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"Bildungsmonitor"
3,5 Milliarden Euro für Bildung und Integration nötig

Bildungsmonitor: 3,5 Milliarden Euro für Bildung und Integration nötig
Die Integration von jungen Flüchtlingen stellt auch Schulen vor eine riesige Aufgabe. FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Köln. Die Integration von Flüchtlingen sei die zentrale Herausforderung an Schulen und Universitäten, heißt es im neuen "Bildungsmonitor". Viele Bundesländer machten zuletzt aber eher Rückschritte. Auch NRW schneidet schlecht ab. Von Jan Drebes

Kaum eine Herausforderung dürfte für die deutschen Kindergärten, Schulen und Universitäten größer sein, als die hierher geflohenen Kinder und jungen Erwachsenen aufzunehmen. Um diese Aufgabe zu lösen, seien bereits im kommenden Jahr 3,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Ausgaben nötig. Das hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der von Unternehmen finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ermittelt. Im neuen "Bildungsmonitor" rechnen die Organisationen vor: 100.000 Kita-Plätze sind nötig, etwa 200.000 Schulplätze sowie bis zu 30.000 neue Lehrkräfte. Und rund 120.000 jugendliche Flüchtlinge auf eine Ausbildung vorzubereiten, würde allein 1,2 Milliarden Euro kosten.

Folgen teurer als Ausgaben

Doch die Autoren um den IW-Bildungsexperten Axel Plünnecke sind sich einig, dass sich derlei staatliche Mehrausgaben schon nach wenigen Jahren lohnen. Schließlich seien die Kosten einer gescheiterten Integration mittel- und langfristig erheblich teurer, etwa wegen hoher Ausgaben für Arbeitslosen- und Sozialhilfe.

Besorgniserregend sei aus ihrer Sicht jedoch, dass die Bundesländer zuletzt eher Rückschritte bei der Integration von Ausländern in das Bildungssystem gemacht hätten. So stieg dem aktuellen Bildungsmonitor zufolge die Schulabbrecherquote unter Ausländern innerhalb eines Jahres von 10,7 auf 11,9 Prozent. Dabei fußt die Studie zumeist auf Zahlen von 2014 und 2015. Die Massenmigration im vergangenen Jahr floss dem IW zufolge bei der Betrachtung noch nicht ein. Aber auch abgesehen von der Herausforderung der Flüchtlingsintegration sehen die Ökonomen Probleme, die die Landesregierung angehen müssten.

So übte der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr, Kritik an immer neuen "ideologisch motivierten Reformkatalogen" aller Regierungsparteien nach Landtagswahlen. Bei der erneuten Umstellung der Gymnasialzeit von acht zurück auf neun Jahre werde teilweise nicht einmal abgewartet, dass die Reform überhaupt greife, sagte Pellengahr und machte sich dafür stark, am G8-System festzuhalten. Demgegenüber zeigten gerade die Bundesländer die besten Ergebnisse, bei denen es "Kontinuität und klare Regeln" gebe, betonte er.

NRW nur auf Platz 14

So belegt der Studie zufolge Sachsen den ersten Rang im Bildungsvergleich der Länder. In zwölf Handlungsfeldern wie Schulqualität, Arbeitsmarktorientierung oder Ganztagsbetreuung schnitten die Sachsen am besten ab – wie schon beim vorangegangenen Bildungsmonitor 2013. Dahinter folgen Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. Jenseits der Top-5-Platzierten rückt das Feld dicht beisammen.

Nordrhein-Westfalen landet jedoch lediglich auf Platz 14 von 16. Zwar weise das bevölkerungsreichste Bundesland Stärken bei effizienten Bildungskarrieren und der Internationalisierung auf. So werden etwa nur wenige Schüler verspätet eingeschult, eine Minderheit muss eine Klasse wiederholen oder bricht eine Ausbildung vorzeitig ab. Auch werden überdurchschnittlich viele Schüler in Fremdsprachen unterrichtet. Bei der Qualität der Schulen, dem Betreuungsschlüssel zwischen Lehrkräften und Schülerzahl und deren Leistungen sehen die Bildungsexperten des Wirtschaftsinstituts jedoch erheblichen Nachholbedarf. Beispiel Lehrer-Schüler-Relation: 2014 betreute in den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I in NRW jeder Lehrer rechnerisch 14,7 Schüler. 2005 waren es mit 17,4 zwar noch mehr, dennoch belegt NRW in dieser Kategorie erneut den schlechtesten Platz.

"Enorme Anstrengungen"

Auch bei den Bildungsstandards konnten die Schulen in NRW nicht glänzen, lediglich die Stadtstaaten schnitten noch schlechter ab. Der Studie zufolge verfehlten 30,6 Prozent der Schüler in NRW die Mindeststandards der Kultusministerkonferenz für einen mittleren Abschluss bei einer Überprüfung im Jahr 2012 im Fach Mathematik.

Das NRW-Schulministerium entgegnete, dass die Auswahl der Indikatoren und ihre Gewichtung im Bildungsmonitor "leider vollkommen außer Acht" ließen, dass Nordrhein-Westfalen seit Jahren "enorme Anstrengungen" unternehme, um die Bildungschancen junger Menschen zu verbessern. So habe die Landesregierung den Etat des Ministeriums seit 2010 um rund 3,84 Milliarden auf rund 17,79 Milliarden im Haushaltsentwurf 2017 erhöht.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und das IW Köln beabsichtigen mit ihrem nunmehr 13. Bildungsmonitor vor allem, mehr Wettbewerb unter den Bundesländern im Bereich Bildung zu generieren. Es lohne sich, von guten Beispielen zu lernen, sagte INSM-Chef Pellengahr.

(dreb)
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