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Michael Offer legt sein Amt nieder
  Foto: dapd, dapd
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Nach dem Rücktritt von Sprecher Offer: Breite Kritik an Schäubles Reaktion

zuletzt aktualisiert: 09.11.2010 - 22:01

Berlin (RPO). Nach dem Rücktritt von Michael Offer, Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), wird der Minister von anderen Politikern für sein Verhalten kritisiert. Nach einer öffentlichen Schelte durch seinen Dienstherrn Schäuble hatte Offer am Dienstag den Dienst quittiert.

Der seit einem Attentat vor 20 Jahren querschnittsgelähmte Schäuble hatte seinen Sprecher in aller Öffentlichkeit rüde zurechtgewiesen und war ihm über den Mund gefahren. Der Minister hatte die Pressekonferenz zur Steuerschätzung am 4. November schließlich aus Unzufriedenheit darüber verlassen, dass den rund 50 Journalisten die neue Prognose noch nicht schriftlich vorlag. 

Der 51 Jahre alte Haushaltsexperte Offer hatte daraufhin erklärt, er sehe keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, und um seine Versetzung gebeten. Schäuble ließ dazu am Dienstag in Berlin mitteilen: "Diesem Wunsch habe ich heute entsprochen."

"Das Wort Entschuldigung nicht über die Lippen gebracht"

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei über Schäubles Verhalten auf der Pressekonferenz erstaunt gewesen. Offensichtlich herrsche in der Bundesregierung und im Finanzministerium "allergrößte Nervosität". Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, erklärte: "Es spricht für den bisherigen Sprecher des Bundesfinanzministeriums, dass er die Konsequenzen zieht, nachdem Wolfgang Schäuble das Wort Entschuldigung nicht über die Lippen brachte."

Derweil bemüht sich die Koalition um Schadensbegrenzung. Der Minister habe einen schlechten Tag gehabt, die mediale Aufmerksamkeit für das Ereignis sei überzogen, heißt es mancherorts im Regierungsviertel. Merkel ließ erklären, sie habe keine Zweifel an der Personalführungsqualität ihres Ministers. Von "großem gegenseitigem Respekt" bei der Zusammenarbeit schwärmte Unions-Parlamentsgeschäftsgeführer Peter Altmaier, der mit Schäuble früher im Bundesinnenministerium zusammengearbeitet hatte.

Journalistenverband findet Bloßstellung empörend

Der Deutsche Journalisten-Verband bedauerte Offers Rücktritt. Vorsitzender Michael Konken sagte: "Die Bloßstellung Offers durch Schäuble ist nicht nur illoyal, sondern auch empörend."

Karriere-Coach Volker Kitz, Autor des Buches "Ohne Chef ist auch keine Lösung", sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", die Unbeherrschtheit Schäubles falle auf ihn selbst zurück. "Die meisten, die sich das Video der Pressekonferenz ansehen, lachen über Wolfgang Schäuble und nicht über seinen brüskierten Pressesprecher." Ein guter Chef kritisierte seinen Mitarbeiter nur im Vier-Augen-Gespräch.

Die Dramaturgie einer öffentlichen Demütigung

Schäuble hatte jedoch in aller Öffentlichkeit gewettert und Einwände seines Sprechers mit den Worten gekontert: "Reden Sie nicht, sondern sorgen Sie dafür, dass die Zahlen verteilt werden." Als er später ohne Offer wieder zur Konferenz kam, legte Schäuble nach: "Wir warten noch, bis der Herr Offer da ist, er soll den Scherbenhaufen selber genießen."

Das Video der Pressekonferenz wurde ins Internet gestellt und bis Dienstagnachmittag mehr als 325.000 mal auf YouTube angeklickt. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, Offer werde auch künftig für das Ministerium arbeiten, allerdings in anderer Funktion. Offer war bislang Leiter der Kommunikation.

In einem Brief an Schäuble erklärte Offer, ihm sei nach der Pressekonferenz deutlich geworden, dass er nicht das volle Vertrauen des Ministers habe. "Ich erkläre daher meinen Rücktritt als Ihr Sprecher und bitte um Zuweisung einer neuen Aufgabe", schrieb er. Der Minister dankte Offer ausdrücklich "für seinen unermüdlichen Einsatz und für seine Loyalität".

Quelle: apd/AFP/top

 
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