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BND-Affäre
SPD erhöht Druck auf das Kanzleramt

Wer hört wen ab - und was man dagegen tun kann
Wer hört wen ab - und was man dagegen tun kann FOTO: dpa, Jens Büttner
Hamburg. Nachdem immer mehr Details zur BND-Spähaffäre bekannt werden, kommt langsam Bewegung in die Reihen der Verantwortlichen. Der Obmann des NSA-Untersuchungsausschusses, Christian Flisek, fordert jetzt Einsicht in die Suchparameter der Geheimdienste.

In der Affäre um mutmaßliche Spähaktionen des US-Geheimdienstes NSA und des Bundesnachrichtendienstes (BND) verstärkt die SPD den Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Kanzleramt müsse die Selektorenliste, also jene Suchparameter der NSA, die sich in der Zusammenarbeit mit dem BND gegen westliche Interessen richteten, "unverzüglich dem Ausschuss vorlegen", zitierte "Spiegel Online" am Mittwoch den Obmann der SPD im NSA-Untersuchungsausschuss, Christian Flisek.

"Mir ist in diesem Fall auch egal, wie das die USA sehen", fügte Flisek hinzu. Hier sei "die Kanzlerin in der Pflicht, eine eigene Entscheidung zu treffen".

Fotos: Der BND und seine Außenstellen FOTO: dpa, sja fdt

Bislang seien mit EADS und Eurocopter nur zwei konkrete Suchbegriffe der NSA bekannt. "Wir müssen aber das gesamte Ausmaß kennen", mahnte der SPD-Politiker an. Es handele sich hier "womöglich um eine neue Dimension des transatlantischen Vertrauensbruchs".

Die Bundesregierung verhandelt dem Bericht zufolge derzeit mit den USA darüber, ob sie die so genannten Selektoren - also etwa IP-Adressen oder Handynummern - dem Untersuchungsausschuss vorlegen kann. Im Rahmen der Zusammenarbeit in Bad Aibling hatte die NSA dem BND über Jahre jene Parameter geliefert, nach denen die Deutschen in ihren Datenbanken suchen sollten. Eine interne BND-Untersuchung hatte kürzlich ergeben, dass rund 40.000 dieser Selektoren gegen westeuropäische und deutsche Interessen verstoßen haben könnten.

Die MH17-Wrackteile auf dem Weg in die Niederlande FOTO: dpa, jol soe

Trotz jüngster Kritik an Ex-Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) sprach sich Flisek gegen eine vorzeitige Zeugenvernehmung des heutigen Bundesinnenministers aus. "Wir haben grundsätzlich beschlossen, dass alle Kanzleramtschefs seit 2002 als Zeuge geladen werden", sagte er. Er sei "aber dagegen, dass man Herrn de Maizière gleich in die nächste Sitzung zitiert". "Wenn ich ihn da habe, will ich auch wissen, worüber ich mit ihm konkret reden will. Deshalb sollten wir erst einmal den gesamten Sachverhalt so genau wie möglich aufklären", forderte Flisek.

(AFP)
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