Nach Erik Breininger wird weiter gesucht: BKA: Video des deutschen Islamisten ist authentisch
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008 - 17:50 Frankfurt/Main (RPO). Das Bundeskriminalamt (BKA) hat das Video des deutschen Islamisten Erik Breininger untersucht und hält es für authentisch. Breininger kündigte in dem Video Anschläge an. Nach dem Islamisten wird weiterhin gefahndet.
Die Videobotschaft mutmaßlichen deutschen Terrorist Erik Breininger ist nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) authentisch. Nach einer ersten Auswertung geht man davon aus, dass es sich bei der gezeigten Person tatsächlich um Breininger handelt, erklärte eine BKA-Sprecherin. Zum möglichen Aufenthaltsort Breiningers äußerte sie sich nicht, verwies jedoch darauf, dass die Öffentlichkeitsfahndung bestehen bleibe. Erik Breininger wird steckbrieflich gesucht.
Außerdem geht das BKA davon aus, dass die Urheberschaft für das Video bei der Islamischen Dschihad Union (IJU) liegt. Die Website, auf der das Video veröffentlicht wurde, wurde auch in der Vergangenheit von der IJU genutzt, sagte die Sprecherin.
Breininger hatte sich am Dienstag mit einer Videobotschaft zu Wort gemeldet, in der er unter anderem erklärt hatte, dass er sich in Afghanistan befinde und persönlich keine Anschläge gegen die Bundesrepublik Deutschland plane.
Allerdings müsse Deutschland mit Anschlägen rechnen, weil Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und Usbekistan stationiert seien. Zöge die Bundeswehr ab, würde sich das Risiko verringern. Medienberichten zufolge sagte Breininger: "Das deutsche Volk muss sich an seine eigene Regierung wenden, wenn sie in Deutschland von Angriffen von Muslimen verschont bleiben wollen."
Breininger wird dem Umfeld der Sauerland-Gruppe zugerechnet, deren Anschlagspläne vor rund einem Jahr vereitelt wurde. Vor vier Wochen hatte das Bundeskriminalamt eine öffentliche Fahndung nach Breininger eingeleitet, weil es vermutete, er sei gemeinsam mit einem Freund auf dem Weg nach Deutschland. Am Wochenende hatte das BKA diese Bedenken jedoch widerrufen.
Experte vermutet Breininger in Afghanistan oder Pakistan
Der Terror- und Islamexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, geht davon aus, dass Breininger sich in Pakistan oder Afghanistan aufhält. Offenbar seien die vermeintlichen nachrichtendienstlichen Informationen der Behörden, denen zufolge er sich auf dem Weg nach Deutschland befinde, "bloße Gerüchte" gewesen, sagte Steinberg dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
Breininger habe eine Gelegenheit, mit einem simplen Video maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Er nutze dies, um seine Anliegen und die der Islamischen Dschihad Union vorzubringen: einen Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan und Usbekistan.
"Das Video dient der Propaganda der Islamischen Dschihad Union, aber auch der gezielten Werbung. Darauf weist die Erwähnung des Palästina-Themas hin. So gewinnt man arabische, insbesondere palästinensische Jugendliche für die Sache Breiningers und seiner Freunde", sagte Steinberg.
Die "Islamische Dschihad-Union" ist bereits in zwei anderen Fällen mit Bezug zu Deutschland in Erscheinung getreten: Im März sprengte sich der aus Bayern stammende Cüneyt C. im Namen der Organisation in Afghanistan in die Luft. Die drei im vergangenen Jahr im Sauerland verhafteten Bombenbauer sollen ebenfalls von Spitzenpersonal der Islamischen Dschihad-Union angeleitet worden sein.
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