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Bildungsbarometer
Mehrheit lehnt Betreuungsgeld ab

Bildungsbarometer vom ifo-Institut: Mehrheit lehnt Betreuugsgeld ab
Eine Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass der Kindergartenbesuch kostenfrei wird. FOTO: Bildungsbarometer ifo Institut
Berlin. Das neue Bildungsbarometer des Münchner ifo Instituts offenbart eine hohe Reformbereitschaft der Deutschen. Gebührenfreie Kitas, Ganztagsschule und zentrale Prüfungen für alle Schulabschlüsse sind Beispiele dafür. Von Jan Drebes

Das von der CSU beworbene und umkämpfte Betreuungsgeld stößt bei den meisten Bundesbürgern auf klare Ablehnung. Das hat das neue Bildungsbarometer des Münchner ifo-Instituts ergeben, das heute in Berlin vorgestellt wird und unserer Zeitung vorab vorliegt. Demnach sprechen sich 57 Prozent der Deutschen gegen ein Betreuungsgeld für Eltern aus, die ihr Kind im Alter von zwei bis drei Jahren nicht in einer Krippe oder Kindertagesstätte anmelden. Lediglich 33 Prozent wären für eine solche bundesweite Regelung, die nun jedoch vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurde.

Für die bisher zweite Studie dieser Art wurden im vergangenen Mai insgesamt 4203 Personen ab 18 Jahre befragt, weitere 1042 Fragebögen wurden von Eltern ausgefüllt, deren Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren sind. So will das ifo Institut auch repräsentative Aussagen über die Meinungen von Eltern schulpflichtiger Kinder treffen können. Demnach hat Bildungspolitik für die meisten Befragten eine enorme Bedeutung. Fast drei Viertel gaben an, dass dieses Thema für ihre Entscheidung bei Landtagswahlen wichtig sei. Bei Eltern von Kindern, die in die Schule gehen, waren es sogar 83 Prozent.

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"Das ifo Bildungsbarometer 2015 belegt, dass die deutsche Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zu Reformen in der Bildung aufweist", sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik. Neben dem Betreuungsgeld untersuchten die Forscher weitere Bereiche, in denen sich die Bevölkerung Veränderungen wünschen – unabhängig von der politischen oder ökonomischen Sinnhaftigkeit.

So wünschen sich 77 Prozent der Befragten, dass der Staat die Kosten für Kindergärten übernimmt und alle Kinder ab vier Jahren gebührenfrei betreut werden. Bisher müssen Eltern in der Regel einen Teil der Kosten selbst übernehmen. Auch um das Personal in den Kindertagesstätten machen sich Eltern Gedanken. Dabei sind 86 Prozent der Befragten auch für bundesweite Qualitätsstandards in den Kitas bei der Gruppengröße und bei der Ausbildung der Erzieherinnen.

Geht es nach dem Willen der Befragten, sollten Erzieherinnen aber auch deutlich mehr verdienen. 79 Prozent der Deutschen sind dafür. 69 Prozent sind es noch, wenn ihnen das aktuelle Durchschnittsgehalt einer Erzieherin von etwa 1600 Euro pro Monat bekannt ist. Dass eine Erzieherin ein Hochschulstudium absolviert haben muss, findet hingegen nur eine Minderheit von 30 Prozent.

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Außerdem machten die Forscher des ifo aus, dass sich die Deutschen mehr Mitbestimmung und Freiheit bei der Schulwahl wünschen. 64 Prozent der Befragten wollen eine Abschaffung der sogenannten Sprengelpflicht, wonach in den meisten Bundesländern der Wohnort dafür entscheidend ist, welche Grundschule ein Kind besuchen muss. Und die Deutschen sind mittlerweile mehrheitlich Befürworter der Ganztagsschulen. 61 Prozent Zustimmung gibt es für ein System mit Unterricht bis 15 Uhr, immerhin noch 56 Prozent für Schule bis 16 Uhr. Keine Mehrheit finden Systeme mit Unterricht bis 17 Uhr, das wollen nur 47 Prozent.

Echten Reformbedarf sehen die Deutschen auch bei bundeseinheitlichen Regelungen für gleiche Wissensstandards und befürworten in der Konsequenz mehr Kompetenzen beim Bund (fast 60 Prozent sind für eine vollständige Aufhebung des Kooperationsverbotes auch im Schulbereich, nachdem dieses im Hochschulbereich bereits gekippt wurde).

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Darüber hinaus wünschen sich die meisten Bürger, dass es in bestimmten Jahrgangsstufen, etwa in den Klassen 3, 7 und 10, deutschlandweit einheitliche Vergleichstests in Deutsch und Mathematik geben soll, die bei allen Schülern in die Schulnote einfließen. Zudem, auch das wäre radikal neu, solle es bei allen Schulabschlüssen bundesweit einheitliche Prüfungen geben – wie bei dem Zentralabitur. Mit jeweils über 80 Prozent wünschen sich das die Deutschen sowohl für den Haupt- und Realschulabschluss als auch für das Abitur.

Wenn es nach der Schule um die Finanzierung der Ausbildung geht, wünschen sich die Bürger, dass der Staat einen Teil der Ausbildungskosten von solchen Betrieben übernimmt, die Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbieten, die ein Jahr lang erfolglos gesucht haben. 66 Prozent würden eine solche Regelung unterstützen. Beim Studium sprechen sich 50 Prozent der Bürger für Studiengebühren aus, wenn sie über den Mehrverdienst von Akademikern informiert wurden.

So gaben die Forscher an, dass Personen mit einem abgeschlossenen Studium durchschnittlich etwa 2450 Euro netto im Monat verdienen, Menschen mit einer beruflichen Ausbildung (Lehre) etwa 1850 Euro und Personen ohne abgeschlossene Ausbildung etwa 1400 Euro. Ohne diese Informationen waren nur 44 Prozent für Studiengebühren. Allerdings sind die meisten Befragten für nachgelagerte Kosten. Demnach befürworten knapp 60 Prozent nachgelagerte Gebühren, die später zurückgezahlt werden können.

Quelle: RP
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