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Umstrittene Äußerungen von Wulff
"Bild" will Mailbox-Nachricht veröffentlichen

Januar 2012: Bundespräsident Wulff im TV-Interview
Januar 2012: Bundespräsident Wulff im TV-Interview FOTO: dpa, Jesco Denzel
Berlin. Die "Bild"-Zeitung will die umstrittenen Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff auf der Mailbox des Chefredakteurs Kai Diekmann veröffentlichen. Diekmann bat den Bundespräsidenten deshalb am Donnerstag schriftlich, diesem Schritt zuzustimmen.

"Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung." Eine Reaktion des Präsidialamtes lag noch nicht vor.

Mit Verwunderung habe "Bild" die Äußerungen Wulffs am Mittwoch in ARD und ZDF zur Kenntnis genommen, wonach es ihm nicht darum gegangen sei, die Berichterstattung über den umstrittenen Hauskredit zu verhindern, sondern diese nur um einen Tag zu verschieben, heißt es in dem Schreiben an den Bundespräsidenten.

TV-Interview in eigener Sache

Bundespräsident Christian Wulff hat mit seinem Interview in eigener Sache nicht alle überzeugt. Die "Bild"-Zeitung widersprach bereits am Morgen Wulffs Aussage, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen.

Der Anwalt des Bundespräsidenten, Gernot Lehr, hat indes eine sechsseitige Stellungnahme zu den gegen Christian Wulff erhobenen Vorwürfen veröffentlicht. Seine Kanzlei habe inzwischen etwa 450 Fragen einzelner Medienvertreter beantwortet, schrieb Lehr am Donnerstag in Berlin. Jetzt würden Antworten auf immer wieder gestellte Fragen und Themenkomplexe zusammengefasst, heißt es in der Publikation.

"Unser Mandant strebt bei der Beantwortung dieser Fragen größtmögliche Transparenz an, soweit diese Sachverhalte betreffen, die in Beziehung zu seinen öffentlichen Ämtern stehen", versichert die Kanzlei. Sie räumt ein, dass "aufgrund des verständlichen Zeitdrucks" die Antworten teilweise noch ergänzungs- oder korrekturbedürftig sein könnten. "Sollte dies erforderlich sein, werden wir unseren Bericht aktualisieren."

"Bild" widerspricht Wulff

Wulff bleibt indes unter Druck. Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast monierte, Wulff habe lediglich über seine Gefühle gesprochen. Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner sagte, Wulff werde es schwer haben, Autorität und Integrität wiederzuerlangen. Dagegen sagte FDP-Fraktionsvorsitzende im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, Wulff habe die "Sache" aus der Welt geschafft.

Laut Renate Künast habe Wulff keine der Fragen beantwortet, die das Land beschäftigten. "Niemand weiß, wie oft und wofür sich dieser Präsident noch wird entschuldigen müssen", sagte Künast der "Bild"-Zeitung. Stegner sagte dem Düsseldorfer "Handelsblatt": "Es ist schade, dass Christian Wulff wieder die Chance vertan hat, für Orientierung zu sorgen."

Rückendeckung aus der CDU

SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles sieht das Amt des Bundespräsidenten trotz der Entschuldigung weiter beschädigt. Sie habe sich "bei aller Selbstkritik" des Bundespräsidenten gefragt, wie dieser in Zukunft wirklich moralisch die Autorität aufbringen könne, vor Übertreibungen zum Beispiel bei den Finanzmärkten und moralischen Verfehlungen bei anderen zur warnen oder die Pressefreiheit einzufordern", sagte Nahles im ARD-"Morgenmagazin".

Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze stärkt Bundespräsident Christian Wulff nach dessen Interview in eigener Sache den Rücken. "Mich hat der Bundespräsident überzeugt, er hat alle Fragen glaubwürdig beantwortet", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk. Zudem habe Wulff die Stärke gehabt, zu seinen Schwächen zu stehen. "Damit sollte es jetzt auch gut sein." Der Bundespräsident habe ein großes Grundvertrauen in der Bevölkerung "und er glaubt zu Recht, dass er daran auch anknüpfen kann", sagte Hintze weiter.

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Kommentar: Wulff sucht Pakt mit dem Volk

Zum Nachlesen: Das Interview im Wortlaut

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(APD)
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