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Streit um die Papst-Entscheidung: Bischof Hanke attackiert Merkel

zuletzt aktualisiert: 04.02.2009 - 11:30

Eichstätt (RPO). Mit ihrer Zurechtweisung des Papstes will Angela Merkel Schaden von der christlich- jüdischen Verständigung abwenden. Doch die Einflussnahme der Bundeskanzlerin ist nicht unumstritten. Mehrere Kirchenvertreter meldeten sich nun zu Wort, die die Einflussnahme kritisierten.

Scharfe Kritik erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Es sei "unbegreiflich und empörend", wenn die Kanzlerin vom Papst klare Worte zum Holocaust fordere. Benedikt XVI. habe es in dieser Frage nie an Eindeutigkeit fehlen lassen. Der Bischof forderte die Politik auf, eindeutige Sachverhalte "ehrlich und ohne Polemik" zur Kenntnis zu nehmen.

Der Traditionalistenbischof Richard Williamson sei zwar nicht mehr exkommuniziert, aber weiterhin suspendiert. Williamson stehe mit seinen Äußerungen zum Holocaust konträr zur Position des Papstes und habe somit das theologische Ringen um die Wiedererlangung der Einheit schwer missbraucht, betonte Hanke.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sieht im Streit um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners und Bischofs der Piusbruderschaft, Richard Williamson, in die Kirche eine gegen Papst Benedikt XVI. gerichtete "Kampagne". Der Papst habe keinen Fehler gemacht, sagte er am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Er müsse sich daher nicht entschuldigen.

Auch der Papst-Bruder Georg Ratzinger zeigt sich verärgert über die anhaltende Kritik an Benedikt XVI. "Er braucht keine Verteidigung von mir. Aber es ärgert mich, wie unvernünftig und schlecht informiert viele Leute sind, die ihn jetzt angreifen", sagte der frühere Regensburger Domkapellmeister der "Leipziger Volkszeitung". Die pauschale Kritik am Papst zeige, wie ungerecht die Gesellschaft sein könne. "Wir sprechen immer von einer informativen Gesellschaft, in Wahrheit ist sie desinformiert."

Die öffentliche Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Papst habe ihn persönlich enttäuscht, sagte Ratzinger und fügte hinzu: "Ich habe sie immer als vernünftige Frau gesehen. Aber vielleicht steht sie momentan auch unter Druck, dass sie sich jetzt so äußert, wie sie es vernünftigerweise nicht machen würde."

Lob erhielt Merkel unterdessen vom Zentralrat der Juden. "Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Der Zentralrat strebe ein Gespräch mit dem Papst an. "Ich werde meinen Gremien vorschlagen, mit der Bischofskonferenz zusammen ein Gespräch mit dem Papst zu führen. Ich hoffe, dass dieses Signal gehört wird", sagte Kramer.

Am Dienstagabend hatte bereits Vatikan-Sprecher Federico Lombardi Merkels Forderung zurückgewiesen. Der Papst habe seine Meinung zum Holocaust mehrfach in voller Klarheit zum Ausdruck gebracht, zuletzt bei der Generalaudienz vor einer Woche, sagte Lombardi im Radio Vatikan. "Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen Positionen bezogen."

Merkel hatte zuvor eine Klarstellung des Papstes gefordert. Der Papst und der Vatikan müssten "eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf". Hier handele es sich aber um eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikan der Eindruck entstehen könnte, dass der Holocaust geleugnet werden dürfe. "Dass darf nicht im Raum stehenbleiben", betonte Merkel.

Benedikt XVI. steht in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Brite hatte in einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Interview behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden.

Quelle: DDP

 
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