CDU-Politiker und Euro-Rebell: Bosbach spricht über "schwerste Momente"
zuletzt aktualisiert: 05.10.2011 - 13:39Hamburg (RPO). CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach hat in der vergangenen Woche nach eigener Aussage die "schwersten Momente" seiner politischen Karriere erlebt. In einem Interview äußert sich der Euro-Abweichler über die Vorkommnisse in den letzten Tagen und lässt die Frage nach seinem politischen Rückzug weiter offen. Bosbach spricht auch über seine Krebserkrankung.
"Man denkt: Eigentlich hast du alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber jetzt habe ich Dinge erlebt, die ich nie erleben wollte", sagte der Politiker in einem einem Interview mit dem "Stern".
Vor der Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm im Bundestag sah sich der CDU-Politiker dem Unmut seiner Parteikollegen und wüsten Beschimpfungen seitens des Kanzleramtsministers Ronald Pofalla ausgesetzt.
Parteistreit "nicht gesundheitsfördernd"
Bosbach stimmte gegen den Kurs seiner Partei und soll deshalb Worte wie "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen" und ähnliche ausfällige Bemerkungen von Pofalla kassiert haben. "Gesundheitsfördernd ist das alles nicht", kommentierte der an Krebs erkrankte Politiker die Vorfälle in der vergangenen Woche.
Seit 1994 sitzt er zwar im Bundestag, trotzdem erwägt Bosbach, 2013 nicht mehr zu kandidieren. "Die Chancen stehen bestenfalls 50:50. Ich mache das von der Entwicklung der nächsten Monate abhängig", sagte der Familienvater aus Bergisch Gladbach in dem Interview.
Für Bosbach handelte es sich dabei um "üble Nachrede", weil ihm von Parteikollegen unterstellt wurde, er habe aus Frust darüber gehandelt, dass er 2005 nicht Innenminister geworden sei. "Dass sich ein Politiker seinen Frust nach sechs Jahren auf Wiedervorlage legt, ist so was von abwegig", sagte Bosbach.
Bosbach will kein "Problembär" sein
Auch das Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur Sprache. Bosbach zeigte sich "gerührt" darüber, dass sich die Kanzlerin nach einer Operation an seinem Krankenbett gestanden habe. "Wir duzen uns seit vielen Jahren. Deswegen überlegt man: Denkt sie jetzt, warum tut der mir das an?", zeigte sich Bosbach besorgt.
Nach der Abstimmung hatten sich Merkel und Bosbach zu einem Gespräch im Kanzleramt verabredet. "Ich will nicht der Problembär, ein Störfall der Fraktion sein. Nur ein guter Kollege", sagt der CDU-Politiker.
In dem Interview redet Bosbach auch offen über seine Krebserkrankung. "Man geht davon aus, dass der Tumor schnell größer wird." Er denke über alternative Heilmethoden jenseits der klassischen Schulmedizin nach. Angst vor dem Tod habe er aber nicht.
"Wenn der kommt, bin ich ja weg. Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe eher Angst vor dem Sterben, wenn es mit Siechtum, Schmerzen und Leiden verbunden ist", sagte Bosbach.
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