Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
           
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Rheinische Post Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Panorama DEU Schweiz Steuer Verbrechen
  Foto: AP, AP
Kommentare ()

Fiskalpakt-Streit mit der Schweiz: Bundesfinanzminister kämpft um das Steuerpakt

VON BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 03.04.2012 - 12:22

Berlin (RP). Das Abkommen zur Besteuerung deutscher Schwarzgelder soll trotz des Widerstands der SPD-Bundesländer in das Gesetzgebungsverfahren gehen. Der Bundesfinanzminister setzt auf das Einlenken des Bundesrats nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Foto: dpa, Tim Brakemeier
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Foto: dpa, Tim Brakemeier

Das geplante Abkommen mit der Schweiz über die Besteuerung deutscher Schwarzgelder wird nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) trotz aller Kritik von SPD und Grünen Bundestag und Bundesrat passieren. "Wir setzen darauf, dass sich die Länder das Abkommen ganz unemotional nach den Landtagswahlen anschauen werden", sagte Schäubles Sprecher Martin Kott-haus. "Wir hoffen, dass auch der Bundesrat anerkennt, dass dies ein gutes Abkommen ist." In Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein wird im Mai gewählt.

Der bilaterale Staatsvertrag regelt die Besteuerung deutscher Vermögen auf Schweizer Konten. Nach Schätzungen haben Bundesbürger bei den Eidgenossen zwischen 130 und 200 Milliarden Euro deponiert, viele von ihnen umgehen den deutschen Fiskus. Mit dem Abkommen sollen bisher illegale Vermögen legalisiert werden und die Steuersünder der strafrechtlichen Verfolgung entgehen.

Einmalzahlung von zehn Milliarden Euro?

Für in der Vergangenheit entgangene Einnahmen soll dem Abkommen zufolge das vorhandene Vermögen pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden. Schäuble rechnet mit einer Einmalzahlung von zehn Milliarden Euro, sieben Milliarden sollen den Ländern zufließen. Künftige Kapitalerträge sollen wie in Deutschland mit 26,375 Prozent besteuert werden. Daraus erwartet Schäuble Einnahmen von 750 Millionen pro Jahr.

Aus Sicht von SPD, Grünen und Linkspartei kommen vermögende Steuersünder damit immer noch zu glimpflich davon. Sie wollen Steuerhinterzieher auch künftig strafrechtlich verfolgen können und setzen daher auf den Ankauf neuer geheimer Kundendaten aus der Schweiz. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) kündigte an, auch künftig Steuer-CDs aus dem Ausland zu kaufen. Dies würde das bereits ausgehandelte Abkommen allerdings ausschließen: Deutschland sichert darin zu, nach Inkrafttreten am 1. Januar 2013 keine geheimen Informationen mehr zu erwerben.

Der Streit mit der Schweiz war am Wochenende eskaliert, nachdem bekannt wurde, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft Haftbefehle gegen drei Steuerfahnder aus NRW erlassen hat. Man habe einen konkreten Verdacht, dass die drei Beamten Aufträge zum Ausspionieren der Kundendaten der Großbank Crédit Suisse erteilt hätten, erklärte der Schweizer Bundesanwalt. Beihilfe zur Wirtschaftsspionage sei in der Schweiz strafbar. Das entsprechende Rechtshilfeersuchen sei bereits am 20. März bei deutschen Behörden eingegangen, erklärte gestern das Bundesjustizministerium.

Schäuble hatte am Wochenende gesagt, in der Schweiz würden andere Regeln gelten als in Deutschland. Auch gestern wollte sich sein Sprecher nicht explizit hinter die drei Steuerbeamten stellen. Vielmehr verwies er darauf, dass der Abschluss des Abkommens sämtlichen Streit zwischen beiden Staaten beilegen würde. Auch die in der Schweiz eingeleiteten Ermittlungen wären dann erledigt.

SPD und Grüne verstärkten daraufhin ihre Kritik an Schäuble. "Offenbar hat der Finanzminister die Dimension des Konflikts noch nicht erfasst. Anstatt Verständnis für die Schweizer Position zu äußern, erwarte ich eine glasklare Stellungnahme, wie Schäuble die Dinge aus der Sicht des deutschen Rechtsstaatsverständnisses sieht", sagte SPD-Politiker Joachim Poß.

Die Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Birgit Reinemund (FDP), forderte dagegen ein Ermittlungsverfahren gegen NRW-Finanzminister Walter-Borjans als Dienstherrn der Fahnder. "Wenn es in der Schweiz Anhaltspunkte für den Verdacht der Beihilfe zur Spionage gibt, müsste auch in Deutschland ermittelt werden, und zwar gegen die politischen Verantwortlichen in NRW", sagte Reinemund.

Quelle: RP/jh-


Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung. Beachten Sie
dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
25 Stunden Berlin

Protokoll zum Besuch des US-Präsidenten Barack Obama

25 Stunden Berlin

Wir halten Sie in unserem LIVE-Ticker über die Ereignisse in Berlin auf dem Laufenden. mehr 

Schweigender Protest geht weiter

Wieder hunderte Demonstranten auf dem Taksim-Platz

Knapp drei Wochen nach Beginn der Proteste in der Türkei haben auf dem Taksim-Platz in Istanbul erneut einige hundert Demonstranten schweige ... mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Protokoll zum Besuch des US-Präsidenten Barack Obama

25 Stunden Berlin

Schweigender Protest geht weiter

Wieder hunderte Demonstranten auf dem Taksim-Platz

EU-Finanzplanung für 2014 bis 2020 steht

EU-Parlament und Regierungen einig

Star-Geiger jettet durch Deutschland

David Garrett: Erst Obama, dann Hockeypark

Feuer in Mönchengladbach

Großbrand in Gaslager: Ursache unklar

Borussia Mönchengladbach

Mike Hanke heiratet im Wasserschloss

Schwerer Unfall in Wesel

Lkw-Fahrer lebensgefährlich verletzt

Videos

Video

Vorgestellt: Nashorn Kibibi aus dem Krefelder Zoo

Kibibi ist zwei Jahre alt und lebt im Krefelder Zoo. Doch lange kann sie dort nicht mehr bleiben, denn ihre Mutter ist erneut schwanger. ... mehr 

Homo-Scheidung: Grauzonen unter der Regenbogen-Fahne

Eine Familie in New York: Farid Ali und George Constantinou haben zwei Kinder, dank einer Leihmutter. Und sie sind glücklich verheiratet - ... mehr 

Obama in Berlin winkend Brandenburger Tor

Protokoll zum Besuch des US-Präsidenten Barack Obama

25 Stunden Berlin

Es war der Besuch des Jahres. Der US-Präsident Barack Obama in Berlin. Einst als Lichtgestalt umjubelt, muss er sich nun auch offener Kritik stellen. In der Hauptstadt galt Sicherheitsstufe 1+. Der Tag im Protokoll. Von Michael Bröcker, Gregor Mayntz und Christoph Schroeter  mehr

 
 

US-Präsident trifft SPD-Kanzlerkandidat

Obama und Steinbrück erörtern Schuldenkrise

 

Das Protokoll zur Rede am Brandenburger Tor

Obama: Wir werden die Atomwaffen reduzieren

 

Die Obamas in der Hauptstadt

Die Berliner brauchen viel Geduld

 
Top-Services
 
Jetzt Fan werden!

Werden Sie jetzt Facebook-Fan von RP ONLINE und verpassen Sie keine News mehr.

Jetzt Facebook-Fan werden von RP ONLINE