Vor ehemaligem Regierungssitz: Büste von Rau wird in Düsseldorf aufgestellt
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 16.01.2007 - 07:10Düsseldorf (RP). Vor der Villa Horion - von 1960 bis 1999 Sitz der NRW-Regierungschefs - soll in Kürze eine Büste von Johannes Rau aufgestellt werden. Der einstige Ministerpräsident hat dort 20 Jahre lang gewirkt.
Das Knarzen der schweren Eichentreppe störte Ministerpräsident Johannes Rau nicht. Auf rotem Teppich schritt er bedächtig nach unten, um Besucher zu empfangen oder eine Presseerklärung abzugeben. Im Hintergrund dämpfte dunkle Holzvertäfelung das Licht; an den Wänden Ölporträts seiner Vorgänger im Amt.
Rau fühlte sich wohl in „seiner“ alt-ehrwürdigen Villa Horion, die seit 1960 Sitz der nordrhein-westfälischen Regierungschefs war. Ganz anders sein ungeduldiger Nachfolger Wolfgang Clement. Kaum im Amt, kündigte er seinen Umzug und den seiner 350-köpfigen Staatskanzlei in ein neues, lichtdurchflutetes Hochhaus („Stadttor“) an. Eine Symbolhandlung, die weithin sichtbar machen sollte, dass in NRW ein neues politisches Zeitalter angebrochen sei: Transparenz statt Mief, Plüsch und Holzverkleidung. Der Einzug erfolgte im März 1999; der Mietvertrag läuft 30 Jahre.
Seit Jahren steht die aufwändig renovierte Villa Horion, die aus dem Jahr 1911 stammt und den Namen des früheren Landeshauptmanns der Rheinprovinz, Johannes Horion, trägt, dem Petitionsausschuss des Landtags zur Verfügung. Damit werde die schmucke Immobilie unter Wert genutzt, wenden Kritiker ein. Tatsächlich gab es Pläne, sie als Begegnungsstätte einer „Parlamentarischen Gesellschaft“ zu nutzen. Doch daraus wurde nichts - zu teuer. Nur einmal noch wurde die Villa seit dem spektakulären Auszug Clements politisch aufgeladen: CDU und FDP führten dort nach der Landtagswahl 2005 ihre Koalitionsverhandlungen.
Ein Jahr nach dem Tod von Rau setzt sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers jetzt dafür ein, dass die Landeshauptstadt Düsseldorf eine Rau-Büste bekommt. Sie wurde von privater Seite in Auftrag gegeben und soll nach Absprache insbesondere mit der Witwe Christina Rau vor der Villa Horion aufgestellt werden. Zum Todestag von Rau am 27. Januar wird dies noch nicht möglich sein, da die Büste noch künstlerisch in Arbeit ist. Genannt wird ein Termin im Frühling.
Auf diese Weise kehrt Johannes Rau demnächst dorthin zurück, wo er 20 Jahre lang (1978-1998) als Regierungschef des Landes gewirkt hat. Hier empfing er hohe Staatsgäste und ganz „normale“ Besucher, unterschrieb Dokumente und verfasste eigenhändig Briefe. Von hier aus gratulierte er Jubilaren unverhofft. „Hier ist Johannes Rau“, meldete er sich am Telefon und genoss die freudig-verdutzte Schrecksekunde am anderen Ende der Leitung.
Unter der Rheinknie-Brücke, einen Steinwurf von der Villa Horion entfernt, hat sich 1997 das Varieté-Theater „Apollo“ niedergelassen. Es war Rau, der seinen Freund Bernhard Paul, den Direktor des Zirkus „Roncalli“, bei diesem architektonisch ungewöhnlichen Projekt maßgeblich unterstützt hatte. Ein bisschen Eigennutz für die Familie war auch dabei: Damals wollte Raus Sohn Philip Immanuel noch unbedingt zum Zirkus.
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