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  Foto: ddp
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Gerhard Schröder: Bodyguard der Arbeiter

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008 - 12:21

Düsseldorf (RP). Der Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist wieder da. Nach Schlagzeilen als Putin-Freund und Gazprom-Vertrauter will er jetzt die Conti-Mitarbeiter vor der Schaeffler-Gruppe schützen. Das ist seine Parade-Rolle - nun als "Garantor".

Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat einen neuen Job. Im doppelten Sinn: Zum einen hat er seine aktuellen Zuverdienst-Quellen (Berater des Schweizer Ringier-Verlages, Aufsichtsrat einer deutsch-russischen Gaspipeline, Gastredner) um eine weitere ergänzt. Zum anderen ist auch der Job selbst neu. Schröder ist seit gestern ein „Garantor“.

Schröder als Schiedsrichter

So etwas gab es in der deutschen Wirtschaftswelt bisher noch nicht. Wie ein Schiedsrichter soll Schröder darüber wachen, dass die listige Milliardärs-Erbin Maria-Elisabeth Schaeffler am Ende ihres erfolgreichen Angriffs auf den hannoverschen Dax-Konzern die Continental-Belegschaft nicht doch noch ans Messer liefert.

Aber warum ausgerechnet Schröder? Warum ein ausgedienter „Instinktpolitiker“ mit Hang zu „Shownummern“ ("Süddeutsche Zeitung")? Warum dieser Schlag ins Gesicht von Christian Wulff (CDU), der als Ministerpräsident im Continental-Land Niedersachsen doch eine viel näherliegende Besetzung für das Amt gewesen wäre? Und wozu braucht man überhaupt einen „Garantor“?

Dramatischer Wirtschaftskrimi

Die Antworten liegen in der Dramatik eines Wirtschaftskrimis, in dem zum ersten Mal in der deutschen Geschichte ein Familienunternehmen einen Dax-Konzern übernehmen wird: Nach seiner verbissenen Abwehrschlacht gab der hannoversche Autoteile-Bauer Continental Ende dieser Woche auf. Die drei Mal kleinere Firmengruppe der fränkischen Milliardärs-Erbin Maria-Elisabeth Schaeffler wird Continental in wenigen Monaten beherrschen.

Garantie für Conti

Aber bevor er sich der trickreichen Angreiferin ergab, rang Conti-Chef Manfred Wennemer den Franken einen Korb voll Zugeständnisse ab: Schaeffler darf Conti nicht zerschlagen, der Firmensitz bleibt in Hannover und die Privilegien der Conti-Belegschaft dürfen auf Jahre nicht angetastet werden.

Kurzum: Conti wird zwar übernommen, kommt aber mit einem blauen Auge davon. Die Erleichterung ob dieser Friedensangebote passt aber weder zu der abgebrühten List, mit der Schaeffler ihren Widersacher Wennemer am Ende überrumpelt hat. Noch zu den giftigen Verbal-Attacken, mit denen Wennemer öffentlich darauf reagiert hat. Deshalb ist das Misstrauen groß.

Beruhigung für Mitarbeiter

„Diese Garantor-Sache ist ein Signal, dass die Conti-Mitarbeiter beruhigen soll“, sagte gestern Ulrich Hocker, Hautptgeschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Eine juristische Funktion habe das Amt nicht. „Schröder bezieht seine Autorität dabei vor allem überseine anerkannte und vertrauenswürdige Persönlichkeit als ehemaliger Bundeskanzler“, so der Aktienprofi.

Was auch erklärt, warum Wulff bei der Besetzung des prestigeträchtigen Amtes leer ausging: Schon in seiner Zeit als Kanzler hat Schröder sich gerne publikumsträchtig vor bedrohte Konzernbelegschaften geworfen. 1999 etwa, als der Baukonzern Holzmann vor der Pleite stand, überredete der Sozialdemokrat die Banken zum Weitermachen.

Shownummer Holzmann

Und ließ sich dafür vor laufenden Fernsehkameras von ein paar Tausend Holzmann-Bauarbeitern feiern. 2002 versprach er der maroden Mobilcom AG staatliche Hilfe. Eine Woche später gewann er mit hauchdünner Mehrheit eine Bundestagswahl. Und als Conti in den 1990ern schon einmal Ziel einer feindlichen Übernahme werden sollte – damals durch die italienische Pirelli – schmiedete Schröder um die NordLB herum eine Art „weißen Ritter“, der die Attacke abgewehrt hat.

Schröder als Bodyguard, der die deutschen Arbeiter vor den Stürmen der rauhen Wirtschaftswelt beschützt. Diese Rolle gefiel dem einstigen Hilfsarbeiter stets. Offenbar zieht er sie auch heute noch dem politischen Ruhestand in seinem hannoverschen Reihenhaus vor.

Erfolg ist zu wünschen

Den Conti-Mitarbeitern ist zu wünschen, dass er seinen Geleitschutz diesmal auch zu langfristigem Erfolg führen kann. Denn Holzmann ging bekanntlich nur zwei Jahre später trotzdem Pleite. Und Mobilcom wurde inzwischen vom Konkurrenten Freenet übernommen.

Quelle: RPMANTEL

 
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