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Gipfel der Mächtigen in Davos: Brüderle fordert Signal zum Aufbruch

VON JAN DIRK HERBERMANN UND BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 26.01.2011 - 07:19

Genf/Berlin (RP). Mit Merkel, Brüderle, Schäuble, von der Leyen und zu Guttenberg ist das Bundeskabinett auf dem Weltwirtschaftsforum so gut vertreten wie selten. Der Wirtschaftsminister trifft morgen zum Auftakt in den Schweizer Alpen 36 Topmanager der deutschen Wirtschaft zu einem "Arbeitsfrühstück".

Wirtschaftsminister Brüderle ist wegen seiner Äußerungen zum Atomausstieg in die Kritik geraten.  Foto: AP, AP
Wirtschaftsminister Brüderle ist wegen seiner Äußerungen zum Atomausstieg in die Kritik geraten. Foto: AP, AP

Hoch, höher, Davos: Wenn der deutsche Professor Klaus Schwab zum alljährlichen Weltwirtschaftsforum in die Schweizer Alpen lädt, macht sich die Crème de la Crème aus Politik und Wirtschaft auf in das nur mühsam erreichbare Luxusstädtchen. Geradezu überwältigend ist in diesem Jahr die Präsenz deutscher Politiker: Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollen sich in Davos Finanzminister Wolfgang Schäuble, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Szene setzen.

Nicht nur die Bundesregierung ist in Rekordstärke unterwegs, auch China und Indien sind so stark vertreten wie nie zuvor. "Gemeinsame Normen für eine neue Realität" lautet das Motto des Treffens – damit ist vor allem der unaufhaltsame Aufstieg dieser großen Schwellenländer gemeint. Die Welt befinde sich in einem "Zeitalter der Post-Globalisierung", die Macht habe sich von West nach Ost, von Nord nach Süd verlagert, meint Schwab. Viele Entscheider agierten nicht mehr, sondern könnten nur noch reagieren "wie eine Feuerwehr".

Brüderle, der heute nach Davos reist, ist optimistischer. Er glaubt unverdrossen an die Steuerbarkeit globaler Prozesse. "Nach der Finanzkrise, der im letzten Jahr auch in Davos viele ratlos gegenüberstanden, sollten wir den Gipfel in diesem Jahr nutzen, um gemeinsam ein Signal des Aufbruchs zu senden", sagte Brüderle unserer Zeitung. "Wir müssen jetzt alle gemeinsam dafür sorgen, dass der weltweite Aufschwung weitergeht." Jeder solle "seine Hausaufgaben machen, damit exzessive Staatsverschuldung, Währungskonflikte und protektionistische Versuchungen das weltweite Wachstum nicht gefährden", sagte der Minister.

Für morgen hat Brüderle 36 Topmanager zu einem "Arbeitsfrühstück" eingeladen. Mit von der Partie werden unter anderen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, RWE-Chef Jürgen Großmann und Metro-Chef Eckhard Cordes sein.

Eröffnet wird das 41. Weltwirtschaftsforum (WEF) heute wie geplant vom russischen Präsidenten Dimitri Medwedew. Zunächst hatte es geheißen, Medwedew verschiebe seinen Auftritt wegen des Terroranschlags in Moskau. Als ranghöchster Vertreter der US-Delegation wird Finanzminister Timothy Geithner die Interessen Washingtons verteidigen. Doch wie beim ersten WEF in den 70er-Jahren gilt: Das Forum kann keine Entscheidungen für den Globus fällen. WEF-Gründer Schwab will seinen Gästen vielmehr eine Arena bieten, in der sie Argumente austauschen. Und sie sollen den "Geist von Davos" spüren – jenes Gefühl, zu den wirklich wichtigen Menschen zu zählen.

Laut Schwab dominieren Asien, China und Indien die "neue Realität" – egal ob in der Weltbank, im Weltwährungsfonds (IWF) oder in der Welthandelsorganisation (WTO). Vorbei sind die Zeiten, in denen Weltbank, IWF und WTO Europäern und Amerikanern als Instrumente dienten, ihre Vormachtstellung zu behaupten. Längst hat sich China auf Platz zwei der größten Ökonomien vorgekämpft. WEF-Experten betonen: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis China auch die USA vom Thron stoßen wird.

Dass China auch beim WEF den Ton angibt, räumte Schwab indirekt ein. Er will das Forum, das traditionell Ende Januar beginnt, künftig um eine Woche vorziehen: "Wir haben in der Vergangenheit oft viele Absagen aus China bekommen, weil der Termin zu nah am chinesischen Neujahrsfest liegt."

Aus ausländischen Konzernen machen sich unter anderem Computerkönig Michael Dell oder Carlos Ghosn von Renault-Nissan auf den Weg. Insgesamt geben sich 1400 Topmanager die Klinke in die Hand. Für viele heißt Davos schlicht Business: Hier fädeln sie Deals ein, die ihren Firmen Millionengewinne bescheren. "Klar, wenn so viele Manager zusammenkommen, kommen Deals dabei herum", so ein Teilnehmer. "Auch das gehört zum Geist von Davos."

Quelle: RP

 
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