Festnahme von Islamisten: Bombenattentate mit vielen Toten geplant
zuletzt aktualisiert: 05.09.2007 - 15:28Karlsruhe (RPO). Die drei festgenommenen Terrorverdächtigen planten nach Angaben der Bundesanwaltschaft massive Bombenanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland. Es sei gelungen, eine der bisher schwerwiegendsten Terrorplanungen zu verhindern. Gegen einen Festgenommenen ist Haftbefehl erlassen worden.
Das Bundeskriminalamt (BKA) habe monatelang mit mehreren Landeskriminalämtern und der Bundesanwaltschaft ermittelt. Die drei Männer sollen am Dienstag mit dem Bau der Sprengsätze begonnen haben. Sie seien bereits im Besitz militärischer Zünder gewesen, als Spezialeinheiten der Polizei am Dienstag in einer Ferienwohnung im Hochsauerlandkreis spontan zuschlugen. Offenbar wollten die Verdächtigen ihr Versteck aufgeben, nachdem sie in eine zufällige Autokontrolle geraten und dadurch verunsichert worden waren.
Im Visier der Verdächtigen waren laut den Ermittlern von US-Bürgern besuchte Einrichtungen wie Discos, Pubs und Flughäfen. Konkrete Anschlagsziele wollte die Generalbundesanwältin nicht nennen. Bei den Anschlägen sollte es jedoch viele Tote und Verletzte geben. Autobombem sollten möglicherweise an mehreren Orten gleichzeitig explodieren. Harms sagte, die zwei Deutschen sowie der Türke seien im vergangenen Jahr in Pakistan ausgebildet worden.
Zwischen Februar und August 2007 habe einer der Beschuldigten nach und nach zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilogramm 35-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung im Raum Hannover beschafft und diese Fässer im Raum Freudenstadt in einer Garage zwischengelagert. Zum Zeitpunkt der Festnahme hätten sich die Verdächtigen an die Aufbereitung des Wasserstoppferoxids begeben. Einem der Männer sei laut Bundeskriminalamt die Flucht durch das Badezimmerfenster gelungen. Er konnte den Angaben zufolge jedoch nach 300 Metern gestoppt werden.
Dabei hat es offensichtlich eine Panne gegeben: Der Mann habe einem Beamten des Bundeskriminalamtes eine Waffe aus dem Holster ziehen können, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke. Aus der Waffe habe sich ein Schuss gelöst. Der Verdächtige und der Polizist seien leicht verletzt worden. Über den genauen Ablauf des Kampfes gebe es widersprüchliche Aussagen, sagte der Behördenpräsident.
Die Tatverdächtigen sollen den Ermittlungen zufolge Mitglieder der terroristischen islamischen Dschihad-Union sein. Im Dezember 2006 habe einer der Festgenommenen zwei US-Kasernengebäude im hessischen Hanau als potenzielles Anschlagsziel ausgespäht. Dies habe das Bundesamt für Verfassungsschutz festgestellt, berichtete Harms.
Am 17. August hätten die Verdächtigen ein Ferienhaus im Sauerland angemietet und dort mit der Herstellung von Sprengstoff begonnen. Die Wirkung hätte laut Harms den Effekt von 550 Kilogramm TNT gehabt. Die Auswirkungen wären verheerender als gewesen als bei den Bombenanschlägen auf Züge in Madrid, sagte Jörg Ziercke, der Chef des Bundeskriminalamtes.
Durch die Festnahme seien massive Bombenschläge verhindert worden. "Heute ist aus unserer Sicht daher ein guter Tag für die Sicherheit in Deutschland", sagte Harms am Mitwoch in Karlsruhe.
Alle drei Festgenommenen hätten in Pakistan eine terroristische Schulung durchlaufen. Die islamische Dschihad-Union sei eine in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung. Dem festgenommenen Kern der Gruppe würden noch weitere Verdächtige zugerechnet. In mehreren Bundesländern seien "41 Objekte" durchsucht worden, teilte der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, mit. Ziercke betonte mit Blick auf die Gefahr von Terroranschlägen: "Zur Entwarnung besteht leider kein Anlass. Wir müssen auch weiterhin in Deutschland sehr aufmerksam sein."
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat noch für Freitag eine Sondersitzung der Innenministerkonferenz angeregt. Dabei solle über die Konsequenzen aus der Festnahme von drei Terrorverdächtigen und der damit verbundenen Vereitelung von Bombenanschlägen beraten werden, sagte Schäuble am Mittwoch in Berlin. Er lobte die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden bei der Festsetzung der Terrorverdächtigen. Die islamische Dschihad-Union, zu der die Festgenommenen gehörten, arbeite "eng mit dem Al Qaida-Netzwerk zusammen". Die Anschlagsplanungen seien jedoch "nicht in ein wirklich gefährliches Stadium geraten".
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