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SPD-Abgeordnete ändern Meinung: Biermann soll nun doch Ehrenbürger von Berlin werden

zuletzt aktualisiert: 16.01.2007 - 19:00

Berlin (RPO). Tagelang konnte sich die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus nicht entscheiden, jetzt ist klar: Der Liedermacher Wolf Biermann soll nun doch Ehrenbürger von Berlin werden. Die Fraktion änderte ihre Haltung und entschied sich nach Angaben eines Sprechers für die Auszeichnung Biermanns.

Es soll aber ein neues Verfahren dafür gefunden werden. Zuvor hatten sich in einer Unterschriftenaktion 92 Bundestagsabgeordnete der SPD dafür ausgesprochen, Biermann zum Berliner Ehrenbürger zu ernennen. Wann die Auszeichnung verliehen werden kann, blieb aber weiter unklar.

Nach Angaben des Sprechers stimmte die Berliner SPD mit großer Mehrheit für die Auszeichnung Biermanns. Bei den in Berlin regierenden Parteien SPD und Linkspartei gab es bislang starke Vorbehalte gegen eine solche Auszeichnung für den Künstler, der bis zu seiner Ausbürgerung aus der DDR 1976 in Ost-Berlin lebte. Die SPD stört sich vor allem an der Art und Weise, wie die CDU die Initiative für die Auszeichnung Biermanns auf den Weg gebracht hatte.

Deswegen solle nun ein neues Verfahren für die Auszeichnung gefunden werden, sagte der SPD-Sprecher weiter. Ein "unwürdiges Gezerre", wie es durch den Antrag der CDU entstanden sei, müsse vermieden werden. Die SPD wolle dafür auch das Gespräch mit der Linkspartei suchen.

Die Abeordnetenhausfraktion der Linkspartei beriet am Dienstag ebenfalls über eine Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Biermann. Die Angelegenheit wurde nach Angaben einer Sprecherin "kontrovers" diskutiert. Die Linkspartei wirft Biermann vor allem seine befürwortende Haltung zum Irak-Krieg vor. Biermann hatte bis zu seiner Ausbürgerung aus der DDR 1976 in Ost-Berlin gewohnt und lebt seither in Hamburg.

Zuvor hatten sich in der Bundes-SPD, aber auch bei CDU und FDP die Stimmen zu Gunsten Biermanns gemehrt. Die Berliner SPD bestätigte eine Unterschriftenliste ihrer Parteifreunde aus dem Bundestag, mit der diese die Ehrenbürgerwürde für Biermann fordern. Unter den Unterzeichnern finden sich die Bundesminister Sigmar Gabriel, Wolfgang Tiefensee und Heidemarie Wieczorek-Zeul, wie "Die Welt" (Mittwochsausgabe) berichtet. Initiatoren der Aktion sind die SPD-Bundestagsabgeordneten Markus Meckel und Ditmar Staffelt.

Auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla drängte den Berliner Senat, Biermann zum Ehrenbürger zu machen. "Es ist eine Schande, dass sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aus Rücksicht auf die Gefühle der SED-Nachfolgepartei nicht traut, die Ehrung Biermanns zu unterstützen", erklärte Pofalla in Berlin. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der "Netzeitung": "Eine Entscheidung gegen Wolf Biermann und seinen Anteil am wiedervereinigten Berlin wäre eine Ehren-Ausbürgerung durch Rot-Rot. " Am Montag hatte bereits Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) SPD und Linkspartei aufgefordert, ihre ablehnende Haltung zu revidieren.

Quelle: afp

 
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