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Ehrenmord: Bischof Huber verurteilt Sorgerechtsanspruch der Sürücüs

zuletzt aktualisiert: 19.04.2006 - 12:30

Berlin (rpo). Der Berliner Landesbischof Wolfgang Huber hat sich deutlich dagegen ausgesprochen, dass die Familie der ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü das Sorgerecht für den Sohn der Toten bekommt. Er sagte, man müsse davon ausgehen, dass die ganze Familie am Verbrechen beteiligt war.

Der Gedanke, dass erst die Mutter umgebracht werde und dann die Angehörigen das Sorgerecht beanspruchten, "ist ein derartiger Zynismus, dass mir die Worte fehlen", sagte Huber der "Bild"-Zeitung. Wichtig sei jetzt vor allem, dass der Junge unbelastet von diesen Vorgängen aufwachsen könne. Huber sagte, sein größter Respekt gelte der Pflegefamilie.

Zwei Brüder der Getöteten waren am vergangenen Donnerstag vom Berliner Landgericht aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes freigesprochen worden. Gegen den jüngsten, heute 20-jährigen Angeklagten, wurde wegen Mordes eine Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verhängt. Die 23-jährige Mutter eines fünfjährigen Sohnes war am 7. Februar vergangenen Jahres in Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden. Nach Überzeugung des Gerichts empfand der jüngste Bruder den westlichen Lebensstil der Schwester als "Kränkung der Familienehre".

Huber sagte, er sei "innerlich aufgewühlt und empört. Man müsse annehmen, dass es sich um ein kollektives Verbrechen einer ganzen Familie handele. Darauf antworte das individuelle Strafrecht in Deutschland nur sehr unzureichend. Der Landesbischof betonte, er habe aber Respekt vor der Justiz, die eindeutige Beweise brauche. Nachdem die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt habe, müsse man nun sehen, ob das Verfahren neu aufgerollt werde.

Der Bischof warnte jedoch vor einer pauschalen Bewertung des muslimischen Glaubens. Weder die Mordtat noch das Familienbild hingen zwangsläufig mit dem Islam zusammen. Die Christen müssten aber die Unterschiede deutlich beim Namen nennen und für ihre eigenen Werte überzeugend einstehen. "Dann könnte sich aus diesem schrecklichen Vorgang doch noch eine positive Entwicklung ergeben", betonte der Berliner Bischof.

Quelle: afp2

 
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