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Berlin-Schelte mit Konsequenzen: Bundesbankchef legt Sarrazin Rücktritt nahe

zuletzt aktualisiert: 03.10.2009 - 10:56

Istanbul (RPO). Bundesbank-Präsident Axel Weber hat seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin wegen dessen umstrittener Äußerungen über das Zuwanderermilieu Berlins persönliche Konsequenzen nahegelegt. Weber deutete an, der ehemalige Finanzsenator Berlin habe dem Ansehen der Bank geschadet.

Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sorgt regelmäßig mit überspitzten Äußerungen für Empörung. Foto: AP, AP

"Es geht hier nicht um Personen", sagte Weber am Samstag am Rande der IWF-Herbsttagung in Istanbul. "Es geht um Institutionen. Die Bundesbank ist eine in Deutschland mit hohem Ansehen verbundene Institution", betonte er.

Jeder, der darin eine Funktion habe, müsse "sich seiner Verantwortung für diese Institution und für ihr entsprechendes Standing in der deutschen Öffentlichkeit bewusst sein", fügte der Bundesbank-Präsident hinzu. Jeder müsse also "mit sich selbst ins Gericht gehen", ob sein Handeln zur Förderung dieser Institution beitrage oder nicht.

"Ich sehe schon, dass hier ein Reputationsschaden entstanden ist", sagte Weber mit Blick auf Sarrazins Äußerungen. Es gelte nun, diesen Schaden zu reparieren. Er verwies darauf, dass sich Sarrazin von seinen Äußerungen distanziert und entschuldigt habe.

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Gegenwind auch aus der SPD

Aus der SPD wurde der Ruf nach Konsequenzen laut. So forderte die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl ein Parteiausschlussverfahren gegen den früheren Berliner SPD-Finanzsenator. "Nach diesen Äußerungen ist Thilo Sarrazin in der Sozialdemokratie untragbar", sagte sie unserer Zeitung. "Die Parteigliederung, bei der Herr Sarrazin Mitglied ist, sollte ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn einleiten", erklärte Högl weiter.

Diese Entschuldigung Sarrazins nannte Weber notwendig und angemessen. Weber sprach dennoch insgesamt von einer "bedenklichen Entwicklung" für die Bundesbank, die ihr geschadet habe. Dieses Verhalten sei nicht mit dem Verhaltenskodex der Deutschen Bundesbank vereinbar.

Sarrazin hatte im Gespräch mit der Berliner Kulturzeitschrift "Lettre International" unter anderem eine mangelnde Integration vor allem von Türken und Arabern in Berlin kritisiert. Zudem betonte er, andere Migrantengruppen wie Vietnamesen oder einige Osteuropäer hätten weniger Sprachprobleme und integrierten sich besser.

Zugleich hatte Sarrazin zum Rundumschlag gegen seine frühere Wirkungsstätte ausgeholt: Berlin sei insgesamt belastet durch zwei Faktoren: "der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden", sagte Sarrazin in dem Interview.

Der 64-jährige ist seit dem 1. Mai im Bundesbank-Vorstand und dort zuständig für Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Zuvor war er sieben Jahre Finanzsenator in Berlin und verpasste der hoch verschuldeten Hauptstadt einen rigiden Sparkurs. Schon in dieser Zeit war er mit provokanten Äußerungen aufgefallen.

Quelle: RTR/csi

 
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