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Thilo Sarrazin lästerte über Hauptstädter: Bundesbank distanziert sich von Berlin-Schelte

zuletzt aktualisiert: 30.09.2009 - 20:23

Berlin (RPO). Die Deutsche Bundesbank hat sich von einem Interview ihres Vorstandes Thilo Sarrazin distanziert. Der frühere Berliner Finanzsenator und heutige Bundesbanker äußert sich in der Kulturzeitschrift "Lettre International" abfällig über vermeintliche Eigenschaften der Berliner und deren Fähigkeit zur Bewältigung wirtschaftlicher Probleme.

Thilo Sarrazin ist bekannt für eigenwillige Querschüsse.   Foto: ddp, ddp
Thilo Sarrazin ist bekannt für eigenwillige Querschüsse. Foto: ddp, ddp

Sarrazin war bereits in der Vergangenheit mit bissigen Kommentaren aufgefallen. Das fünfseitige Interview erscheint am Donnerstag in der aktuellen Ausgabe der Kulturzeitung.

Sarrazin spricht in ihr unter anderen von "etwa 20 Prozent der Berliner Bevölkerung", die ökonomisch "nicht gebraucht werden": "Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel." Es werde sich vermutlich keine Perspektive entwickeln. Das gelte auch für eine deutsche Unterschicht.

Berlin könne niemals von Berlinern gerettet werden, sagt Sarrazin. Es gebe ein schlechtes Schulsystem und als "belastende Komponenten" die 68er-Tradition und den "Westberliner Schlampfaktor". Politisch sei Berlin "eher plebejisch und kleinbürgerlich" aufgestellt und habe keine gute Verwaltung.

"Die Medien sind orientiert auf die soziale Problematik, aber türkische Wärmestuben können die Stadt nicht vorantreiben", sagte der Ex-Senator der "Lettre". Nichtleistungsträgern müsse "vermittelt" werden, dass sie "ebenso gern woanders nichts leisten können". Er würde einen völlig anderen Ton anschlagen und sagen: "Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen."

Die Bundesbank erklärte, sie distanziere sich "entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen" Sarrazins. Die Ansicht der Bundesbank würden darin nicht widergegeben. Das Interview stehe auch "in keinerlei Zusammenhang mit den Aufgaben von Dr. Sarrazin bei der Bundesbank."

Der Berliner CDU-Landeschef Frank Henkel reagierte auf Sarrazins Äußerungen mit Ironie. Es sei "interessant", wie Sarrazin über jene Stadt urteile, von deren Steuergeldern er jahrelang gelebt habe. Zwar liege Sarrazin mit seiner "Analyse gesellschaftlicher Fehlentwicklungen" nicht falsch. Gleichwohl stelle sich die Frage, warum gerade Sarrazin mit dem rot-roten Senat "Bildungsstrukturen zerschlagen und Zukunftsinvestitionen gedrosselt" habe.

Quelle: DDP/csi

 
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