Politischer Aschermittwoch: Bewährungsprobe für Seehofer
zuletzt aktualisiert: 24.02.2009 - 18:28Passau (RPO). Der Aschermittwoch ist für alle Parteien traditionell Anlass, um in die Bütt zu treten und zum Angriff auf den politischen Gegner zu blasen. Zentrum ist dabei Niederbayern, wohin jährlich Tausende pilgern, um das Abwatschen der Kontrahenten mitzuerleben. Hier wird Horst Seehofer seinen Mann stehen müssen.
Ungeachtet der Zwänge in der Berliner Großen Koalition und der CSU/FDP-Koalition in München soll der Partei- und Regierungschef Seehofer den politischen Gegnern in der auf Bierzelt getrimmten Dreiländerhalle einheizen. Meist auf bierseligen Veranstaltungen bejubeln die eigenen Anhänger ihre Parteioberen für Reden, die in der Regel von deftigen Tönen geprägt sind.
Wo sind die Parteigrößen zu erwarten?
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Aschermittwochsrunde in Vorpommern, die seit 1995 besteht. Sie wird als Hauptrednerin der Veranstaltung, die traditionell unter dem Motto "Zeit für deutliche Worte" steht, in Demmin erwartet.
Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kommt zur Veranstaltung der niedersächsischen SPD nach Cuxhaven. Er wird um 12.00 Uhr einmarschieren und eine Rede halten. SPD-Chef Franz Müntefering wird am Morgen in Ludwigsburg erwartet.
In Niederbayern steht am Politischen Aschermittwoch die CSU im Mittelpunkt des Interesses. Für Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer ist es seine Premiere als Aschermittwochsredner in Passau. Die Kultveranstaltung, die von der Partei gerne als "größter Stammtisch der Welt" tituliert wird, ist eine echte Bewährungsprobe für den 59-Jährigen und seine Wirkung auf die CSU-Basis.
Die Liberalen bieten in Passau Parteichef Guido Westerwelle auf. Für die Freien Wähler in Deggendorf sprechen Landesparteichef Hubert Aiwanger und Europakandidatin Gabriele Pauli.
Die Linke setzt auf Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi als Zugpferd bei ihrer Veranstaltung in Tiefenbach bei Passau. Beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Biberach sind Parteichef Cem Özdemir und Fraktionschefin Renate Künast vertreten.
Der historische Ursprung
Der Ursprung der Tradition geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Seit 1580 kamen in der kleinen Donaustadt Vilshofen Bauern und Kaufleute am Aschermittwoch zum Viehmarkt zusammen. An den Viehkauf schlossen sich Gespräche über Gott und die Welt an. Später hielt dann der Bauernverband an diesem Tag eine große Kundgebung ab. Ab 1948 führte die Bayernpartei diese Tradition fort.
Bundesweit bekannt wurde der politische Rundumschlag aber erst mit den Auftritten von Franz Josef Strauß bei der CSU ab 1953. Er servierte auf dem Volksfest deftige Hausmannskost. 1975 musste die bayerische Unionspartei wegen Platzmangels von Vilshofen in die Nibelungenhalle im nahen Passau umziehen. In den kleineren Wolferstetter Keller in Vilshofen rückte die SPD nach.
Alle Nachfolger von Strauß als CSU-Chef und bayerischem Ministerpräsident setzten die Tradition fort. Vor einigen Jahren wurde selbst die Nibelungenhalle zu klein für den Politischen Aschermittwoch der CSU, und so zog die Partei um in die neu gebaute Dreiländerhalle im Stadtteil Kohlbruck, die 7.000 Besuchern Platz bietet. Nach den Rücktritten von Erwin Huber und Günther Beckstein hält jetzt zum ersten Mal der vergangenes Jahr zum CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten gewählte Horst Seehofer die Aschermittwochsrede.
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