhin von einem 15-Jährigen beschimpft. Ein 17-Jähriger trat dem Schulleiter in den Rücken, so dass er stürzte. Der 15-Jährige trat dann auf den am Boden liegenden Mann ein. Anschließend liefen die Jugendlichen davon.
Die alarmierte Polizei nahm die mutmaßlichen Täter in der Nähe der Schule fest und notierte die Personalien der vier anderen Jugendlichen aus der Gruppe. Gegen den 15- und den 17-Jährigen wurde Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung gestellt. Sie wurden nach der Festnahme ihren Eltern übergeben.
In den vergangenen Wochen hatte es in Berlin zahlreiche Fälle von jugendlichen Gewalttätern gegeben. Zuletzt hatte ein zwölfjähriger Schüler an einer Kreuzberger Grundschule eine Lehrerin krankenhausreif geschlagen.
Keine heile Welt
Zimmer kritisierte Bildungssenator Klaus Böger (SPD), der die Berliner Schulen als "schöne heile Welt" dargestellt habe. Der Senat müsse die Angriffe endlich erstnehmen und handeln. Zimmer forderte erneut eine Verschärfung des Jugendstrafrechts und eine intensivere Betreuung von Jugendlichen in Problemgebieten.
Böger hatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus gesagt, dass die Berliner Schulen "kein Hort von Gewalt" seien. Die bekannt gewordenen Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten dürften nicht verharmlost, aber auch nicht dramatisiert werden. Nach Angaben des Bildungssenators gab es im vergangenen Jahr an insgesamt 900 Schulen rund 890 Vorfälle, die von Mobbing bis zu tätlichen Angriffen reichten.
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